Francoise Sagan – Bonjour Tristesse

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Francoise Sagan Bonjour Tristesse in der Neuübersetzung von Rainer Moritz auf Couchtisch mit Pflanzen

In diesem Jahr ist sehr viel französische Literatur erstmals oder neu ins Deutsche übersetzt worden. Die Frankfurter Buchmesse war ein guter Anlass für die Verlage, sich mit dem Gastland intensiv zu beschäftigen. So gab es etliche Sonderausgaben und jede Menge Neuerscheinungen aus Frankreich. 
Für mich die perfekte Gelegenheit, um mich mit einem Klassiker auseinanderzusetzen, den ich schon seit Jahren lesen wollte: “Bonjour Tristesse”. 

Sehr viel wusste ich gar nicht über den Roman, bevor ich diese schöne Neuübersetzung von Rainer Moritz in die Hand nahm. Es handelt sich um ein skandalträchtiges Buch von einer damals sehr jungen Schriftstellerin. Es geht um ein sehr freizügiges Verhalten, das den konservativen Fünfzigern überhaupt nicht passte – und vermutlich auch deshalb den Nerv der jungen Generation traf. Doch hier hörte mein Wissen zum Buch auch schon wieder auf, sodass ich mich recht unbefangen der Lektüre widmen konnte. 

Ein lasterhafter Sommer an der Cote d’Azur mit unglücklichem Ausgang – das ist meine Kurzzusammenfassung des doch recht dünnen Bändchens. Und natürlich ist dieses Buch aus heutiger Sicht wenig skandalös. In Zeiten, in denen die Papierprinzessinnen und Mr. Greys dieser Welt die Bestsellerlisten beherrschen, erscheint dieses Buch regelrecht keusch. 
Ein Roman über ein siebzehnjähriges Mädchen, das mit den Geliebten des Vaters frühstückt und danach mit dem hübschem Nachbarsjungen knutschend durch die Bucht segelt, würde heute keinen Skandal mehr auslösen können. Es wirkt eher vergleichsweise harmlos. 

Und doch entwickelt Bonjour Tristesse eine Sogkraft, wie es für mich nur wenige Bücher schaffen. Die Geschichte ist so verschwenderisch und selbstvergessen, wie aus der Feder Hemingways oder Fitzgeralds. Es wird viel getrunken, es wird geliebt und verletzt und das alles vor einer luxuriösen Kulisse in einem der schönsten und kultiviertesten Orte der Welt. Das kommt euch bekannt vor? Ja, mir auch, und ich liebe dieses Setting!

Doch ähnlich wie Pamela Moore in “Cocktails” beschreibt Francoise Sagan mit ihren sehr jungen Jahren das Lebensgefühl der Nachkommen der Lost Generation. Sie beschreibt ein junges Mädchen (Cecile), das aufgewachsen ist zwischen Glamour, Party und Alkohol. All dies bietet ihr, genau wie der jungen Heldin in “Cocktails”, keinen Halt und kein Vergnügen. Sagan zeigt die schmutzigen Gläser am nächsten Morgen, die trägen, verkaterten Figuren am Frühstückstisch und die Stille, wenn man sich ohne gewissen Pegel im Blut nicht mehr viel zu sagen hat. 
Wie ist es, in eine solche Welt reinzuwachsen und dort langsam erwachsen zu werden? Vom Kind, das abends artig den Gästen eine gute Nacht wünscht, zu einem vollwertigen Partymitglied? 

In dem Sommer, in dem Cecile den Übergang wagt, hat sie bereits alle negativen Eigenschaften der Erwachsenen um sie herum aufgesogen: Sie ist zynisch, kühl und manipulativ. So fügt sie sich herrlich ein und kann dank ihrer Jungend und dem schlechten Gewissen ihres Vaters recht freizügig leben. Doch dann taucht die Jugendfreundin ihrer Mutter auf: Anne ist vollkommen anders als die üblichen Bekanntschaften ihres Vaters. Normalerweise umgibt er sich mit leichtsinnigen, spaßsüchtigen Menschen. Anne ist klug, gewissenhaft und behandelt Cecile mit einer erzieherischen Strenge, die das Mädchen nicht gewohnt ist. 
Als ihr Vater sich in Anne zu verlieben scheint, sieht Cecile ihr freies, leichtes Leben in Gefahr. Die Ereignisse überschlagen sich und nehmen eine düstere Wendung. 
Ich kann euch versprechen, dass das Buch mit einem Knall endet, der dem Titel “Bonjour Tristesse” eine völlig neue Bedeutung gibt. 

Fazit

Für mich hat das Buch auch nach all den Jahren nicht an Schwung und Eindringlichkeit verloren. Die Übersetzung von Rainer Moritz ist elegant und gibt der lässigen Sprache von Sagan eine entsprechende jugendliche Leichtigkeit. Die Krönung bildet aber das unglaublich scharfzüngige Nachwort von Sybille Berg, das nicht nur den Roman in seine Zeitgeschichte einordnet, sondern auch die heutige Rezeption hinterfragt. Es gehört meiner Meinung nach eher an den Anfang, weil man durch ihre klugen Worte dieses Buch noch einmal vollkommen anders lesen wird. Ein sehr kluger Text, der für sich genommen schon die Anschaffung dieses Büchleins rechtfertigt.

Eure Mareike


Francoise Sagan – Bonjour Tristesse
Neuübersetzung von Rainer Moritz
Verlag: Ullstein fünf
Gebunden, 176 Seiten, ca. 18 Euro

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