Brit Bennett – Die Mütter

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Die Mütter – das ist der Titel des ersten Romans der amerikanischen Autorin Brit Bennett. Doch um wessen Mütter geht es hier eigentlich? Der Klappentext der deutschen Übersetzung gibt hierzu einen ungewöhnlichen Hinweis.

«Die Mütter», so nennen sie die alten Frauen in der kleinen kalifornischen Gemeinde Oceanside. Sie sind Zeugen des Skandals, mit dem dieser Roman beginnt. Ein Skandal ist es, wenigstens aus ihrer Sicht: dass Nadia Turner, deren Mutter sich das Leben genommen hat, mit Luke, dem Sohn des Pastors … dass Nadia Turner ein Baby bekommt … oder vielmehr beschließt, es nicht zu bekommen. Und das ist erst der Anfang der Geschichte.
Anders als Luke kehrt Nadia der Kleinstadtenge bald den Rücken. Aber Aubrey, ihre beste Freundin, bleibt und stellt sich auf ihre Weise gegen den Chor der alten Frauen, deren Stimmen mit der Zeit merklich auseinandergehen. Es dauert nicht lange, und sie feiern ein neues Paar in Oceanside: Aubrey und Luke Sheppard. Und das beschäftigt die vom College heimgekehrte Nadia mehr, als sie vor der besten Freundin zugeben kann.

So sind die Mütter in Bennetts Roman gar keine Mütter im klassischen Sinne. Sie sind die alten Frauen einer Kirchengemeinde im kalifornischen Oceanside. Die Mütter wissen eine Menge – nicht, weil sie so furchtbar neugierig sind und anderen hinterher spionieren, sondern vor allem, weil sie schon immer da waren. Gewissermaßen sind alle Mitglieder ihrer Gemeinde ihre Kinder. Sie verbringen ihre Tage im kleinen Gemeindezentrum der Kirche und sehen Jung und Alt dort ein- und ausgehen. Wie viele Mütter genau es gibt, das erfährt der Leser nicht – aber es wird schnell klar, dass sie aufmerksame Beobachterinnen sind. Und so werden sie auch hier wieder Zeugen eines kleinen Skandals, der sich im Verlauf des Buches immer weiter aufbaut. Die Mütter sehen es, ziehen ihre Schlüsse, doch sie nutzen ihr Wissen nicht, um Intrigen zu spinnen. Alte Eminenzen, die fast nichts mehr erschrecken kann, aber die sich über die Geschehnisse herrlich das Maul zerreißen.

Und so ist es folglich nur logisch, dass es die Mütter sind, die die Geschichte erzählen. Immer wieder fassen sie für uns die Geschehnisse zusammen, erzählen aus der Vergangenheit und streuen mal hier und mal da wichtige und interessante Hinweise ein, die das Geschehen zu einem Bild zusammensetzen. Außerdem obliegt ihnen die Hoheit, das Geschehen zu kommentieren – und an Bewertungen lassen sie es nicht mangeln. Manchmal liebevoll aber meistens bissig kommentieren sie alles, was passiert. Sie schonen nie den Einzelnen, auch nicht sich selbst.

Die eigentliche Geschichte dreht sich um Nadia. Als Jugendliche trifft sie sich heimlich mit Luke, dem Sohn des Pfarrers und wird von ihm schwanger. Sie treibt das Kind ab, wird von Luke verlassen und steht plötzlich ganz allein da. Ihre Mutter hat sich vor einigen Jahren umgebracht und die Beziehung zu ihrem Vater ist wenig liebevoll, sondern eher zweckdienlich. Doch dann freundet sie sich mit Aubrey an und hat zum ersten Mal in ihrem Leben eine richtige Freundin. Diese Freundschaft hält auch, als Nadia kurz darauf zum Studium das beschauliche Oceanside verlässt. Sie lernt neue Männer kennen, geht neue Beziehungen ein, doch sie kommt nie ganz von Luke und dem ungeborenen Kind los. Als sie einige Jahre später erfährt, dass Luke mit Aubrey liiert ist, nimmt die Geschichte erst richtig Fahrt auf und die Mütter bekommen eine Menge zu tratschen.

Fazit

Bücher, die Spannung aufbauen und dabei ruhig und leise bleiben, sind ja meine Favoriten. Bei Brit Bennett zeigt sich diese Erzählkunst von ihrer besten Seite und das bedeutet für uns als Leser vor allem eins – beste Unterhaltung!

Eure Maike


Brit Bennett – Die Mütter
Verlag: Rowohlt
320 Seiten, Hardcover, 20 €

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