KINDERHERZPOTENZIAL | Beatrice die Furchtlose

Kürzlich stellte ich euch „Good Night Stories for Rebel Girls“ vor. Ein erzählendes Sachbuch, das berühmte Frauenbiographien im Stil von Märchengeschichten erzählt. Ich liebe das Buch sehr und es wird uns noch lange begleiten. 
Doch ist es kein klassischer Geschichtenband mit Geschichten zum Nacherleben oder Mitfiebern. Wir sind also weiterhin auf der Suche nach guten Büchern, in denen Mädchen die Hauptrolle spielen und nicht aufs Häusliche oder Dekorative beschränkt sind. Das ist nach wie vor nicht so einfach. 
Umso mehr habe ich mich gefreut, als wir Beatrice die Furchtlose entdeckten. Beatrice ist nämlich eine Heldin, eine, die vor keinem Abenteuer zurückschreckt. 
Aber am besten stellt sie sich einmal selbst vor:

Beatrice die Furchtlose. Ich biete Abenteuer jeder Art, Heldentum, Unrechtsbeseitigung, Opferrettung. Ich befreie auch Prinzessinnen. Wenn ihr meine Hilfe benötigt: ein Ruf genügt! Meine Augen und Ohren sind allzeit wach und gespitzt, ich werde euch finden! 

 

Und diese Heldin hat gemeinsam mit ihrer treuen Streitrössin Veronique alle Hände voll zu tun. In verschiedenen Kapiteln werden ihre Abenteuer erzählt. Da rettet sie eine Prinzessin aus den Fängen eines wütenden Drachens, ein Prinz soll aus seinem Turm befreit werden und ein ganzes Dorf muss von einem Jungen-entführenden Teufel befreit werden. 
Das klingt für euch seltsam vertraut? Nun, es ist die genaue Umkehrung der klassischen Helden- und Rittergeschichten. Sie bekommen dadurch eine wundervolle Komik, weil es hier die Jungen sind, die in Not geraten, im Dorf die Frauen das Sagen haben und die Männer nur zitternde Randfiguren sind. Insgesamt sind männliche Figuren in diesem Buch entweder abwesend oder ziemlich hilflos. Und auch Prinzessinnen kommen nicht sehr gut in diesem Buch weg: Sie sind lebensunfähig und verlassen sich viel zu sehr darauf, von anderen gerettet zu werden. Sie bleiben lieber vor dem Drachen sitzen und schreien, als ihm selbst eins auf die Nase zu geben. Gut, dass es Beatrice gibt!

Es fühlt sich ungewohnt an, so ein Buch zu lesen, und mit jeder Seite spürt man mehr, wie tief wir alle die Rollenbilder vom strahlenden Ritter und der Jungfer in Nöten verinnerlicht haben. 
Aus Erwachsenensicht ist dieses Buch also ein sehr spannendes Beispiel für vertauschte Rollenbilder. Doch für Kinder bietet dieses Buch noch eine ganze Reihe von weiteren sehr lustigen Einfällen. So heißt der Teufel Hans-Jürgen, der Prinz verlässt den Turm nicht, weil er sich von seiner Spielekonsole nicht losreißen kann, und die schönste Belohnung, die sich Beatrice vorstellen kann, ist ein Wurstbrot. 
Ein lustiger Einfall jagt den nächsten und jedes Kapitel hat eine noch lustigerere Überschrift, sodass es einem schwerfällt, wirklich nur eins pro Abend vorzulesen.
Hier auch ein großes Lob an die Übersetzerin, der es gelingt, diese Geschichte mit großer Präzision und Sprachwitz ins Deutsche zu übertragen. Keine leichte Aufgabe, bei all den umgedrehten Rollen.

Was mich besonders freute: Dieses Buch wurde von zwei Männern geschrieben und gestaltet. Der Schriftsteller Matthieu Sylvaner nahm sich die Klage einer kleinen Leserin zu Herzen, dass es zu wenig Heldinnengeschichten gibt (meine Rede!) und schrieb kurzerhand selbst eine. Und trotzdem ist dieses Buch so viel mehr, als nur ein Gegenentwurf zu typischen Heldenbüchern: Es ist ein spannendes, sehr sehr witziges und actiongeladenes Abenteuer, das viel Spaß macht – Eltern wie Kindern. 

Fazit

Ich hoffe auf mehr solche Bücher. Vielleicht schreibt Matthieu Sylvaner eine Fortsetzung von Beatrice der Furchtlosen. Vielleicht nehmen sich mehr Schriftstellerinnen und Schriftsteller dieses Buch als Vorbild und rütteln die Märchen- und Sagenwelt einmal kräftig durch. Man muss dafür nur ein bisschen furchtlos sein.

 

Eure Mareike


Matthieu Sylvander, Perceval Barrier – Beatrice die Furchtlose
Aus dem Französischen von Lisa-Marie Lutz
Verlag: Rowohlt Rotfuchs
Gebunden, 92 Seiten, ca. 9,99 €

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