Cover des Buches und Tasse

Alison Jean Lester – Lillian, das Leben und die Männer

Der Titel von Alison Jean Lesters Roman „Lillian, das Leben und die Männer“ passt tatsächlich ziemlich gut. Dennoch mag ich auch den Originaltitel des von Eva Bonné übersetzten Buchen: „Lillian on life“. Und es begeisterte uns schon in der Vorschau.

Lillian sprüht vor Lebenslust, und sie liebt Männer: gut aussehende, intelligente, interessante Männer. In den Weltstädten der 1950er und 1960er-Jahre gibt es diese Spezies zum Glück in Hülle und Fülle. Lillian verliebt sich, sie lernt von „ihren“ Männern – und verlässt sie dann genau im richtigen Augenblick. Bis Teddy kommt, ein verheirateter Mann, ihr Chef in der New Yorker Zeitungsredaktion – und mit ihm die große Liebe.
Die schlaglichtartig erzählten fiktiven Erinnerungen einer mondänen, intelligenten Frau in den besten Jahren: Witzig, schonungslos ehrlich, leidenschaftlich und unschlagbar charmant.

Als nicht mehr ganz so junge Frau erinnert sich Lillian an ihr Leben zurück. Es ist geprägt von den Männern, die sie liebte. Diese unterteilen es in einzelne Abschnitte, an die sie sich episodenartig zurück erinnert. Sie beginnt bei ihrem Vater, dessen Beziehung zur Mutter sie nie ganz einschätzen konnte. Schon als kleines Kind wunderte sie sich über den höflich-distanzierten Umgang ihrer Eltern miteinander und war dabei doch immer Papas kleines Mädchen. Nur zu gern sah sie sich als seine Verbündete, gerade als ihre Pubertät einsetzte und die Auseinandersetzungen mit der Mutter heftiger wurden. Und eigentlich enden ihre Männerbeziehungen bei Ted – dem wohl wichtigsten Mann in ihrem Leben. Und das, obwohl es nach ihm noch weitere Männer in ihrem Leben gab, doch so richtig scheinen die nicht mehr zu zählen.

Bei all den Trennungen, die sie erlebt, verliebt sie sich immer wieder aufs neue. Ihre Lebensfreude spürt man auf jeder Seite und selbst die schlechten Erfahrungen, die sie in all den Beziehungen macht, bremsen sie nicht aus. Dabei lässt sie sich nie heiraten – was ich für eine Frau in den 1950er und 1960er Jahren schon beeindruckend fand. Nur der sagenumwobene Ted schafft es, diesen Wunsch in ihr auszulösen. Für ihn wäre sie bereit, ihre so wichtige Unabhängigkeit aufzugeben, doch hier spielt das Leben nicht mit. Und so bleibt sie allein und doch nicht allein in New York, ohne ihr Leben zu bereuen.

Der Rückblick auf ihr Leben ist wehmütig und doch froh und gelassen. Bei der Protagonistin setzt eine gewisse Ruhe im Leben ein, die sie zu genießen scheint. Die Kapitel vermitteln den Eindruck, dass sie die Lektionen, die das Leben ihr gegeben hat, jetzt an andere weitergeben will. So beginnen in der Übersetzung alle Kapitel mit einem ÜBER. „Über das Benehmen im Ausland und ganz allgemein“, „Über große Entscheidungen“, „Über Inneneinrichtung“ oder „Über das letzte Geleit“ klingen wie Überschriften aus einem Schulbuch. Doch hinter jeder einzelnen verbirgt sich die Erinnerung an ein ganz besonderes Erlebnis an einen ganz besonderen Mann – mal positiv und mal negativ. Es ist überraschend, wie viele Emotionen hinter so einer rationalen Überschrift wie „Über die Notwendigkeit großer Taschen“ versteckt sind. Und so schonungslos, wie Lillian über ihre Männer spricht, urteilt sie auch über sich selbst. Jeden Fehler, den sie gemacht hat, jede Fehlentscheidung lässt sie noch einmal Revue passieren. Und so ist das Buch viel mehr, als eine Aneinanderreihung von Affären und Beziehungen.

FAZIT


Eine Art Biografie, die diesen Titel nicht benötigt. Alison Jean Lester schreibt von einer Frau, die sich ihr Leben lang nach Liebe und nach Freiheit sehnte und ihren ganz eigenen Weg fand.

Eure Maike


Alison Jean Lester – Lillian, das Leben und die Männer
Verlag: Droemer
240 Seiten, Hardcover, 19,99 €

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