Naomi Wood – Als Hemingway mich liebte

Eigentlich hatte ich erwartet, dass der Roman von Naomi Woods für viel mehr Wirbel in der Blog-Szene sorgt. Aber ich bin hier voreingenommen. Denn es geht um Hemingway oder besser gesagt um seine Frauen. Mareike und ich sind da bekanntermaßen Fangirls und etwas voreingenommen – aber da müsst ihr jetzt durch.
Es geht natürlich um „Als Hemingway mich liebte“ von Naomi Wood. Natürlich mussten wir beide als Hemingway-Fans dieses Buch lesen, das war schlicht und ergreifend alternativlos. Auch wenn wir beide mit sehr unterschiedlichen Blickwinkeln gelesen haben – Mareike beruflich und ich privat – gibt es wohl diverse leicht hysterische Nachrichten zum Buch, die wir uns gegenseitig zugeschickt haben. Dabei hatte ich einige Startschwierigkeiten mit dem Buch, irgendwie kam ich nicht so recht in den Text hinein.
Naomi Wood berichtet einmal ganz anders vom großen Schriftsteller Hemingway. Sie betrachtet seine vier Ehefrauen Hadley, Fife, Martha und Mary. Die Lebensabschnitte, die Hemingway mit ihnen verbrachte, dienen gleichzeitig als Gliederung des Romans. Wood lässt die einzelnen Episoden jeweils am Ende der Ehe einsetzen. Die Frauen blicken dabei immer auf ihre Jahre mit Hemingway zurück, denken an das Schöne aber auch an das Schwierige im Zusammenleben mit ihm. Und jede muss sich auch schon mit der Zukunft auseinander setzen. Es ist ja allgemein bekannt, dass Hemingway von einer Ehe fast nahtlos in die nächste wechselte, was auch Woods mehr als eindeutig beschreibt. Und seine Ehefrauen kannten die jeweils „Neue“ bereits oder sahen sie aus der Ferne.

HemingwayHemingway selbst taucht im Buch immer nur am Rande auf, die Hauptrollen haben eindeutig die vier Frauen. Wood gelingt es hervorragend die einzelnen Charaktere herauszuarbeiten und zeigt, wie unterschiedlich sie eigentlich waren. Jede blickt mit dem ihr eigenen Temperament auf die gemeinsamen Jahre zurück. Keine von ihnen gleicht der anderen und dennoch ist Hemingway mit allen die Ehe eingegangen. Und auch wenn keine ihn an sich binden konnte (er hatte fast immer auch eine Affäre), die Liebe und Zuneigung zum gleichen Mann einte sie alle und ließ sie sogar Freundinnen werden.

Nun ja, das Ende des Buches ist hier natürlich schon im Vorfeld bekannt, die Biografie Hemingways ist schließlich kein Mysterium. Und dennoch hat Naomi Wood es geschafft, dass man mit jeder Einzelnen mitfiebert und hofft, dass sie den Kampf um ihre Ehe am Ende doch irgendwie gewinnt. Das spiegelt sich auch im Erzählton wieder. Es geht sehr emotional zu, mal gelassen, mal wutentbrannt, mal resigniert. Ich glaube, das ist etwas, was man mögen muss. Mir hat es vor allen Dingen am Anfang einige Probleme bereitet, ich habe lange gebraucht, um in den Text zu finden. Doch im Großen und Ganzen macht besonders das den Charme aus – es ist jedesmal wieder eine Liebeserklärung an einen großen und schwierigen Mann und jede der Frauen sah auf ihre Art und Weise etwas Liebenswertes in ihm, für das sie bereit war zu kämpfen.
Das lag natürlich auch daran, dass jeder Abschnitt am Ende der Ehe einsetzte – nicht gerade etwas, das viel Fröhlichkeit verbreitet. Aber da auch jede auf die Zeit des Kennenlernens und die Anfänge der Beziehung zurückblickt, entwickelt es sich zu einem emotionalen Auf und Ab, dass einen beim Lesen ordentlich auf Trab hält.

Fazit


Ein echtes Must-Read für Fans von Hemingway. Es beleuchtet den Mann und den Schriftsteller Hemingway auf eine liebevolle Art und Weise ohne jemals ins Kitschige abzurutschen oder vulgär zu wirken. Ich bin schon auf die nächsten Bücher von Naomi Wood gespannt!

 

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefüllt

Eure Maike


Naomi Wood – Als Hemingway mich liebte
Verlag: Hoffmann und Campe
368 Seiten, gebunden, 20 €

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7 Kommentare

  • Antworten Binea - Literatwo 18. April 2016 um 18:37

    Danke für die Vorstellung – ich habe es da, ABER…ich bin ein wenig abgeschreckt – Arndt und ich haben viel über Hemingway gelesen und vor allem „Madame Hemingway“ und nunja, es soll nicht sooooooo gut sein…hab ich gehört…

    Aber – sag niemals nie und du hast Lust aufs Lesen gemacht.

    Gruß – Bini

    • Antworten Mareike 19. April 2016 um 20:23

      Liebe Binea,
      ich glaube, Arndt ist mit völlig falschen Vorstellungen an das Buch gegangen. Es ist kein Buch über Hemingway und er spielt auch keine allzu große Rolle in dem Buch, sondern lotet die Beziehungen der Frauen zu ihm und zueinander aus. Maike und ich haben es beide sehr genossen und ich denke, dass du dem Buch eine Chance geben solltest.<3
      Liebe Grüße
      Mareike

  • Antworten Ingrid 27. April 2016 um 11:45

    Mir hat es sehr gut gefallen, auch wenn ich die Personen nicht verstehen kann. Aber es ist einfach toll geschrieben.

  • Antworten Mrs. Hemingway – Nur Lesen ist schöner 17. Juni 2016 um 07:42

    […] Hier könnt ihr Maike & Mareikes Eindrücke zu Woods Roman einfangen… […]

  • Antworten Lesley M.M. Blume: „Und alle benehmen sich daneben“ | AstroLibrium 15. Mai 2017 um 18:19

    […] Hemingway“ von Paula McLain „Als Hemingway mich liebte“ von Naomi Wood (Rezension bei Herzpotenzial) „Paris – Ein Fest fürs Leben“ von Ernest […]

  • Antworten (Rezi-Shortcut) „Fiesta“ von Ernest Hemingway | AstroLibrium 19. Mai 2017 um 18:31

    […] alle benehmen sich daneben“ von Lesley M.M. Blume „Madame Hemingway“ von Paula McLain „Als Hemingway mich liebte“ von Naomi Wood „Paris – Ein Fest fürs Leben“ von Ernest […]

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