[Lieblingsbücher] Truman Capote – Frühstück bei Tiffany

Im Rahmen der “Lieblingsbücher-Challenge” liest jede von uns noch einmal 12 ihrer Lieblingsbücher und präsentiert sie hier.

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Truman Capote – Frühstück bei Tiffany

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Darum geht es: „Bei all ihrer schicken Magerkeit, strahlte sie eine Haferflocken-Gesundheit aus, eine Seifen- und Zitronen-Reinlichkeit, und Zug ihren Wangen lag eine raue Röte. Sie hatte einen großen Mund und eine Stupsnase. Eine Sonnenbrille verbarg ihre Augen. Es war ein Gesicht, das nicht mehr ganz in der Kindheit zuhause war und schon einer Frau gehörte. – Die 18-jährige Holly Golightly lässt sich in New York vom Strom des leichten Lebens treiben. Mit charmanter Keckheit und überraschendem Einfallsreichtum schlägt sie sich zwischen Bohemiens, Playboys, Gin und Rosen durch und bleibt sich und ihrem Herzen treu. Und manchmal, wenn sie die unbestimmte Furcht vor dem Leben packt, dann hilft nur eins: schleunigst zum Juwelier Tiffany gehen!“

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Wie ihr sehen könnt, besitze ich mehrere Ausgaben dieses wundervollen Buches.  Auf beiden Ausgaben ist ein Bild von Audrey Hepburn in ihrer Rolle als Holly Golightly zu sehen. Sie ist wohl ähnlich mit dieser Rolle verbunden wie Romy Schneider mit Sisi. Wenn jemand „Frühstück bei Tiffany“ hört, denkt er vermutlich sofort an Audrey Hepburn und die Verfilmung. Ich muss zugeben, dass es mir sehr ähnlich geht. Ich habe erst den Film gesehen  – und das sehr, sehr viele Male. Es ist ein absoluter Sonntag-Kuscheldecke-Wohlfühl-Film. Und modisch bin ich zutiefst beeindruckt von der schlichten mädchenhaften Eleganz, die Audrey Hepburn ausstrahlt. Dunkle Rehaugen, wunderschöne Sixties Frisur, kleines zierliches Persönchen, das nicht nur körperlich zerbrechlich wirkt.

Entsprechend war ich jetzt bei der erneuten Lektüre dieses wundervollen Buches doch überrascht, dass die Filmbilder die Buch-Holly fast wieder vollständig ersetzt hatte. Normalerweise reicht es, dass ich einmal das Buch zu einer Verfilmung lese und die Buchrealität überlagert für mich eindeutig die Filmbilder. Doch hier ist das überraschenderweise nicht passiert. Ich wusste natürlich noch, dass das Buch fast 20 Jahre vor dem Film in den späten Jahren des zweiten Weltkriegs angesiedelt ist. Ja, das schon. Aber die bunt-blonde, leicht frivole „Haferflocken-Holly“ wurde von der dezenteren Film-Version einfach überdeckt.

Das heißt nicht, dass mir das Buch nicht nach wie vor unglaublich gut gefallen hat. Was ich an dem Buch nach wie vor liebe:

– Man ist mit dem ersten Satz drin, man wird sofort neugierig, WER nun Holly ist und für mich findet man darauf nie eine befriedigende Antwort.

-Der Erzählstil ist einfach nur perfekt, einzigartig, Capotesk und ein Stück zu Hause. Ich fühle mich in dieser Erzählung so wohl als wäre sie warmer Pudding. Ich könnte sie wieder und wieder lesen und würde immer neue Aspekte an Holly und ihren Freunden entdecken. Ich denke, genau das macht eine gute Geschichte aus:

„If one cannot enjoy reading a book over and over again, there is no use reading it at all.“ (Oscar Wilde)

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-Die (kitschig angehauchte) Hollywood-Happy-End-Wendung ist hier nicht vorhanden, was Holly eine ganz andere Tiefe verleiht. Mal ehrlich: Könnt ihr euch auch nur ansatzweise vorstellen, dass sie nach dem Filmende happily ever after leben? So mit alltäglichen Problemen, mit leerem Kühlschrank, Wäsche machen und so? Ich nicht. Da ist das Buch einfach MEHR. Vielschichtiger und offener.

Fazit: Ich bin unglaublich froh, das Buch mal wieder gelesen zu haben. Ich habe es wirklich wieder neu für mich entdeckt und kann nun Buch und Film für mich viel klarer trennen. Es sind beides Meisterwerke und jedes sollte für sich stehen. Denn die Figur der Holly bietet genug Facetten für noch zahlreiche weitere Interpretationen. Ich entdecke ständig neue Eigenschaften an ihr und mit jeder wächst sie mir mehr ans Herz. Kleine, chaotische, anarchische, clevere, naive Holly, schön, dass es dich gibt.

Eure Mareike

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3 Kommentare

  • Antworten Annanym 30. Oktober 2013 um 14:46

    Mir geht es mit der Überlagerung ganz genauso. Audrey wird immer auch Holly Golightly sein und ich kann mir Marilyn Monroe in der Rolle wirklich gar nicht vorstellen. Andererseits ist das hier auch eine der seltenen Fälle, in denen sich Buch. und Filmrealität für mich gar nicht überlagern. Im Gegenteil nehme ich beide als getrennt wahr.

    Okay. Jetzt will ich es mal wieder lesen. Kann man ja auch gut mal zwischendrin einschieben ^^

  • Antworten Truman Capote - Wo die Welt anfängt - Herzpotenzial 18. November 2015 um 18:34

    […] der Name Truman Capote fällt, denken viele zuerst an „Frühstück bei Tiffany„, „Kaltblütig“ oder „Erhörte Gebete„. Ich für meinen Teil füge zu […]

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