David Whitehouse – Der Blumensammler

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Cover des Buches der Blumensammler und Hand

Vor einer gefühlten Ewigkeit habe ich “Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek” von David Whitehouse gelesen. Eine wunderschöne Geschichte, die mich noch lange beschäftigte und einen Platz in meinem Bücherregal hatte. Das neue Buch des Autors ist mir hingegen entgangen – Mareike musste mich erst darauf aufmerksam machen. Zum Glück, denn “Der Blumensammler” ist eine fantastische Geschichte.

Peter Manyweathers hat weder ausgefallene Hobbys noch abenteuerliche Phantasien. Doch dann fällt ihm zwischen den Seiten einer Enzyklopädie ein alter Brief mit den seltensten Blumen der Erde in die Hände, und mit einem Mal erwacht sein Entdeckergeist. Stück für Stück taucht er ab in die sonderbare Welt der Blumen, und als sich die Nachricht verbreitet, dass die geheimnisvolle Udumbara in voller Blüte in China entdeckt wurde, begibt er sich auf eine Reise, die ihn rund um den Kontinent führen wird. Drei Jahrzehnte später wandelt Dove Gale fasziniert auf den Spuren des Blumensammlers. Es sind Erinnerungsfetzen, die dem jungen Mann aus dem Leben von Peter Manyweathers erzählen. Doch weshalb besitzt Dove die Erinnerungen eines anderen und was verbindet die beiden Männer? David Whitehouse ist ein spektakulärer Roman über Liebe und Verlust sowie die ungezähmte Macht der Erinnerung gelungen.

Der junge Dove arbeitet in London in einer Notrufzentrale, macht seine Arbeit aktuell aber eher schlecht als recht. Er wird regelmäßig von heftigen Kopfschmerzattacken geplagt, während der er sich an erinnert – nur sind es nicht seine Erinnerungen. Es sind die Erinnerungen von Peter Manyweathers aus New York, der sich an sein Leben erinnert und an seine Liebe zu Blumen. Ganz besonders zu sechs bestimmten Blumen, deren Namen er 1983 in einem Liebesbrief findet. Ein Brief, wie Peter ihn selbst gern geschrieben hätte. Und so macht er sich auf die Suche nach den Blumen und gerät in ein Abenteuer, wie er es nie erwartet hätte.
Jahrzehnte später sitzt Dove an der Themse und fragt sich, warum ausgerechnet er sich an das Leben eines New Yorker Putzmanns erinnert. Aufgewachsen als Waise hat er liebevolle Pflegeeltern gefunden, aber sonst hat er keine Familie. Und mit der Zeit wird er immer verzweifelter, denn die Erinnerungen lassen ihm keine Ruhe. Und dann ist da auch noch der Wal, in dessen Magen der Flugschreiber eines lange vergessenen Flugzeuges gefunden wird…

Okay, ich muss zugeben, das alles klingt mehr als seltsam. Aber glaubt mir, die Geschichte die David Whitehouse geschrieben hat, ist einfach zauberhaft. Ein riesiges Abenteuer, voller seltsamer und schöner Wendungen. Als das Buch knapp 3000 Meter unter der Meeresoberfläche beginnt, war ich schon verwirrt, aber unendlich neugierig, denn von einem toten Wal zu einem Blumensammler zu kommen, das ist schon eine Kunst. Und die gelingt dem Autor meisterhaft. Neben der Geschichte des toten Wals und seines Entdeckers, erzählt er auch die Geschichten von Dove und Peter Manyweathers. Was anfangs parallel läuft, fügt sich nach und nach zu einem Gesamtbild zusammen. Beim Lesen entwickelt man langsam aber sicher eine Ahnung, worauf es am Ende hinausläuft und doch ist man sich nie sicher – bis der Autor am Ende den Schleier lüftet und alle drei Geschichten zusammenführt. David Whitehouse findet die richtigen Worte und schlägt immer den passenden Ton an, was Übersetzerin Dorothee Merkel hervorragend ins Deutsch überträgt. Was für eine unglaubliche Erzählkunst!

Fazit

Auf ins Abenteuer, liebe Leserinnen und Leser. Auch wenn der Weg manchmal ein steiniger ist, am Ende wird man belohnt. In diesem Buch nicht nur mit einer fantastischen Geschichte, sondern auch mit berührender Erzählkunst.

Eure Maike

David Whitehouse – Der Blumensammler
Verlag: Tropen
344 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 20 €

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