Margriet De Moor – Von Vögeln und Menschen

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Dunkles Cover con "Von Vögeln und Menschen" mit Federn darauf neben echten Federn.

Den letzten Roman von Margriet De Moor habe ich verschlungen. Ich war regelrecht süchtig nach ihrem Schreibstil. Jedes Wort eine leise Anklage, ein stilles Meeresrauschen, das einen sanft, aber unaufhaltsam durch die Geschichte treibt. 
Das Buch von dem ich spreche ist “Schlaflose Nächte” und ich möchte es euch hier nochmals vehement ans Herz legen. Es ist ein wundervolles Buch, das lange nachhallt. 

Nun ist gerade ihr neuer Roman “Von Vögeln und Menschen” erschienen und ich konnte es kaum erwarten, endlich dieser poetischen Erzählerin folgen zu dürfen. 

Die Handlung hat es in sich: Es geht um Mord, Tod und Schuldigkeit, aber auch um Familie und lebenslange Verbindungen. Und um Vögel – jede Menge Vögel. 

Rinus arbeitet auf einem Flughafen und vertreibt Nacht für Nacht die Vögel vom Flugfeld, die sonst in die Turbinen der Flugzeuge geraten könnten. Wie jeden Morgen kehrt er zufrieden zu seiner Marie Lina zurück. Doch die kurze gemeinsame Bettruhe hält nur kurz: Ein paar Polizisten kommen, um sie abzuholen. Rinus ist sofort klar, was sie getan hat. Sie hat eine Frau getötet und eigentlich sind sie beide erleichtert, dass sie es endlich getan hat. 
Endlich schließt sich ein Kreis, der seinen Anfang mit Marie Linas Mutter nahm. Diese saß viele Jahre wegen Mordes im Gefängnis – unschuldig. 

Mit sehr viel Ruhe und nur sehr langsam wird der Leser in die verschachtelte Welt dieser etwas seltsamen Familie geholt. Man erfährt in Rückblenden und kurzen Einschüben etwas über Rinus’ Kindheit, seine erste Liebe Hortense, seine Familie. Aber auch über die Familie von Marie Lina und schließlich die beiden Morde und alle Beteiligten.
Erschienen mir die Rückblendungen und Personenwechsel zu Beginn noch wohlüberlegt und gezielt eingesetzt, verlor ich mich im Laufe der Handlung daran und damit auch den roten Faden. Das letzte Drittel, nachdem beide Morde und deren Gründe/Abläufe dargelegt worden waren, war die Luft raus. Die Handlung plätscherte noch etwas vor sich hin und endete mit einer eher nebensächlichen Episode, die mir insgesamt eher seltsam vorkam. 

Wie ein schöner, seltener Vogel: Hortense

Die schöne Schwiegertochter Hortense war mit jedem der drei Söhne der Familie zusammen gewesen, doch keine der Beziehungen hat tatsächlich gehalten. Etwas ausufernd und ohne tatsächlichen Mehrwert schlingt sich diese Nebenhandlung wie eine kleine Kuriosität durch die eigentliche, handlungstreibende Erzählung von Rinus und seiner Marie Lina. 
Es fehlt durchaus etwas die Spannung, die man bei mehreren Morden und Rachefantasien erwartet. Die ruhige, philosophische Sprache, die ich sonst bei Margriet de Moor so sehr schätze, fand ich bei diesem Setting teilweise unpassend und vor allem ermüdend. 

Fazit 

Ein guter Roman, aber man sollte eher einen ruhigen Spaziergang durch die Familiengalerie als einen rasanten Actionfilm erwarten. 
Nichtsdestotrotz ist die bildhafte Sprache und die kunstvolle Verschachtelung der Sätze einzigartig. Allein für einige wahre Schätze von so zarter Schönheit, dass ich sie unwillkürlich nochmal laut lesen musste, lohnt sich dieses Buch allemal. 

Eure Mareike 


Margriet De Moor – Von Vögeln und Menschen
Übersetzung: Helga Beuningen
Verlag: Hanser 
Gebunden, 272 Seiten, ca. 23 Euro

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