Carmen Korn – Zeitenwende

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Wie das Ende einer Ära fühlte es sich an, als ich “Zeitenwende” von Carmen Korn in der Hand hielt. Schließlich begleite ich ihre Protagonisten jetzt schon seit zwei Bänden und mehreren Jahrzehnten durch Hamburg. Aber irgendwann ist auch die schönste Reihe zu Ende und ich war gespannt, was die Autorin im letzten Band ihrer Jahrhundert-Trilogie noch für mich bereit hielt.

Dieses Mal begleiten wir die vier Freundinnen und ihre Liebsten über einen Zeitraum von 30 Jahren. Angefangen 1970 endet das Buch am Silvesterabend 1999. Ein ganzes Jahrhundert erzählt Carmen Korn die Lebensgeschichten einer Vielzahl von Personen, die Geschichte Hamburgs und Deutschlands mit allen guten und schlechten Dingen, die passiert sind. Auch hier stehen Henny, Käthe, Lina und Ida wieder im Mittelpunkt – mittlerweile gealtert, aber immer noch versammelt unter all ihren Lieben. Die Familien werden immer noch größer, sei es weil neue Beziehungen entstehen oder Kinder geboren werden – aber auch der Tod hält Einzug. Mal leise, mal laut, mal unerwartet, aber immer würdevoll.

Und auch sonst ist das Buch vollgepackt mit Ereignissen. Carmen Korn zeigt, wie nah sich Glück und Leid sein können. Das Leben stellt uns immer wieder vor Herausforderungen, die sich gemeinsam leichter lösen lassen. Und so wie die vier Freundinnen die guten und schlechten Momente miteinander teilen, so hält es auch die nachfolgende Generation. Als Ruth, die Ziehtochter von Käthe und Rudi, sich politisch radikalisiert, stehen Idas Tochter Florentine und Hennys Enkelin Katja zu ihr. Genauso erfahren Käthe und Rudi Beistand von ihren Freunden. Der Zusammenhalt, der über Jahrzehnte (und zwei Weltkriege) gewachsen ist, scheint in diesem Buch noch größer zu werden.

Monierte ich beim Vorgänger “Zeiten des Aufbruchs” noch, dass Korn zu wenig auf die historischen Ereignisse der Zeit eingehe, so kann ich dieses Mal das Gegenteil sagen. Die Autorin greift wichtige Meilensteine in Politik und Gesellschaft auf und flicht sie geschickt in die Handlung ein. Ein wichtiges Thema ist die RAF, aber auch Flucht aus der DDR, Mauerfall und AIDS werden thematisiert und spielen wichtige Rollen im Buch.

Nun ist das Buch ausgelesen und die Hamburg-Reihe abgeschlossen. Und soll ich euch was sagen? Ich bin ein bißchen wehmütig, denn die Protagonisten sind mir allesamt ans Herz gewachsen. Ich mag das Ende, das die Autorin ihren Figuren mitgegeben hat, denn es fühlt sich abgeschlossen an. Sogar für die Figuren, für die das Leben in Hamburg noch weitergeht, hat Korn am Ende von “Zeitenwende” einen Punkt ausgemacht, an dem die Leser sich verabschieden können. Man weiß, dass es weitergeht, aber man selbst wird nicht mehr dabei sein – und das ist bei aller Wehmut ein schönes Gefühl.

Fazit

Ein tolles Ende einer großartigen Reihe. Nicht nur Hamburg-Fans kommen bei Carmen Korn auf ihre Kosten. Ich habe die Bücher schon meinen Kolleginnen empfohlen und werde sie jetzt auch an meine Schwester verleihen. Und ja, ich werde schauen, was Carmen Korn als nächstes veröffentlicht.

Eure Maike


Carmen Korn – Zeitenwende
Verlag: Kindler
560 Seiten, Hardcover, 19,95 €

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