Zu Besuch bei Madame Schiaparelli

Passend zur Fashion Week in Berlin stelle ich euch heute ein Buch über Mode vor. Wobei – genau genommen ist es noch viel mehr. Denn Elsa Schiaparelli weiß in ihrer Autobiographie „Shocking Life“ noch über viel mehr Dinge zu berichten.

[lightgrey_box]Elsa Schiaparelli (1890-1973), die große Avantgardistin der Mode, erzählt ihr aufregendes Leben. An der Seite von Picabia, Dalí und Picasso entwarf sie Mode für Kundinnen wie Greta Garbo, Joan Crawford und Mae West. Zu ihren berühmtesten Kreationen zählen neben einigen surrealistischen Kopfbedeckungen das sogenannte Diana-Dekolleté, das schräg verläuft und eine Schulter komplett frei lässt. Sie machte den Reißverschluss salonfähig und sorgte dafür, dass »Shocking Pink« getragen wurde. Als erste Modeschöpferin entwickelte sie zudem zahlreiche Accessoires, darunter ein Parfüm namens »Shocking«, das in einem Flakon in Form einer Schneiderpuppe abgefüllt war. Schiaparellis Autobiografie lässt uns nicht nur ihr aufregendes Leben nachempfinden, sondern offenbart uns auch eine emanzipierte und mutige Frau, die sich trotz zweier Weltkriege niemals aus der Bahn werfen ließ. Nie verlor sie ihren Sinn für Humor, niemals den Blick für das Wesentliche. Aufgeschlossen und mit einem gewissen Spleen, dabei frei von Arroganz oder Eitelkeit, gilt sie bis heute als eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Modewelt.[/lightgrey_box]

Shocking Life

Mir persönlich war der Name „Schiaparelli“ nur am Rande ein Begriff. „Shocking Pink“  sagte mir da schon eher etwas. Aber wer diese große Modemacherin, die ihr Atelier jahrelang in Paris hatte, eigentlich war, weiß ich erst durch ihre Autobiographie. Es war faszinierend von dieser Frau zu lesen, die sich ohne Ausbildung oder großartige Kenntnisse quasi aus dem Nichts hocharbeitete. Solche „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Geschichten tue ich ja gerne mal als reine Fiktion ab und auch hier darf sich der Leser fragen, wie viel „Schiap“ (wie sie genannt wurde) am Ende dazugedichtet hat. Dennoch galt sie damals als eine der größten Konkurrentinnen von Coco Chanel (und der Name ist ja nun wirklich bekannt) und ihre sehr gewagten Kreationen sorgten weltweit für Furore.
Unumstritten ist, dass alle Großen ihrer Zeit irgendwann Gast in ihrem Atelier waren. Schauspielerinnen, Politiker samt Gattinnen und Künstler. Beim Lesen dachte ich irgendwann, dass Schiap tatsächlich alle wichtigen Personen ihrer Zeit kannte. Viele davon wurden ihre Freunde und somit war Mode nie das einzige große Thema in ihrem Haus. Auch das macht dieses Buch so besonders, es ist immer in den politischen Kontext der Zeit eingeordnet. Und so nimmt z.B. der Bericht über die Jahre des zweiten Weltkriegs einen großen Platz ein. Doch leider scheint Schiap viele ihrer kleinen Geschichten nicht zu Ende erzählt zu haben. Vom Gefühl her bleibt immer etwas ungesagt, als wolle sie dem Leser keinen vollen Einblick in ihr Leben geben.

Eine Besonderheit dieses Buches ist, dass der Text immer wieder von der ersten in die dritte Person wechselt. Ich habe beim Lesen keinerlei Methode dahinter entdecken können, aber es hält den Leser eindeutig wach. Denn jeder Wechsel gibt dem Text ein neues Tempo und der Ton, in dem die Autorin berichtet, verändert sich ebenfalls. Auch wenn mir dieses Schreiben gegen die Konventionen durchaus gefällt, dem Lesefluss hat es nicht gerade positiv beeinflusst. Ich bin immer wieder ins Stocken gekommen und musste diverse Seiten doppelt lesen.

Fazit: Schiaparelli berichtet zwar sehr episodenhaft, und einiges bleibt offen, dennoch zieht sich die Zeitgeschichte wie ein roter Faden durch das Buch. Es vermittelt ein Gefühl für die Modewelt in Paris vor dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs, die Kriegsjahre und die erste Zeit danach. Ein Buch für diejenigen, die etwas über eine faszinierende, aber bestimmt auch starrsinnige Frau lernen wollen.

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Elsa Schiaparelli – Shocking Life
Verlag: Parthas Verlag Berlin
352 Seiten, Flexicover, 19,80 €

Eure Maike

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1 Kommentar

  • Antworten Buchiger Monatsrückblick : Januar | Herzpotenzial 13. März 2015 um 16:48

    […] Puh, das neue Jahr begann lesetechnisch für mich nicht sehr gut. irgendwie fehlte mir die Lust, zum Buch zu greifen. Doch Lesenacht sei Dank hab ich dann doch noch einiges im Januar gelesen und beendet! Und rezensiert habe ich davon tatsächlich auch schon was :-) Elsa Schiaparelli – Shocking Life […]

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