Anthony Horowitz – Die Morde von Pye Hall

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Den Großteil der Krimi-Landschaft ignoriere ich gepflegt. Nur manchmal, ganz ganz manchmal, da erscheint ein Buch, bei dem ich eine Ausnahme mache. Der neue Roman von Anthony Horowitz “Die Morde von Pye Hall” sind so eine besagte Ausnahme. Natürlich habe ich es nicht selbst entdeckt, sondern bin von Mareike darauf hingewiesen worden. Sie hat die Verlagsvorschauen nämlich eindeutig besser im Griff als ich!

Horowitz liebe ich wegen seiner Sherlock Holmes Adaptionen, die mich beide hervorragend unterhalten haben. Nicht blutig, nicht gruselig, sondern einfach nur spannend. Doch dieses Mal ist die Story anders.

Es beginnt damit, dass eine Lektorin den neuesten Krimi ihres erfolgreichsten Autors liest und dieser ziemlich abrupt vor dem entscheidenden Kapitel endet – die letzten Seiten sind einfach verschwunden. Selbstverständlich will sie wissen, wo dieses Kapitel geblieben ist und den Lesern geht es da nicht anders, denn auch wir lesen dieses Abenteuer des großen Privatdetektivs Atticus Pünd. Doch leider kann die Lektorin den Autor nicht mehr selbst nach der Lösung des Falls fragen, da er Selbstmord begangen hat. So beginnt sie sich alleine auf die Suche nach den verschwundenen Seiten zu machen, denn sie ist sich ganz sicher, dass sie geschrieben wurden. Und ohne es zu ahnen, stolpert sie in ihre eigene Kriminalgeschichte, die es locker mit dem Buch aufnehmen kann, dass sie doch einfach nur lektorieren wollte.

Das Besondere ist hier eindeutig die Geschichte in der Geschichte. Man kriegt als Leser quasi zwei Geschichten zum Preis von einer – und beide sind waschechte Kriminalgeschichten. Es ist fantastisch, wie es Horowitz gelungen ist, die beiden Geschichten miteinander zu verbinden und immer mehr Spannung aufzubauen. Gerade als das “Buch im Buch” an der spannendsten Stelle angelangt ist, bricht das Buch ab – ein Gefühl – als würde der große Hercule Poirot vor der Auflösung des Falls noch schnell zum Rauchen vor die Tür gehen, obwohl alle Verdächtigen bereits versammelt sind. Im ersten Moment liest man weiter, um gemeinsam mit der Lektorin das letzte Kapitel des Buches zu finden. Doch dann nimmt auch dieser Handlungsstrang mächtig an Fahrt auf und ehe man sich versieht, ist man als Leser erneut an der Aufklärung eines rätselhaften Todesfalls beteiligt.

Am Ende lösen sich dann beide Kriminalfälle auf und auch das ist überraschend – wird hier aber natürlich nicht verraten. Und so kann ich sagen, dass ich das Buch großartig fand, obwohl es zwischendurch etwas langatmig war (bei 600 Seiten aber irgendwie zu erwarten) und die Figur der Lektorin furchtbar anstrengend. Ein klassischer Detektiv, wie Atticus Pünd einer ist, ist für mich einfach immer eine Freude.

Fazit

Ein Buch, an dem auch Agatha Christie ihre Freude gehabt hätte. Ich bin absolut begeistert von der Idee, einen Krimi in einen Krimi zu packen. Für Fans von englischen Krimis mit subtilem Grauen und Spaß am Miträtseln ist “Die Morde von Pye Hall” perfekt geeignet.

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