Cover und Kaffee

Iris Murdoch – Ein abgetrennter Kopf

Schon lange habe ich kein Buch mehr mit solch einem Tempo gelesen wie Iris Murdochs „Ein abgetrennter Kopf“. Die Entwicklung der Story hat mich fast wahnsinnig gemacht und das bis zur letzten Seite.

Es ist ein kurioses und liebestolles Durcheinander, das sich da auf knapp 340 Seiten entspinnt. Gefühlt verliebt sich jeder in jeden und ständig entdeckt einer der Protagonisten die Affäre von zwei anderen, versucht sich damit zu arrangieren und dabei nicht den Verstand zu verlieren. Aber der Reihe nach.

Martin, ein durchaus wohlsituierter Londoner Anfang vierzig, hat nicht nur seine Ehefrau Antonia, die er liebt und von aller Welt als sein Glücksgriff gesehen wird, sondern mit Georgie auch eine junge Geliebte, die seine Leidenschaft immer wieder aufs Neue entfacht. Er ist glücklich und kann sich kein besseres Arrangement vorstellen. Nach einem Nachmittag bei Georgie kehrt er zufrieden in sein Zuhause zurück, um auf Antonia zu warten, die eine Sitzung bei ihrem Psychologen hatte. Doch als sie zurückkommt, berichtet sie ihm nicht einfach von den Ergebnissen dieses Termins – sondern eröffnet ihm, dass sie sich von ihm scheiden lassen will. Grund dafür ist eben jener Psychologe namens Palmer Anderson, der zu allem Überfluss auch noch ein Freund von Martin ist. Völlig überrumpelt stimmt Martin ihr zu und versucht im Folgenden nicht nur, die Trennung möglichst „erwachsen“ über die Bühne zu bringen, sondern auch sein zerstörtes Ego zu kitten. Beides gar nicht so einfach, denn Antonia und Anderson behandeln ihn gelinde gesagt seltsam. Doch dann betritt Andersons Schwester Honor Klein die Bühne und setzt ein Ränkespiel in Gang, das seinesgleichen sucht.

Martin hat es wirklich nicht leicht. Nicht nur, dass er sich ziemlich ungeschickt verhält, er wird auch noch von Antonia und Anderson behandelt, als wäre er ein kleines Kind. Diese Gesamtsituation hat mich beim Lesen fast wahnsinnig gemacht. Immer wieder versucht einer der Charaktere, etwas vor den anderen zu verbergen – und scheitert dabei kläglichst. Als Leser ahnte man vieles bereits voraus, aber gerade das hat das Lesen zu einem gefühlten Spießrutenlauf gemacht. Im Hintergrund habe ich Autorin (und Übersetzerin Maria Hummitzsch) hämisch kichern hören, denn vor allem Martin bleibt keine Peinlichkeit erspart.
Und dennoch dreht sich die Story irgendwann und der Gute bekommt wieder Oberwasser, wenn auch auf unerwartete Art und Weise. Es war fast befriedigend zu lesen, wie sich die Situation langsam zu entwirren beginnt und das Schicksal auch Martin wieder im Blick hat.

Iris Murdoch veröffentlichte diesen Roman bereits 1961, dennoch liest er sich, als wäre er gerade erst geschrieben worden. Dies ist mit Sicherheit auch Maria Hummitzsch zu verdanken, die für die Neuübersetzung verantwortlich war. Aktueller denn je liest man hier über die Irrungen und Wirrungen der Herzen und der Liebe, die komplizierter denn je sind. Kein leichtes Buch, aber eines, dass zu Lesen sich lohnt!

Fazit

Die gelungene Neuübersetzung eines Romans, der seiner Autorin alle Ehre macht. Iris Murdoch hat ein regelrechtes Lustspiel erschaffen, dass mit allerlei Verwirrungen und überraschenden Wendungen seine Leser wahnsinnig macht und am Ende doch begeistert.

Eure Maike


Iris Murdoch – Ein abgetrennter Kopf
Verlag: Piper
336 Seiten, Ganzleineneinband, 24 €

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