Zadie Smith – Swing Time

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Cover von Swing Time

Zadie Smith und ich hatten unsere erste literarische Begegnung bereits vor einigen Jahren. Aus England schwappte eine Welle der Begeisterung für die Bücher dieser Autorin via Internet zu mir. Also habe ich mir “London N-W” besorgt (selbstverständlich im Original, übersetzt wurde sie da noch nicht) – und habe nach ca. 30 Seiten genervt aufgegeben. Ich habe nicht einmal ansatzweise verstanden, was die Autorin auf diesen Seiten mit ihrem Text bezweckt hat, es hat einfach keinen Sinn für mich ergeben.

Aber so einfach gebe ich nicht auf und so wagte ich mit “Swing Time” einen neuen Versuch, dieses Mal auf Deutsch. Abschreckende 640 Seiten warteten auf mich. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen – ich habe das Buch beendet, auch wenn ich tatsächlich dreieinhalb Monate gebraucht habe. Immer wieder hat mich das Buch so viele Nerven gekostet, dass ich einfach eine Pause und etwas Abstand vom Text brauchte.

Beim Tanzunterricht lernen sich zwei kleine Mädchen kennen und werden Freundinnen. Beide träumen davon, Tänzerinnen zu werden. Doch nur die eine hat Talent. Die andere hat Ideen: über Rhythmus und Zeit, über schwarze Haut und schwarze Musik, über Stammeszugehörigkeit, Milieu, Bildung und Chancengleichheit.

Als sich die beiden Mädchen zum ersten Mal begegnen, fühlen sie sich sofort zueinander hingezogen. Die gleiche Leidenschaft fürs Tanzen und für Musicals verbindet sie, doch auch derselbe Londoner Vorort und die Hautfarbe. Ihre Wege trennen sich, als Tracey tatsächlich Tänzerin wird und erste Rollen in Musicals bekommt. Ihre Freundin wiederum jettet als Assistentin der berühmten Sängerin Aimee um die Welt. Als Aimee in Afrika eine Schule gründen will, reist sie ihr voraus und lässt sich durch das Land, in dem ihre Wurzeln liegen, verzaubern und aus dem Rhythmus bringen.

Es war zu erwarten, dass in einem so dicken Buch eine Menge passiert, aber Smith hat meine Erwartungen hier sogar noch übertroffen. Ich weiß nicht genau was ich davon halten soll, beim Lesen fühlte ich immer wieder eine Ratlosigkeit. Die Autorin bearbeitet eine unglaubliche Menge an Themen, auf die sie immer wieder zurückkommt. Das Leben und die Erlebnisse der namenlosen Ich-Erzählerin wird in Episoden erzählt und immer wieder geht es um ihre Freundschaft zu Tracey, mit der sie die kindliche Liebe zum Tanz verbindet und deren Freundschaft sie sehr geprägt hat, die schwierige Beziehung ihrer Eltern und der Lebensentwurf ihrer Mutter, der sich so stark vom Leben anderer Mütter in ihrem Umfeld unterscheidet. Immer wieder geht es um politische Themen, nicht nur global, sondern auch regional und um die Bedeutung von Bildung. Smith verbindet diese Themen locker miteinander und wechselt zwischen ihnen hin und her. Da war es für mich manchmal schwer am Ball zu bleiben, auch wenn die Autorin immer wieder Verweise zwischen den einzelnen Abschnitten setzt.

Smith betrachtet die Gesellschaft mit einem kritischen Blick und rückt in “Swing Time” vor allem Frauen in den Mittelpunkt. Sie seziert regelrecht die Unterschiede, die immer noch gemacht werden und wählt dafür plakative Gegensätze: schwarz vs. weiß, arm vs. reich, Afrika vs. Europa und so weiter. Die Autorin zeigt, welche Faktoren das Leben der Menschen und besonders von Frauen in bestimmte Bahnen lenken kann, wenn sie z.B. an eine Universität gehen bzw. gehen können oder mit welchen gesellschaftlichen Faktoren sie kämpfen müssen. Leider reißt sie auch hier wieder viele Themen nur an und denkt sie nicht konsequent zu Ende.  

Fazit

Dieses Buch hat mich mit der Autorin versöhnt, auch wenn sie mich stellenweise zur Verzweiflung getrieben hat. Am Ende war ich froh, dieses Buch gelesen zu haben, auch wenn ich mir noch mehr gewünscht hätte. Vielleicht ist dies einfach der Stil der Autorin und sie will ihre Leser so zum Denken und eigenen Handeln bewegen.

Eure Maike


Zadie Smith – Swing Time
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
640 Seiten, Hardcover, 24 €

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2 Comments

  1. Joel says:

    Interessantes, sehr umfangreiches Buch, welches mir persönlich aber als sehr schwierig vorkommt. Als Fan von eher dünneren Büchern und der Kuriosität einer namenslosen Ich-Erzählerin bin ich deswegen eher skeptisch.
    Liebe Grüße
    Joel von Büchervergleich.org

  2. Anna says:

    Muss ich auch unbedingt noch mal reinlesen!

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