Tv-Serien Taschen Verlag

Die besten TV-Serien – Bildband vom TASCHEN Verlag

Wir sind bekennende Buchliebhaber. Dass wir auf Herzpotenzial inzwischen hauptsächlich Literatur vorstellen und uns auch sonst viel mit sehr buchlastigen Themen beschäftigen, fühlt sich deshalb nur logisch an. Doch darf man nicht vergessen, dass wir auch abseits von Büchern Hobbies und Interessen haben. Heute geht es um eins von mir.
Vielleicht haben schon einige mitbekommen, dass ich ein großer Serienjunkie und Filmliebhaber bin. Eine gute Serie ist für mich wie ein gelungener Fortsetzungsroman oder das kapitelweise Lesen eines guten Buches. Früher musste man sich meist eine Woche gedulden, bis man seine Lieblingsserie weiterschauen konnte. Heute sind dank digitalem Fernsehen eigene Einteilungen möglich. Wenn mich eine Serie wirklich fesselt, dann kann ich schon mal 4-5 Stunden am Stück mit ihr verbringen. Das funktioniert heutzutage vor allem deshalb so gut, weil Serien nicht mehr so episodenhaft aufgebaut sind, wie noch vor 15-20 Jahren.

Serie ist nicht gleich Serie

Eine Folge ‚Friends‘, ‚Akte X‘ oder ‚Buffy‘ waren meist in sich abgeschlossen – fast jede Krimiserie hatte am Ende der Episode den Fall gelöst und den Mörder überführt. Das Prinzip vieler Serien funktioniert heute noch so, dass man eigentlich jede beliebige Folge gucken kann und ohne viel Vorwissen unterhalten wird. Doch dann gibt es da eine neue Art von Serie und auch eine Entwicklung in bereits vorhandenen Serien. Die Rahmenhandlung wird komplexer, rückt stärker in den Fokus und umspannt immer mehr Folgen, schließlich sogar ganze Staffeln.
‚Buffy‘ ist zum Beispiel so eine Serie. In den ersten Staffeln gibt es noch eine Art „Tagesbösewicht“, der in jeder Episode zur Strecke gebracht wird. Das Staffelfinale bildet dann eine Doppelfolge, in der der „Hauptbösewicht“ erledigt wird. Doch mit der Zeit werden die Figuren komplexer. Man kann nicht mehr klar zwischen Guten und Bösen unterscheiden. Handlungsstränge erstrecken sich über mehrere Staffeln und einen klaren Endgegner gibt es auch nicht mehr.Dieser Form der Serienentwicklung widmet sich der TASCHEN Verlag in diesem ausgezeichnet gestalteten und unheimlich schweren Bildband.
Tv-Serien Taschen VerlagMit dem Anspruch 25 Jahre Seriengeschichte in einem Band zu bündeln, stellt man sich einer großen Herausforderung. Zum Einen ist das Buch ein Medium, das nur schwer die epische Länge und Bilderlastigkeit einer Fernsehserie einfangen kann. Zum Anderen sind 25 Jahre internationale Fernsehlandschaft ein sehr, sehr weites Feld.
Wie also will man da eine Auswahl treffen?

Der Klappentext gibt hier einen Hinweis:
[lightgrey_box] Sieht aus wie Kino, ist aber Fernsehen: Sie heißen Walter White, Tony Soprano und Don Draper und sind die Helden einer neuen Ära der TV-Unterhaltung. Im letzten Jahrzehnt haben Serien wie Die SopranosMad Men oder Breaking Bad das Fernsehen auf ein bis dato unbekanntes Qualitätsniveau gehoben und dem Kinofilm seinen traditionellen Rang als Speerspitze der Populärkultur abgelaufen.[/lightgrey_box]

In seinem Einleitungstext beschreibt der Herausgeber Jürgen Müller die Entwicklung der modernen „Autorenserien“, die schlussendlich ihr Identifikationspotenzial für den Zuschauer darin bereithalten, dass sie in mehr oder weniger expliziten Weise Familien portraitieren. Dabei kann es sich um eine klassische Familie oder auch eine soziale Gruppierung wie eine Wohngemeinschaft, eine Clique oder eine Klassengemeinschaft handeln. Doch im Zentrum steht immer eine väterliche Figur, die das Gefüge aktiv oder passiv zusammenhält. Selbst in Fällen von weiblichen Protagonisten sieht er diese in bewusst väterlichen Rollen. Frauen, die die Familie ernähren müssen, die Doppelrolle aus Vater und Mutter erfüllen oder einen abwesenden Mann ersetzen müssen. Die Theorie ist interessant – nimmt meiner Meinung aber Serien wie ‚The good wife‘ oder ‚Girls'(!) ihre Tiefe. Ich bin mir hier nicht sicher, ob nicht die Auswahl der Serien zu einem solchen Eindruck geführt hat. Die gewählten Serien sind überwiegend düster und rough. Es beschleicht einen der Eindruck, dass „anspruchsvoll“ mit „gewaltintensiv“ gleichgesetzt wird. Deshalb gehe ich ab und an nicht ganz mit Müller und seinen Analysen konform. So scharfsinnig und gut recherchiert seine Texte zu den jeweiligen Serien sind – manchmal fehlt mir ein wichtiger Aspekt.
Aber schlussendlich zeigt es auch, wie vielschichtig die 68 vorgestellten Serien sind. Es gäbe noch so viel mehr über sie zu sagen! Bei mir unbekannten Serien haben mir die Texte sehr geholfen, sie in den Kontext einzuordnen und vor allem meine Neugier zu befriedigen. Nun bin ich mir sicher, dass ich ‚Die Sopranos‘ und auch ‚House of Cards‘ unbedingt im Herbst gucken muss.

Bilderbuch und Kompendium in einem

Zu den Serien, die ich kannte wurde eine Fülle an Hintergrundwissen und zeitlicher Kontext zusammengefasst. Selbst zu meinen Lieblingsserien konnte ich einige sehr interessante neue Fakten entdecken. Unterstrichen wird der jeweilige mehrseitige Text von klug gewählten Bildern aus unterschiedlichsten Episoden. Hier steckt eine Menge Arbeit und Recherche drin und das spürt man auf jeder einzelnen Seite.
Abschließend kann ich nur nochmal erwähnen, dass die Auswahl nicht unbedingt meinen Vorlieben entspricht. Viele der Serien habe ich bisher nicht geschaut, weil sie mir zu düster, zu brutal erschienen. Doch Müller und seinem Team gelingt es hervorragend die Serien in einen sozialkritischen Kontext zu zeigen und die Düsternis und Brutalität von ‚Breaking Bad‘ und Co. plausibel zu erklären und als Stilmittel zu offenbaren.
Trotzdem ist mir die Auswahl zu einseitig: Meiner Meinung nach fehlen wichtige britische Serien wie ‚Sherlock‘,  ‚Doctor Who‘ und viele andere. Es fehlt ein Blick in andere Kulturräume, wie dem skandinavischen Raum, den spanischen oder vielleicht sogar den asiatischen, die sicherlich das Bild bereichert hätten. Aber vielleicht wird es noch weitere Bände geben. Darauf hoffe ich!

Fazit


Ich liebe Geschichten – in jeder Form. Eine gut erzählte Geschichte kann über einen langen Zeitraum fesseln. Deshalb suche ich immer nach anspruchsvollen Serien, die das Geschichtenerzählen ernst nehmen und dem Zuschauer komplexe Charaktere und innovative Handlungsstränge bieten. TASCHENs Auswahl der letzten 25 Jahre ist eine spannende und zugleich etwas schwierige Auswahl von episch angelegten Serien, die sich stark auf den amerikanischen Markt fokussiert. Die Bilder sind sorgfältig ausgewählt, wie auch das ganze Buch mit viel Fachkompetenz zusammengefügt. Mir persönlich fehlt eindeutig ein etwas weiterer Blick auf die Serienentwicklung abseits der USA. Ansonsten ist dieses Buch ein beeindruckendes Stück Fernsehgeschichte.

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Eure Mareike


Jürgen Müller – Die besten TV-Serien. TASCHENs Auswahl der letzten 25 Jahre
Verlag: TASCHEN
Hardcover, Halbleinen, 744 Seiten, 49,99 €

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2 Kommentare

  • Antworten Zasch 12. August 2015 um 22:58

    HOUSE OF CARDS! Und ja, ich schreibe das bewusst alles in Großbuchstaben. Ebenfalls empfehlen kann ich „Fargo“, „Lilyhammer“ und viele, viele mehr…

    PS: Ich lese hier jetzt schon eine Weile mit. Auch wenn mich die besprochenen Bücher häufig nicht sonderlich reizen (das soll keine Wertung sein), so finde ich euren Blog doch sehr spannend. Und gerade dieser Beitrag enthält erstklassige Informationen für mich. Danke.

  • Antworten Prisha 14. August 2015 um 19:41

    Hallo!

    Ich bin einfach mal über bloglovin herüber gekommen…
    Mir geht es wie dir, das ich, wenn mir eine Serie gut gefällt auch stundenlang im Thema hängen bleibe. Zu deiner Kritik, das der Focus auf amerikanischen Serien in diesem Buch gelegt wurde, finde ich sehr gut. Denn üblicherweise schaut man in 1. Hinsicht wirklich über den großen Teig. Dabei gibt es wirklich sehr gute nicht amerikanische Serien. Auch wir deutschen haben in den letzten Jahren einen Sprung gemacht, wenn ich da kurz „Den Tatortreiniger“ oder „Mord mit Aussicht“ einwerfen darf. Ich für mich, muss auch sagen dürfen, das ich eher eine britischer bzw. skandinavischer Serienfan bin… „Der Adler“, „Spooks“ etc.

    Seriengrüße, Prisha

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