Michel Faber – Das Buch der seltsamen neuen Dinge

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Als ich “Das Buch der seltsamen neuen Dinge”  von Michel Faber das erste Mal aufschlug, hatte ich so gar keine Ahnung, was mich erwartet. Der Klappentext verwirrte mich mehr, als das er mir einen Überblick verschaffte – aber er machte mich auch neugierig. Kein & Aber hat mich schon mehrfach positiv mit Büchern überrascht, die ich als eher experimentell bezeichnen würde. So viel schon mal vorweg: Auch dieses Mal war das wieder der Fall.

Ich bin bei dir alle Tage bis ans Ende der Welt. Der junge Pastor Peter Leigh wird auf die Reise seines Lebens geschickt nur darf seine Frau Bea ihn nicht begleiten. Um in Kontakt zu bleiben, schicken sie sich Briefe. Doch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit musste eine Liebe eine derart große Distanz überbrücken.

Für Peter geht ein Traum in Erfüllung: Er wird aus zig Bewerbern ausgewählt, als Pastor auf den fernen Planeten Oasis zu reisen und den Kontakt mit den dortigen Bewohnern auszubauen. Einziger Wermutstropfen ist, dass seine Frau Bea die Reise nicht mit ihm antreten darf, sondern auf der Erde zurückbleibt. Bea, die ihm das Leben gerettet hat und ihn mit ihrer Liebe zu Gott nicht nur aus dem Drogensumpf gezogen hat, sondern ihm auch den Weg in ein “normales” Leben geebnet hat. Die beiden sind unzertrennlich, verliebt wie am ersten Tag und lösen gemeinsam jedes noch so große Problem. Doch plötzlich ist ihre einzige Möglichkeit zur Kommunikation ein Shoot – ein kleines Gerät, mit dem es möglich ist, Nachrichten zwischen den Planeten zu versenden. So wollen Sie sich regelmäßig auf dem Laufenden halten.

Nach seiner Ankunft auf Oasis findet sich Peter in einer völlig anderen Welt wieder. Die Eindrücke überwältigen ihn und es gelingt ihm kaum, das Gesehene für Bea in Worte zu fassen. Er eilt von einem Höhepunkt zum nächsten, entdeckt immer nur Neues und Aufregendes. Auch seine erste Begegnung mit den Oasiern läuft anders als erwartet – zu seiner Überraschung findet er eine enthusiastische christliche Gemeinde vor, die voller Begeisterung für die Bibel sind. Peter stürzt sich in die Arbeit und verbringt so viel Zeit wie möglich in seiner Gemeinde, doch das bedeutet, dass er den Kontakt zu Bea unterbrechen muss. Moderne Kommunikationstechnik ist in der Siedlung der Oasier noch nicht angekommen und funktioniert nur, wenn er alle paar Tage das Basislager besucht.

Unterdessen erlebt Bea auf der Erde einen radikalen Wandel. Innerhalb kürzester Zeit ereignen sich mehrere schwere Katastrophen, Großkonzerne gehen pleite, das öffentliche Leben in England bricht fast komplett zusammen. Immer wenn Peter ihre Briefe öffnet, erwartet ihn eine neue Horrornachricht, auf die er keine Antwort weiß. Stattdessen berichtet er von seinen Fortschritten und Erfolgen und erinnert sich wehmütig daran, wie viel besser alles wäre, wenn Bea da wäre. Die Kommunikation der beiden wird immer schwieriger und konfliktträchtiger und irgendwann ist Peter an dem Punkt, an dem er eine wichtige Entscheidung treffen muss.

Fazit

Spannend und fesselnd, mit einer guten Prise Abenteuer und Drama, gleichzeitig absurd und doch real – so kann man dieses Buch beschreiben. Michael Faber zeigt in “Das Buch der seltsamen neuen Dinge” was Menschen und andere Lebewesen miteinander verbindet und was sie trennt. Das Geschehen trifft einen beim Lesen mit voller Wucht, man erschließt euphorisch eine neue Welt und spürt gleichzeitig die Lähmung der düsteren Zukunftsprognose. Was für ein ungeheuerlicher Roman – in vielerlei Hinsicht.

Eure Maike


Michel Faber – Das Buch der seltsamen neuen Dinge
Verlag: Kein und Aber
688 Seiten, Hardcover, 25 €

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