Astrid Rosenfeld – Kinder des Zufalls

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Das lachsfarbene Buch Kinder des Zufalls neben Teetasse und schwarzem Holzvogel

“Ich traf sie auf den Straßen von Myrthel Spring. Etwas Fremdes färbte ihre Worte”

“Kinder des Zufalls” ist der Titel des neuen Romans von Astrid Rosenfeld. Ich habe “Zwölf Mal Juli” von ihr sehr gemocht. Weil sie eine Autorin ist, die ihren Figuren Raum gibt und sie vollkommen unaufgeregt über sie schreibt. Kein Wort zu viel, keine Schnörkel, wo sie nicht sein müssen. Das schätze ich an guten Romanen.

Ihr neuer Roman ist sogar noch um einiges besser als “Zwölf Mal Juli”, denn er fokussiert sich nicht auf eine Figur, sondern gleitet elegant durch verschiedene Leben. Verbindet diese, lässt sie sich wieder aus den Augen verlieren, um in der nächsten Generation deren Kinder wieder aufeinander treffen zu lassen.

Kinder des Zufalls handelt von tatsächlichen Zufallskindern: Viele sind eher zufällig, nicht immer gewünscht in diese Welt gekommen. Ihre Geschichten beginnen holprig und ihre Leben scheinen alle von dem unbewussten Wissen begleitet zu sein, eigentlich nicht zum Glücklichsein bestimmt zu sein. Sie wurden nicht in liebende Familien geboren, sind eher zufällige Resultate von Momenten, in denen zwei einsame Menschen sich aneinander festhielten. 

Mit sehr viel Geschick entspinnen sich die Geschichten um deutsche Zofentöchter und texanische Cowboys, Kleinkriminelle und Priesteranwärter. Das Ensemble erinnert an melancholische Bilder von Edward Hopper oder Hotelgeschichten, in denen sehr unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen und in ihrer Rastlosigkeit und Einsamkeit geeint werden. 

Doch erzählt Astrid Rosenfeld diesen Typus der Geschichte neu, nicht unbedingt innovativ, aber fesselnd. Sie verbindet die badenwürttembergische Provinz mit dem eisigen Russland und den Wüsten Texas’. Sie erzählt von im Spiel fast erdrosselten Jungen, rastlosen, kleptomanischen Schönheiten, alternden Schriftstellern und unechten Cowboys. Ihr gelingt es in einer Leichtigkeit einen Bogen zu spannen aus dem Zweiten Weltkrieg bis in die heutige Zeit. Erzählt von der Enge der Sechzigerjahre-Ehe und dem Hype um einen kleinen Ort in der Wüste, der zum Kult wird, weil ein Autor einst darüber schrieb.

Und warum? Weil ihm einst eine schöne, geheimnisvolle Frau von diesem Ort erzählte. Sie kam mit dem Schiff aus Deutschland. Auf der Suche nach ihrem Glück. Doch, wie das so ist, für Kinder des Zufalls: So richtig erkennen sie das Glück nicht.

Fazit

Ein schöner Roman, ohne große Feuerwerke oder überraschende Wendungen. Und doch schafft es der eindringliche Sound von Astrid Rosenfeld, dass man diese gebrochenen, unbeholfenen und ewig träumenden Figuren nicht so schnell vergisst. Wenn es auch eher eine Stimmung als die konkrete Handlung ist, die präsent bleibt.

Eure Mareike


Astrid Rosenfeld – Kinder des Zufalls
Verlag: Kampa
Gebunden, 272 Seiten

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