Franziska Seyboldt – Rattatatam, mein Herz

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In jeder Sekunde des Lebens von Autorin Franziska Seyboldt kann es passieren: Die Tür geht auf und lässig schlendert die Angst um die Ecke, um es sich bequem zu machen. Mit ihren Ideen, mit ihren Prognosen. In “Rattatatam, mein Herz” thematisiert sie ihr Leben mit der Angst und berichtet von den guten und schlechten Momenten und denen, die irgendwo dazwischen liegen.

Zum ersten Mal kam die Angst, als Franziska Seyboldt 12 war. Sie war bei einer eigentlich völlig harmlosen Untersuchung beim Arzt und kippte einfach um. Direkt zwei Mal hintereinander. Und als sie wieder zu sich kam, war sie nicht mehr allein, sondern die Angst saß neben ihr. Gemeinsam beschlossen sie, dass man die Sache mit den Ärzten in Zukunft vielleicht besser lassen sollte, um nicht wieder ohnmächtig zu werden. Seitdem ist die Angst ein zuverlässiger Begleiter im Leben der Autorin. Immer wieder taucht sie auf, bewertet und kommentiert Situationen und lässt das Herz schneller und schneller schlagen. Dann verschwindet sie wieder – manchmal sogar wochenlang – aber immer wenn Seyboldt glaubt, sie endgültig vertrieben zu haben, kommt sie zurück.

Die Autorin beschreibt detailliert ihren Alltag mit der Angst. Sie arbeitet als Journalistin, hat ein aktives Sozialleben und unterscheidet sich nicht sonderlich von anderen – außer dass sie häufig die Angst an ihrer Seite hat. Diese wird von ihr als eigene Person beschrieben, die sich frei und unabhängig bewegen kann und mit der Seyboldt im ständigen Austausch steht. Gerade dadurch wird sie für Leser plastisch und fassbar. Dass Angststörungen verbreiteter sind als die meisten Menschen glauben ist mittlerweile bekannt. Dennoch ist es für Betroffene immer noch ein langer und harter Weg, sich aktiv mit ihrer Beeinträchtigung auseinanderzusetzen. Und so liest man auch in “Rattatatam, mein Herz”, dass es etwas gedauert hat, bis die Autorin erkennt, dass sie ein zu behandelndes Problem hat. Für sie war es normal, sich über alles Gedanken zu machen, alles bis zur unwahrscheinlichsten kleinsten Konsequenz zu durchdenken – und so manches am Ende nicht zu machen, weil die Angst größer war. Die Suche nach einem Therapeuten ist schwer, und auch nachdem sie ihren Doktor Goldberg gefunden hat geht es nur langsam voran. Es beginnt ein intensiver Prozess der Auseinandersetzung mit sich selbst, in dem Seyboldt immer wieder über sich selbst hinauswachsen muss, um vorwärts zu kommen. In diesen Situationen kann sie eben nicht alles perfekt planen und organisieren, sondern muss einfach machen. Zum Beispiel als sie mit ihrem Freund nach Lanzarote fliegt, obwohl sie nicht sicher ist, den Flug ohne Ohnmacht zu überleben. Und auch als sie in eben jenem Urlaub gezwungen ist, den Mietwagen zu fahren und zu ihrer Überraschung die Freude am Autofahren wiederfindet. Und es gibt Rückschläge, in denen die Angst ihr in jede Faser ihres Körpers kriecht, sie blamiert und in Panikattacken treibt. Herzrasen, schwitzige Hände und Ohnmacht begleiten Seyboldt genauso wie die Angst vor diesen Dingen.

Franziska Seyboldt setzt sich in ihrem Buch humorvoll und ironisch mit ihrer Angst auseinander. Es ist kein Ratgeber oder Selbsthilfebuch, sondern einfach die Schilderung einer Betroffenen, die einen Einblick in ihren Alltag erlaubt. Sie traut sich, über ihre Angst zu sprechen, ohne vor Stigmatisierung zurückzuschrecken. Am Ende berichtet sie von vielen positiven Rückmeldungen auf ihren offenen Umgang mit ihrer Störung und ich kann mir vorstellen, dass ihr Buch auch derlei Reaktionen auslöst. Auf jeden Fall empfehle ich neben der Lektüre des Buches auch dieses Interview mit der Autorin bei Literatouren.

Fazit

Auch für Nicht-Betroffene ein Buch, das zu lesen sich lohnt. Seyboldt berichtet anschaulich von den Auswirkungen der Angst auf ihr Leben und ihrem Kampf dagegen. Dieses Buch ist ihre lautstarke Ansage gegen die Angst!

Eure Maike


Franziska Seyboldt – Rattatatam, mein Herz
Verlag: Kiwi
256 Seiten, Pappband, 18 €

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1 Comments

  1. Tam, Tam, Rattatatam, Tatam – Bücherstadt Kurier says:

    […] Li­te­ra­tu­ren / Herz­po­ten­zi­al / Read Pack […]

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