Kurz vor dem Reading Burnout

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Es gibt unseren Blog jetzt bereits fünf Jahre und wenn ich mich durch frühere Besprechungen klicke, bin ich immer wieder überrascht, wie sich meine Buchauswahl in dieser Zeit verändert hat. Damals habe ich Bücher spontan in der Buchhandlung mitgenommen – einfach, weil mich Cover und Klappentext angesprochen haben. Hier ist das ganz anders und es belastet mich.

Ich bin inzwischen selbst Teil der Buchbranche, weiß genau, für welche Art von Programm welcher Verlag steht. Kenne die Rhythmen der Branche (ein Frühjahrs- und ein Herbstprogramm) und kann inzwischen bereits am Cover in wenigen Sekunden entscheiden, um was es in dem Buch geht und ob es für mich passt. Das hat zur Folge, dass ich inzwischen von Buchhandlungen nicht mehr überrascht werden kann. Das stundenlange Stöbern in der Buchhandlung um die Ecke funktioniert für mich nicht mehr so wie früher. Ich stehe eher vor den Tischen und denke: “Ja, das und das und das habe ich noch liegen, das hatte X kürzlich besprochen und die drei habe ich ja schon gelesen.” Überraschungen gibt es da nicht mehr. 
Ein neues Buch von einer Autorin, die ich sehr schätze? Davon weiß ich natürlich schon aus der Vorschau – ein glückliches Entdecken in den Regalen gibt es nicht mehr. 

Aufgeschlagenes Buch mit einer Tasse Tee
Das ist alles in Ordnung für mich. Ich bin Teil von etwas, das ich so sehr liebe. Außerdem habe ich so viel Lesestoff und bekomme ständig neue Inspiration von befreundeten Verlagskollegen, anderen Bloggern oder lieben Buchhändlern – das ist toll! 
Während meines literaturwissenschaftlichen Studiums habe ich in meiner Freizeit gezielt das Gegenteil von dem gelesen, was wir in den Seminaren besprochen haben. Ich wollte unterhalten werden, abschalten können und mich in fremde Welten entführen lassen. Christoph Marzi und Lucinda Riley waren meine Lieblingsautoren – hättet ihr es gedacht?
Nach dem Studium wurden mir die “Familiengeheimnis in britischem Herrenhaus”-Geschichten irgendwann zu abgedroschen. Alles schon einmal gelesen, die Plots alle schon einmal in ähnlicher Weise gehabt. Das Studium hat mir etliches an Handwerkszeug an die Hand gegeben, um in wenigen Seiten einen Roman einordnen zu können: Wer spricht, welche Muster und Figuren tauchen auf und was ist die Triebfeder der Handlung?

Durch meine Arbeit im Marketing und natürlich durch die inzwischen nicht unerhebliche Erfahrung durchs Bloggen, schaue ich bei einem Buch genau: Ist es ein Leseexemplar (setzt der Vertrieb also auf diesen Titel große Hoffnungen), wird Werbebudget in die Hand genommen und wie ist die Ausstattung (nur Taschenbuch – lief der Vorgänger etwa nicht gut)? Bekommen wir Blogger etwa dieses Buch gezielt zugeschickt? Hm, dann ist es wohl eher ein “leichterer” Titel.

Blogger sein verändert das Lesen

Und dann spielt die Zeit und meine Tätigkeit als Bloggerin eine nicht unerhebliche Rolle bei der Buchauswahl. Über 500 Seiten und am besten noch als mehrbändige Reihe angelegt? Wann soll ich das lesen? Es müssen schmale Bücher sein und am besten anspruchsvoll, denn man hat ja inzwischen auch ein gewisses Standing – die Leser erwarten einen gewissen konsistenten Lesegeschmack. Ich kann jetzt nicht einfach anfangen, seichte Unterhaltungsromane mit der gleichen Begeisterung zu besprechen, wie einen Benedict Wells (Okay – schlechtes Beispiel. Ich mochte seine Bücher nicht und das, obwohl “ALLE” ihn gut fanden – was läuft falsch bei mir?). 

Ich kann gar nicht anders, ich analysiere ein Buch sobald ich es zum ersten Mal sehe. Schaue, ob ein Titel auch von anderen besprochen wird und wenn ja, von wem? Erwartungshaltung hoch, Entspannung… selten vorhanden. 

Bücherstapel mit bunten Lesebändchen neben kleiner Sukkulente

Die Vorauswahl muss also verdammt gut sein, denn meine Freizeit ist inzwischen ein sehr kostbares, weil seltenes Gut. Stets das Notizbuch und die Klebezettelchen daneben, als würde man später einen Test über das Gelesene schreiben. Aber nein, es ist eine Besprechung, die wohlbegründet, feinsinnig und stets einordnend sein muss. Jedes Buch muss ein Volltreffer sein. Für alles andere fehlt einem die Zeit. Schließlich lesen auch die Autoren und Verlagsmitarbeiter fleißig mit, wenn ich ein neues Buch beginne. Man erwartet stets eine genaue Begründung und am besten eine Entschuldigung, wenn einem ein Buch nicht gefällt. Sonst landet man recht schnell am digitalen Pranger. Schließlich haben wir Literaturblogger (wichtig – niemals Buchblogger, das ist etwas GANZ anderes!) einen höheren Auftrag. Wir besprechen hier KULTUR! Wir sind die, die das literarische Abendland vor der Eroberung durch trivialere Beschäftigungen schützen müssen. Habe ich die Kraft für solche Diskussionen? 

Make reading sexy/great/selling again?

Ich sage es ganz ehrlich: Nö. Ich mag das nicht mehr. 
Unterhaltung und Entspannung hole ich mir schon seit einiger Zeit nicht mehr aus Büchern. Bücher, das ist Arbeit – im doppelten Sinn. Eine Arbeit, die ich liebe. Eine Leidenschaft und mein liebstes Hobby. 
Doch es gibt Tage, da wünsche ich mir Bücher, die ich vorbehaltlos lesen kann. Bei denen mein Kopf völlig frei ist und sich einfach auf die Geschichte einlässt. Ohne Überlegungen zur Platzierung, zur Lesererwartung oder ob irgendwer irgendwas von mir erwartet. 

Reading Burnout, ick hör dir trapsen. Doch du wirst mich nicht kriegen. Zu wichtig ist mir meine seelische Balance und das Lesen. 

Und ihr anderen (Berufs-/Hobby-)Leser: Passt auf euch auf.

Schlussendlich entscheidet ihr, welche Lektüre euch gut tut. 
Ich beginne jetzt eine Buchreihe, ein bisschen Familiengeheimnis und vielleicht auch eine Spur Rührigkeit inklusive. Ich freue mich drauf!

 

Eure Mareike

 

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27 Comments

  1. Marina says:

    Ich kann deinen Beitrag nur unterschreiben.
    Ich liebe es, mit Büchern arbeiten zu dürfen, aber es bedeutet auch, dass man auch immer irgendwie in seiner Freizeit arbeitet. Ich merke auch, dass ich anders lese, wenn es für die Arbeit ist und dass es mir schwer fällt, über „Arbeitsbücher“ im Blog zu schreiben.

    Irgendwas muss ich da ändern, aber ich weiß noch nicht, was.

  2. Julia | Literameer says:

    Liebe Mareike,
    das ist ein toller Artikel, dem ich sehr zustimme. Mir wird momentan auch sehr bewusst, wie sehr sich mein Leseverhalten in den letzten Jahren verändert hat. Ein Stück weit ist das auch normal und liegt an der eigenen Entwicklung, aber das Bloggen hat darauf eben auch Einfluss. Beruflich habe ich (in diesem Fall wohl zum Glück) nichts mit Büchern zu tun, aber ich fand es sehr interessant die daraus resultierenden Einflüsse in deinem Artikel zu lesen.
    Dein Fazit finde ich gut und ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen.
    Liebe Grüße
    Julia

  3. Marion says:

    Als ich die Arbeit im Buchhandel aufgegeben habe, dachte ich, jetzt kann ich wieder in Buchhandlungen gehen und vorbehaltlos neue Bücher entdecken. Kann ich natürlich nicht, weil ich mich immer noch durch alle Verlagsvorschauen klicke, die mich interessieren, jetzt eben in meiner Freizeit. Was ich übersehe, entdeckt garantiert ein anderer Blog für mich.
    Wenigstens stehe ich nicht mehr im Urlaub in der Buchhandlung und bin besorgt, weil ich dort eine Novität sehe, die ich vor meinem Urlaub noch nicht hatte und vielleicht gar nicht eingekauft habe und jetzt ist sie sicher zwei Wochen nicht lieferbar und soll ich vielleicht mal anrufen und fragen? Und warum ist es denn jetzt schon Platz 3 der Bestsellerliste? Hab ich davon zu wenig eingekauft? Merken die Kolleginnen das? Sicher merken die das. Ob ich wohl wirklich besser mal anrufe? Das bleibt mir und der Urlaubsbegleitung mittlerweile erspart.
    Davon abgesehen ist reine Unterhaltung auch für Literatur(!)blogger natürlich völlig legitim. Viel Spaß mit dem dunklen Familiengeheimnis! Ich leg mich jetzt wieder auf den Balkon und lese Lovecraft Country von Matt Ruff, der sich auch nicht der hohen Literatur verdächtig macht. Hoffentlich finde ich für die Rezension genug smarte Referenzen :-)

  4. Reinhold Scheibl says:

    Respekt für diesen Artikel, er hat mich sehr beeindruckt. Ich lese hobbymäßig für zwei Literaturkreise regelmässig Bücher und ich muss sagen, so sehr ich diese Bücher und die Literaurkreise schätze, irgendwann ist es gut. Man liest ein Buch mit anderen Augen, viel entspannter, wenn man weiß, dass man hinterher keine Kritik verfassen muss oder sich in irgendeiner Form kritisch äußern muss.
    Dieses entspannte Lesen, das Genießen beim Buch ohne den Kritiker im Hinterkopf zu haben, das brauche ich und das lässt mich abschalten von allem.

  5. Buchbahnhof says:

    Liebe Mareike,
    ein sehr berührender und ehrlicher Artikel. Ich selbst kenne diese Probleme zum Glück nicht, da ich von Anfang an nicht jedes Buch rezensiert habe und auch nach wie vor eher seichte Bücher liebe, lese und bespreche. Von daher ist lesen und auch bloggen auch nach 11 Jahren für mich reiner Spaß und Unterhaltung. Ich kann aber nachvollziehen, warum einige Blogger auf soetwas wie einen Burnout zusteuern. Gut, dass du für dich erkannt hast, wo das Problem liegt und dagegen steuern kannst.
    Hab weiter viel Spaß mit den Büchern und dem Blog und lass dich nicht stressen!
    LG
    Yvonne

  6. Nanni says:

    Liebe Mareike,

    über genau dieses Thema habe ich letzte Woche mit zwei Berufslesern (Lektorin und Programmbereichsleiter) gesprochen. Und du hast einfach in so vielen Punkten so viel Recht (einige treffen auf mich schon allein wegen der unterschiedlichen Lebensläufe nicht zu).

    Es gibt echt Tage an denen ich des bloggens überdrüssig bin, weil es einfach das Lesen so anstrengend macht. Das hat natürlich auch mit dem eigenen Anspruch zu tun. Vielleicht sollten wir einfach ein bisschen zurückschrauben.

    Aktuell lese ich auch vermehrt selbst gekaufte Bücher. Nehme weniger Rezensionsexemplare an und finde es so entspannend darüber schreiben zu können oder es eben sein zu lassen .

    Benedict Wells mag ich zwar sehr gerne, aber John Green kann mich einfach nicht berühren. Ich glaube wir sind trotzdem ganz okay ;)

    Ich wünsche dir ganz viel entspannte und freudige Lesezeit.

    Liebe Grüße ,
    Nanni

    P.S.: Christoph Marzi <3

  7. Evy says:

    Toller Artikel! Ich bin froh, dass ich nicht in der Literaturbranche “arbeite”, aber als Rezensentin spüre ich Druck. Ich lese und bewerte sehr gern Bücher, aber es hängen viele Gedanken daran. Mittlerweile lese ich Bücher, die ich bewusst rezensiere und abends Bücher, die ich für mich lese. Und ich habe meinen Anspruch heruntergefahren – eine Besprechung sollte toll sein, aber wenn sie nicht fundiert und perfekt gegliedert ist, ist das auch in Ordnung. Was ich nicht sage, fällt anderen Rezensenten auf. Und ob es schließlich relevant ist, ob ich die perfekte Rezi schreibe?

    Übrigens hatte ich bei Schminke ein ähnliches Problem, weil gefühlt jeder Blog ähnliches besprochen hat. Mittlerweile hat sich das Problem erledigt, weil die Blogs, die ich lese, zunehmend bewusster Make-up kaufen und nichtmehr jede Pressemitteilung verwerten. Indem sich Blogs differenzieren, vermindert sich das Gefühl, bereits alles zu kennen.

    Allerdings: Ich genieße es auch, in eine Buchhandlung zu gehen und zu wissen, dass ich mich von schönen Covern nicht verführen lasse. Weil ich ein Buch jederzeit googlen und sehen kann, was dahinter steckt.

  8. glimrendede says:

    Ein ganz toller Artikel!

    Ich denke mir immer, wenn ich Blogger sehe, die unglaublich viele Bücher zugeschickt bekommen, wann lesen die das eigentlich alles? Und bekommt man wirklich nur Bücher zugeschickt, die einen interessieren? Oder ist man manchmal auch gezwungen, Bücher zu lesen, die man sich nie selbst gekauft hätte?

    Ich selbst suche mir ab und zu Rezensionsexemplare z.B. über netgalley aus, achte aber sehr darauf, dass eine Ausgewogenheit zwischen Rezensionsexemplaren und selbstgekauften Büchern besteht. Und dass ich aus vielen verschiedenen Genre lese.

    Ich möchte nämlich nicht, dass das Lesen plötzlich zum Zweitjob wird.

    Ich hoffe, dass Du mit ein paar leichteren Büchern, den puren Spaß am Lesen wieder findest.

  9. juliawunderland says:

    Liebe Mareike
    Ich kann dich sehr gut verstehen. Das was du beschreibt hält mich davon ab, ine Ausbildung als Buchhändlerin zu machen. Schob jetzt, wenn ich in eine Buchhandlung gehe, habe ich das Gefühl die Hälfte des Bücher schon zu kennen. Bei jedem Cover denke ich mir “Das bekam viele negative Rezensionen” “BloggerIn X lobt das in den Himmel” oder “XY fand das gar nicht gut, deshalb lese ich es nicht”.

    Als Bloggerin habe ich deshalb aufgehört Rezensionsexemplare anzufragen und anzunehmen. Ich will nicht mit Notizbuch und Stift das Buch lesen ubd mir ständig Gedanken machen zu müssen, wieso genau das Buch mir nun (nicht) gefällt. Inzwischen habe ich nur noch Klebezettel neben mir liegen, um schöne Szenen und Zitate zu markieren. Das ist die bisher beste Lösung für mich.

    Ich hoffe du findest eine Lösung für dein Readingburnout!
    Viele Grüsse
    Julia

  10. Mareike says:

    Liebe Marina,
    ja, Freizeit und Arbeit verschwimmt. Das ist bei dir ja noch um einiges extremer als bei mir. Ich finde eigentlich, dass du eine gute Trennung schaffst – zumindest wirkt es so.
    <3

  11. Mareike says:

    Liebe Julia,
    vielen Dank für deine netten Worte.
    Du hast sicherlich recht, dass wir uns auch lesetechnisch weiterentwickeln. Es hat ja auch viele Vorteile, dass wir unseren Geschmack besser kennen und wir somit viel seltener zu unpassenden Büchern greifen ;)
    Viele Grüße
    Mareike

  12. Mareike says:

    Liebe Marion,
    ich habe großen Respekt vor allen BuchhändlerInnen, die sich ihren Spaß und ihre Leidenschaft für Bücher nicht durch den Arbeitsalltag dämpfen lassen. Ich kann mir kaum vorstellen, mit welch anderem Blick man so durch eine Buchhandlung geht, auch wenn ich deine Beschreibungen total spannend finde! Vielen Dank dafür!
    Mareike

  13. Mareike says:

    Lieber Reinhold,
    danke dir! Genau das muss ich mir auch wieder häufiger gönnen: Ohne Kritiker im Hinterkopf lesen. Ein schönes Bild!
    Liebe Grüße
    Mareike

  14. Mareike says:

    Liebe Evy,
    das klingt nach einem guten System, wenn du die zwei Arten des Lesens trennen kannst. Glückwunsch dazu!
    Das mit der Schminke kenne ich noch gut. Wir haben ja 2013 ebenfalls mit Make-Up-Artikeln hier angefangen. Dieses Tempo hat uns so schnell mürbe gemacht – da fanden wir Bücher entschleunigender.
    Aber auch hier ist man halt nicht frei von Druck.
    LG
    Mareike

  15. Mareike says:

    Vielen Dank liebe Julia!

  16. Mareike says:

    Dankeschön!
    Das frage ich mich auch immer! Mich stressen schon 2-3 Bücher von Verlagen. Wie machen das manche, die Massen an Büchern bei sich liegen haben und ständig neue erhalten?
    Bei uns gilt die Regel: Wer uns etwas ungefragt einsendet, wird nur gelesen, wenn wir es uns eh gekauft hätten.
    Gezwungen wird man ja eigentlich nicht. Meiner Meinung nach machen sich manche eher selbst Druck durch Challenges. Lese ein blaues Buch von 2016 in Woche X – das funktioniert in den seltensten Fällen ;)

    Viele Grüße
    Mareike

  17. Bri says:

    Liebe Mareike,
    nun ja, ja und jein oder nein ;) Ich muss ein wenig ausholen. Ich lese seit ich denken kann. Alles, was mir in die Finger gerät und was mich irgendwie anspricht. Das kann durchaus quasi gut gemachter Trash sein, denn auch das gehört zu meinem Leseleben. Unbedingt wollte ich nachdem ich eine Einzelhandelslehre absolviert hatte, Germanistik studieren – also erst mal Abi nachmachen – dazu hab ich die Buchwissenschaften gepackt und danach wusste ich genau, dass ich in diesem wunderbaren Verlag in Cadolzburg, der wegen seiner tollen Kalender mit den Bildern italienischer Cafébars einer meiner liebsten war, arbeiten wollte. Hat dann auch geklappt und ich habe extrem viel dabei gelernt. Dann wollte ich meine Fernbeziehung in eine Nahbeziehung verwandeln und nach Berlin – auch das hat geklappt, aber die Arbeit, die ich seitdem mache, hat zwar mit der Buchbranche zu tun und mit den vielen netten und lieben Leuten, die da in ihr rumwuseln, aber eigentlich ist sie eine ganz andere. Jetzt hätte ich gerne wieder viel viel mehr hautnah mit Büchern zu tun. Und das ist das nächste Ziel. Der Blog ist mein Privatvergnügen und ich bin unendlich dankbar für jedes Buch, das er mir beschert. Zudem habe ich tolle Mitstreiter und so liegt nicht alles auf meinen Schultern. Dennoch, ich brauche Zeit und Muße – im Moment spucken mindestens 6 Bücher in meinem Kopf rum, über die ich unbedingt schreiben will. Ich bekomme nichts unangefragt – aber ich wähle geziehlt aus. Und ich bin so jemand, der tatsächlich noch Stapel zuhause stehen hat, die ich lesen und / oder besprechen will. Und hier ist der Knackpunkt. Ich bin von muss zu will übergegangen. Ich muss nichts, nur weil ich das Buch eventuell vom Verlag bekommen habe, muss ich es nicht besprechen. Das ist ganz klar, weil in den Verlagen so wunderbare Menschen sitzen, mit denen ich in guten Kontakten bin und die verstehen, dass es manchmal länger dauert – bei mir eigentlich immer – aber dass ich immer nur etwas posten kann, wenn ich dahinter stehe. Gut Ding will Weile haben. Der Anspruch, den ich an mich stelle ist ein bestimmter und wenn ich mich einem zeitlichen Druck beuge – zu sehr – dann wird das nichts. Ich habe es noch nie erlebt, dass wenn ich mit einem Buch überhaupt nicht klar kam, jemand darauf bestand, dass ich dazu etwas machen muss. Offensichtlich ist das, was ich mache, für die Menschen, mit denen ich da so in Kontakt bin, okay. Und auch mal Wert darauf zu warten. Und das ist es bei Dir sicherlich auch, da bin ich mir ganz sicher. Ein Patentrezept gibt es nicht. Jede*r muss da sehen, wie er/sie klar kommt. Aber Spaß muss es machen – und ich merke, ab und braucht es Pausen, aber ohne geht es nicht. LG, Bri

  18. Katja | Zwischen den Seiten says:

    Liebe Mareike,

    einen wirklich sehr tollen und ernsten Artikel hast du da geschrieben. Und obwohl ich nicht in der Buchbranche arbeite – obwohl die Entscheidung damals durchaus zur Auswahl stand – kommt mir oft der Gedanke, dass das Lesen und Bloggen ein Zweitjob ist. Und ein Wandel habe ich bei mir auch beobachtet.

    Früher habe ich jedes gelesene Buch rezensiert. Schöne Vorstellung, funktioniert aber einfach nicht mehr – und ehrlich gesagt will ich das auch gar nicht. Denn inzwischen lese ich nicht mehr nur was quasi von mir erwartet wird, oder Bücher die gerade “in” sind. Ich verbringe tatsächlich auch wieder Lesezeit mit Büchern, die ich wahrscheinlich niemals auf meinem Blog besprechen würde, die mir aber einfach Spaß machen. Ich analysiere nicht während dem Lesen, ich genieße einfach. Der Schritt dahin war allerdings keineswegs einfach und ich habe bereits eine fast einjährige Leseflaute hinter mehr.

    Inzwischen – nachdem ich ein wenig den Druck und die Verpflichtung rausgenommen habe – lese ich wieder mit größerer Freude und schaffe trotz 40+ Stunden Arbeit in der Woche mehr Bücher als früher. Mit Druck komme ich so und so nicht wirklich klar, zumindest wenn es ums Lesen geht. Soll ja immer noch Spaß machen. Daher scheitere ich auch immer wieder bei Challenges oder Leserunden. XD

    Liebe Grüße und eine schöne Woche,

    Katja

  19. Ela says:

    Hallo liebe Mareike,

    ein wirklich wunderbarer Artikel, der mir irgendwie sehr aus der Seele spricht. Ich selbst arbeite zwar nicht mit Büchern, aber ich hab auch festgestellt, dass das Bloggen mein Lesen extrem beeinflusst und verändert hat – nicht immer zum Positiven.

    Meine Rezensionen sind zwar relativ breit gefächert angelegt, aber wenn dann doch mal ein Buch heraussticht (wie z.B. letztens “Dunkelgrün fast schwarz” – vollkommen untypisch für mich, aber ich wollte es unbedingt lesen), komme ich auch ins Grübeln. Wie reagieren die Leser darauf? Sowas gab es bisher eher selten auf dem Blog, was mache ich nun? und so weiter und so fort… Und ich merke auch in letzer Zeit immer wieder, dass ich gar nicht mehr so unbefangen an Bücher herangehe, wie vielleicht noch zwei, drei Jahren. Dass es wirklich manchmal schon einem Test gleicht, wenn ich irgendwo ein Post-it oder Notizzettel reinklebe. Das hinterlässt einen komischen Beigeschmack bei mir und droht mich fast schon in eine Blogunlust zu stürzen.

    Ich hoffe, du kannst dem drohenden Reading-Burnout entkommen und findest auch bald in den Büchern wieder etwas Entspannung. Letztlich ist es euer Blog und wenn du mal etwas “seichteres” lesen möchtest, solltest du dich nicht davon abhalten lassen. Ob du es dann besprichst oder nicht ist ja wieder eine andere Sache. Aber ich bin sicher, auch diese Rezensionen werden gelesen :)

    Alles Liebe, Ela

  20. Klara Holzmann says:

    Liebe Mareike,
    ich persönlich war immer der Meinung, dass das Bloggen eine gewisse Gefahr birgt: Immer wollte ich damit beginnen und habe es dann doch sein lassen, aus Angst, dass mein liebstes Hobby zur Arbeit ausartet und ich mich schließlich nicht mehr auf Bücher freue, sondern sie als etwas sehe, das “abgearbeitet” werden muss. Jetzt habe ich persönlich einen guten Kompromiss gefunden und rezensiere auf http://www.psychobuch.org psychologische Sachbücher – eine Sparte, die ich gut mit meinem Hauptberuf verbinden kann und die meine normale Belletristik, die ich konsumiere, unangetastet lässt, so dass ich weiterhin (Neben)-beruf und Hobby trennen kann. Grundsätzlich finde ich aber, dass es gerade in unserem Zeitalter wichtig ist, den Menschen möglichst viele Bücher näher zu bringen…die Konkurrenz anderer Medien ist nun einmal doch nicht gerade kleiner geworden… :-)

    Ganz liebe Grüße
    Klara

  21. Renate Sabine says:

    Liebe Mareike,

    du hast eine wundervollen Artikel geschrieben der leider sehr die Wahrheit entspricht.

    Schon seit mehrere Monate merke ich diese Druck die mich nicht nur einmal in eine Leseflaute gestützt hat.
    Es ist tatsächlich so, dass wenn ich mir einen Buch auswähle die ich lesen soll, mir immer zehntausend Fragen im Kopf schissen: Kommt das gut auf dem Blog an? Mache ich damit einen Fehler? Ist der richtige Genre? Wird diese Interesse erwecken? Immer seltener denke ich an mich, an das was ich mir wünsche, das was mir Spaß macht.

    Der beste Beispiel für diesen Druck bemerke ich bei dem Buch die ich jetzt Lese. Bis jetzt hatte ich noch nie damit Probleme meine Meinung auf dem Blog zu äußern, egal ob diese positiv oder negativ ausgefallen ist, bis jetzt. Irgendwie bei diesem Buch – obwohl es gar nicht so mein Fall ist – quäle ich mich weiter durch die Seiten, da ich mich nicht unbeliebt machen will, wenn ich als einzige mit eine negative Meinung zu dem Buch um die Ecke komme. Wieso? Der Druck ist Groß, mann kann sich inzwischen – auch wenn der Blog einen Hobby ist – nicht mehr leisten Lesern gegen sich zu bringen oder zu verlieren. Die “Konkurrenz” ist groß und obwohl wir zwischen uns Bloggern nicht von Konkurrenz sprechen wollen, denken wir es bei der einen oder anderen aber so.

    Und auch das was du erzählt hast, ich kann nicht mehr lesen weil es Spaß sondern es ist eher wie eine Arbeit. Ich muss das Buch so schnell wie möglich lesen, damit ich die Buchbesprechung veröffentlichen kann bevor dieses Buch die Brisanz verliert. Ach und vergiss nicht bleib immer online! Instagram und Co. schlafen nie und du darfst es dementsprechend auch nicht! Poste fleißig, wenn möglich jeder Minute deines Lebens, nur so kriegst du die Aufmerksamkeit die du vielleicht vor einige Jahren auch nur mit deinen Beiträge auf dem Blog bekommen hättest.

    Irgendwann hat mal bloggen Spaß gemacht, aber Momentan ist das nur noch einen ständiges Rennen. Wer hat den modernsten Design? Wer stellt die aktuellsten Bücher vor? Wer postet am meisten auf dem Social Media Kanäle? Darum geht es heute beim bloggen und nicht darum was wir schreiben – bis es negativ ausfällt, dann wird es unter die Lupe genommen.

    Ich bin ehrlich gesagt schon enttäuscht und vor allem traurig, sehr traurig denn bloggen macht überhaupt keinen Spaß mehr….und es liegt nur in unsere Macht es zu ändern.

    Liebe Grüße,
    Renate

  22. Mareike says:

    Liebe Renate,
    das ist sehr traurig zu hören. Ich hoffe, dass du für dich einen entspannten Weg mit dem Bloggen und dem Lesen findest. Ich weiß, es ist schwer. Doch habe ich auch versucht zu zeigen: Es hat auch schöne Seiten! Der Austausch mit Anderen, nette Kontakte und einmalige Gelegenheiten dank Verlagen und Autoren.
    Ich denke nicht, dass man direkt untergeht, wenn man sich einmal eine Pause gönnt oder einmal eine Weile auf Social Media ruhiger ist.
    Und tu mir einen Gefallen: Leg das Buch weg und besprich es nicht! Du fühlst dich nicht wohl, also zwing dich nicht! Hab Spaß bei dem, was du tust. Da liegen noch andere gute Bücher bei dir, oder?
    Ich habe gerade wieder eins abgebrochen und schaue jetzt erst einmal eine Serie.

    Liebe Grüße
    Mareike

  23. jancak says:

    Nur nicht unter Druck setzen lassen, es gibt sehr viele Bücher und man bekommt sie wohl auch angeboten, zugeschickt, sieht sie in Buchhandlungen, findet sie in Bucherkästen und kann höchstwahrscheinlich nicht mehr als drei in der Woche lesen.
    Das tue ich jedenfalls, inzwischen habe ich den Rezensionsexemplarstapel auch im Badezimmer und den anderen, die gefundenen Bücher in den Regalen, streiche mir beim Lesen alles an, bespreche dann jedes Buch, ehrlich, verreiße nie und lobe es auch nicht überschwellig, sondern eher so für mich mein Gedächtnis und mein Archiv und seltsamerweise würde ich immer noch gerne möglichst alle Bücher lesen, tue mir schwer beim nein sagen, aber ebenfalls seltsamerweise relativiert sich das dann von selber, manche angefragten Bücher kommen nicht und manches ist dann auch nicht so wichtig und ansonsten glaube ich nicht, daß ich mich bei Büchern so auskenne, daß ich schon in der Buchhandlung etwas darüber aussagen kann, obwohl ich mich freue, wenn ich eines finde, das ich schon gelesen habe, liebe Grüße aus Wien und sich nicht unterkriegenlassen von der Bücherflut, sondern sich eher daran freuen, man kann ja aussteigen und gar nichts lesen wenn man das nicht will, aber warum sollte man das tun?

  24. tinelesemomente says:

    Liebe Mareike,
    einen sehr tollen Beitrag hast du geschrieben. Mir ging es eine Zeit lang sehr ähnlich. Daraus resultierte mein schlechtestes Lesejahr seit langem und eine lange Blogpause. Mittlerweile bin ich soweit, dass ich ein Buch nur noch dann rezensiere, wenn es mir danach in den Fingern kribbelt und ich unbedingt zum Laptop greifen möchte.
    Das kann ich mir mit meinem kleinen Blog aber auch gut leisten, das ist ein kleiner Vorteil, den ich sicherlich habe.

    Liebe Grüße an dich aus dem sonnigen Bielefeld,
    Christine

  25. Seitenglueck says:

    Hallo liebe Mareike,
    das ist wirklich ein ganz toller Artikel! Ich kann dich so gut verstehen. Ich bin Hobbyautorin und lese Bücher seitdem auch ganz anders. Dazu schreibe ich auch mal einen Post.
    Im letzten Jahr habe ich für 2 Monate ein Praktikum in einer Buchhandlung gemacht und es war sehr toll, aber nach so kurzer Zeit hatte ich auch schon ein bisschen mehr ein Gespür für Bücher, Bestseller Listen und Kundschaft. Aber dadurch waren Bücher auch weniger eine Möglichkeit zur Entspannung, sondern ich hatte mehr ein Bewusstsein für das Produkt Buch, das verkauft werden muss. Natürlich hatte ich das vorher auch schon, aber es ist noch mal etwas anderes, wenn man hinter der Kasse steht, weil an dann auch hautnah mitbekommt, welche Bücher öfters über den Ladentisch gehen und welche eher zu Ladenhütern werden oder auf den Rabatttischen landen.
    Beim Bloggen kann ich dich auch gut verstehen. Ich blogge erst seit 3 Wochen, da sind 5 Jahre wirklich Welten dagegen, aber ich denke beim Lesen schon daran, wann ich die Rezension hoch laden möchte. Trotzdem steht für mich der Spaß am Lesen im Vordergrund. Wenn ich gerade lieber Lust habe auf ein anderes Buch oder gar nicht voran komme, dann ist das halt so und die Rezension kommt später oder wann anders. Die Liebe zum Lesen ist schließlich das wichtigste.
    Liebe Grüße,
    Yvonne

  26. Mikka Gottstein says:

    Hallo,

    Oh, ich verstehe so gut, was du meinst, wenn du sagst, dass Buchhandlungen dich nicht mehr überraschen können… Das geht mir oft ganz genau so. Ich gehe nicht mehr hin, um neue Bücher zu entdecken, sondern um die Bücher zu kaufen, die ich mir im Vorfeld schon ausgesucht habe. Sehr selten kommt noch mal vor, dass mir ein Buch in die Hand fällt, das ich noch NICHT auf dem Schirm hatte.

    Mein Lesegeschmack hat sich in den letzten fünf Jahren gravierend verändert – also seit ich blogge. Ehrlich gesagt würde ich viele der Bücher, die ich früher verschlungen habe, heute absolut nicht mehr lesen wollen (zum Beispiel habe ich früher Romantasy verschlungen, und damit kann man mich heute jagen!), während ich zu Büchern greife, an denen ich früher vorbeigegangen wäre.

    Ich habe den Unterschied zwischen Buchblogger und Literaturblogger allerdings nie so ganz verstanden. Wo liegt da die Grenze? Ich nenne mich Buchbloggerin, aber bitte nicht Influencerin, das klingt für mich immer so nach Werbung.

    Ich habe diesen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt.

    LG,
    Mikka

  27. Blog Glück Mai 2018 – Seitenglueck says:

    […] Reading Burnout […]

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