KINDERHERZPOTENZIAL| Geschichten von Minna

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Wir sind ja immer auf der Suche nach Kinderbüchern, die die Fantasie anregen, modern, lebensnah, lustig sind und von Kindern (idealerweise Mädchen) erzählen, die klug, mutig und selbstbewusst jeden Tag zu einem Abenteuer machen. Das klingt nach ziemlich hohen Ansprüchen, oder? 
Ihr könnt also auch die Titel an einer Hand abzählen, die alle oder zumindest ein paar dieser Punkte erfüllen. 

Als ich Kathrin Rohmanns “Glückstage unterm Apfelbaum” entdeckte, war ich gerade von einem anderen dtv-Kinderbuch positiv überrascht worden: “Desta und das Labyrinth im Gartenteich”. Also war für mich klar: Trotz leider recht kitschigem Cover und noch kitschigerem Titel (Rosamunde Pilcher lässt grüßen – sie hätte ihren Titel gern zurück!) gebe ich diesem Buch auf jeden Fall eine Chance. 

Womit ich aber nicht gerechnet habe: Das Goldkind war von der ersten Geschichte an nahezu süchtig nach diesem rothaarigen Wirbelwind und seinen Ausflügen ins Reich der Fantasie. Und ich kann es ihm einfach nicht verdenken, denn die Geschichten sind wirklich wundervoll. 
Ja, sie erfüllen tatsächlich alle oben genannten Kriterien! Ein Glücksgriff also! 
Wir haben die Geschichten von Minna, ihren Freunden und Familie innerhalb weniger Stunden durchgelesen. Zu viel Spaß machten die kurzen, in sich geschlossenen Abenteuer des Mädchens. 

Minna hilft einem handflächengroßen Ruderer, die Kartoffelpuffer-Inseln zu finden, macht eine Menge Menschen mit Tiermotivkissen glücklich, überzeugt eine Blaubeerprinzessin sich selbst zu retten und findet dank einer tischtennisballgroßen Automechanikerin ihren eigenen Traumberuf: Ideenmechanikerin. 

Klingt das nicht wundervoll? So eine Heldin regt direkt selbst zum Tagträumen an. Denn all ihre fantastischen Begegnungen hat Minna immer dann, wenn sie wieder einmal ein wenig gedankenverloren durch den Tag läuft. 

Dabei ist Minna herrlich normal. Sie ist sieben Jahre alt, geht mit ihrer besten Freundin jeden Tag zur Schule und wünscht sich im nächsten Urlaub zu Oma, die am Meer lebt. Einhörner mag sie nicht, im Gegensatz zu ihrer Cousine, die Minna deswegen ein wenig für bescheuert hält. Diese merkt aber auch nicht einmal, dass ihr Parfum den alten Dackel ständig zum Niesen bringt. 

Kein Wunder also, dass sich dieser auch eine Auszeit am Meer nimmt. Oder ist das gar nicht der gleiche Dackel, den sie da in den Ferien entdeckt? Für Minna ist es eindeutig: Er muss genau wie die Fußball-Kuh, die sie neulich traf, mit der Schnippt-Klatsch-Verreisemethode quer durch Deutschland gereist sein. Ein sehr talentierter Dackel, dass er tatsächlich schnipsen kann, da ist sich Minna sicher. 

Wir kamen zumindest aus dem Staunen und Lachen nicht mehr heraus. Jede Geschichte war noch ein wenig bunter, verrückter und doch beinahe glaubwürdig in ihrer verschroben-fantasievollen Art. Man selbst mag sich nach der Lektüre auch wünschen, nochmal sieben zu sein und an solche Geschichten zu glauben. Wie schön wäre das! 

Als wir das Buch zuklappten schaute mich das Goldkind mit großen Augen an: Wann gibt es Neues von Minna? 
Gute Frage, liebe Frau Rohmann, wann? Wir warten sehnsüchtig auf weitere Abenteuer! Doch bitte das nächste Mal ohne rosa-Glückstage-Cover! Diese Geschichten sind viel zu cool und wundervoll, als dass irgendjemand durch dieses Cover dazu verleitet werden sollte, es nicht JEDEM Kind zu kaufen. Minna sollte in so vielen Kinderzimmern stehen wie nur möglich.

Eure Mareike


Kathrin Rohmann – Glückstage unterm Apfelbaum. Geschichten von Minna
Mit farbigen Illustrationen von Yayo Kawamura
Verlag: dtv junior
Gebunden, 128 Seiten

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