KURZ UND KNAPP | 5 Buchempfehlungen

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In den vergangenen Monaten habe ich viele Titel gelesen, die gut waren aber mich nicht zu einer längeren Besprechung reizen konnten. Trotzdem handelt es sich hierbei um Buchempfehlungen, weshalb ich sie euch nicht vorenthalten mochte. Das hat in erster Linie nichts mit der Qualität der Werke zu tun. Manchmal drängen andere Titel mehr besprochen zu werden. Oder der Alltag wird hektisch und das Buch gerät langsam in Vergessenheit.

Das finde ich immer sehr bedauerlich, denn ich hatte trotzdem viele nette Stunden mit diesen Büchern. Deshalb stelle ich euch heute ein paar Titel im Schnelldurchlauf vor, die alle gut waren. Zu einem sehr gut oder intensiver Begeisterung fehlte manchmal nur eine Kleinigkeit. Trotzdem kann ich sie euch ans Herz legen.


Christian Dittloff: Das weiße Schloss|

Ada und Yves sind ein glückliches, erfolgreiches Paar. Sie lieben ihre Unabhängigkeit und ihr Glück zu zweit. Doch wollen sie auf die Erfahrung Eltern zu werden nicht verzichten. Deshalb wenden sie sich an die Luxuseinrichtung “Das weiße Schloss”. Diese bietet ein Rund-um-Sorglos-Paket der Elternschaft an. Man bekommt Kinder mit einer Leihmutter und besucht die Kinder dann und in dem Ausmaß, was man selbst für richtig hält. Kühl und manchmal etwas verkopft erzählt Christian Dittloff in einem Debüt von modernen Beziehungsmodellen, hinterfragt das Konzept der Elternschaft und löst Geschlechtergrenzen auf. 
Ich brauchte etwa 100 Seiten, um richtig in dieses Buch reinzukommen und die Dynamik der Beziehungen zu verstehen. Dann konnte ich es aber kaum aus der Hand legen. Einzig die Fötus-Entwicklungsbeschreibungen haben mich persönlich sehr gelangweilt. Sie wirkten wie aus einer beliebigen Schwangerschaftshomepage abgeschrieben.

Ayobami Adebayo: Bleib bei mir| 

Eine nigerianische Familiengeschichte gesprickt mit Missverständnissen und Dramen. Das Debüt von Ayobami Adebayo holte mich in eine Welt, mit der ich mich gar nicht auskenne. Es war ungemein spannend diesen jungen Paar dabei zuzusehen, wie sie ihre Ideale von einer liebevollen, respektvollen Beziehung nach und nach aufgeben müssen. Denn der soziale Druck von Seiten ihrer beiden Familien wird schier unerträglich, als Yejide auch nach Jahren kein Kind von Akin bekommt. Er wird genötigt eine zweite Ehefrau dazuzunehmen, was seine Ehe mit Yejide auf eine harte Probe stellt. 
Fasziniert verfolgte ich das Leben dieser jungen, studierten Frau, die in einem so tradtionsgeprägten Umfeld leben muss und zwangsläufig daran scheitern muss. Immer wieder musste ich mir ins Gedächtnis rufen, dass dies ein zeitgenössischer Roman ist und das Leben vieler nigerianischer Frauen ähnlich aussieht. 
Sprachlich intensiv und fesselnd, inhaltlich manchmal etwas viel Drama, das seifenoperesk anmutete.

Anneliese Mackintosh – Verdammt perfekt und furchtbar glücklich|

Ein rasantes, durchaus amüsantes Briefprojekt einer partysüchtigen Mittdreißigerin. In Briefen, E-Mails, Protokollmitschnitten ihrer Therapiesitzungen und Snapchat-Nachrichten wird hier ein prägnantes Jahr im Leben der Ottilie McGregor beschrieben. Eine Chaotin, wie sie im Buche steht. 
Wenn man so will ist dieser Roman die schmutzige, weitaus drastischere Ausgabe von Bridget Jones Tagebüchern – in New York. 
Dank des ungewöhnlichen Stils fliegt man nur so durch die verschieden Kapitel, die teilweise nur kurze SMS oder Listen von Ottilie sind. Überraschend vielseitig und kreativ wird hier mit unterschiedlichsten Kommunikationsmitteln gespielt. Leider macht es die Protagonistin am Ende nicht unbedingt sympathischer. Ihre Entwicklung zur drogen- und fehlerfreien Traumfrau kauft man ihr nicht ab – was vermutlich auch nicht die Absicht von Anneliese Mackintosch ist. ;)

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Charlotte Perkins Gilman – Die Gelbe Tapete|

Diese kleine Novelle gilt als eine wichtige Inspirationsquelle für Edgar Allen Poe. Und wenn man die ersten Zeilen liest, in denen wie beiläufig das düstere Kolonialhaus als Geisterhaus betitelt wird, ahnt man bereits, was einen erwartet. Die recht kurze Geschichte über die gelbe Tapete im ehemaligen Kinderzimmer, die mit ihren abstrusen Mustern die kränkliche Ich-Erzählerin nach und nach in den Wahnsinn treibt ist bestes Suspense-Material. 
Sehr spannend fand ich, dass diese schöne Ausgabe zweisprachig war. So konnte ich an einigen Stellen ins englische gleiten, wenn ich das Gefühl hatte, mir entgeht etwas. Denn das muss man sich bewusst macht: Es wird viel angedeutet und fast nichts ausgesprochen. Die Geschichte ist selbst kaum mehr als ein unruhiges Wabern. Ruhig etwas länger hätte sie sein dürfen.
Und warum kennt man Edgar Allen Poe heute, aber Charlotte Perkins Gilman nicht? Zu schade!

Christopher Wilson – Guten Morgen Genosse Elefant|

Irgendwo zwischen Grass’ Blechtrommel und Forrest Gump siedelt sich dieser Roman über einen zwölfjährigen in den Wirren des kalten Krieges an. Juri Zipit verbringt durch eine Verkettung von unglücklichen Zufällen ein paar Wochen direkt in der Schaltzentrale der sowjetischen Machtzentrale. Die Figuren, die er als Mundschenk und Maskottchen intensiv begleitet, sind keine realen Personen, aber vermutlich solchen nachempfunden.
Da mir hier aber einfach das Hintergrundwissen über die Politiker der 40-50er Jahre fehlt, fühlte ich mich oft etwas ratlos. Die Anspielungen, so lustig sie auch vorgetragen wurden, verpufften einfach oder verwirrten mich noch mehr. 
Der Stil ist außergewöhnlich und liebenswert. Ein wenig, als würde man den wirr-naiven Erzählungen eines Forrest Gump lauschen. Doch ist das politische Setting weitaus ernster und die Gefahr für den Jungen stets spürbar.

Ihr merkt: Alle Bücher haben etwas an sich, dass mich begeistern konnte. Doch der Funke ist nie völlig übergesprungen. Sowas gibt es immer wieder. Und jedes Mal fehlt mir die Erklärung dafür. Manchmal funkt es und manchmal eben nicht.

Vielleicht hat eines davon euch restlos begeistert? 
Erzählt mir davon in den Kommentaren!

Eure Mareike

5 Comments

  1. Tina says:

    Das Buch von Anneliese Mackintosh liegt hier auch auf dem SUB — Herr habe ich nocu ein wenig mehr Lust darauf bekommen! “Das weiße Schloss” will ich auch noch unbedingt lesen. :)

    LG tina

    1. Mareike says:

      Cool! Bin gespannt, was du dazu sagst. Viele Grüße
      Mareike

  2. Janine says:

    Liebe Mareike, ich kenne keines der Bücher aber Anneliese Mackintosh – Verdammt perfekt und furchtbar glücklich klingt total lustig – kann ich mir gut vorstellen zu lesen :D Danke also für den Tipp!
    Liebe Grüsse
    Janine von vivarubia.com

    1. Mareike says:

      Sehr gern, liebe Janine!

  3. Kate says:

    Hallöchen,
    “Bleib bei mir” hat mich sehr gereizt, als ich es in der Buchhandlung gesehen habe. Ich finde das Thema unfassbar spannend, aber irgendwie hat mir mein Bauchgefühl gesagt, dass ich vielleicht zu viel erwarten würde. Deine Meinung, vor allem das “operesk” zeigen, dass ich damit vielleicht gar nicht so unrecht hatte.
    Liebste Grüße, Kate

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