Zelda Fitzgerald – Himbeeren mit Sahne im Ritz

Die sagenhafte Zelda Fitzgerald war nicht nur die Frau eines der berühmtesten Autoren des 20. Jahrhunderts und eine Glamourikone ihrer Zeit. Sie war auch eine talentierte Künstlerin. Jedoch scheiterte sie stets an den Umständen ihrer Zeit, an ihren Selbstzweifeln und nicht zuletzt an ihrer sehr komplizierten Ehe. Ihre Karriere als Tänzerin endet früh, als Schriftstellerin ist sie dazu verdammt, im Schatten ihres immer erfolgreicher werdenden Mannes zu stehen, erst die Malerei bietet ihr schließlich Zuflucht in ihrer verzweifelten Zeit in verschiedenen Nervenkliniken. Und doch ist es die Schriftstellerei, die sie als ihre große Bestimmung sieht.
Viele ihrer Erzählungen sind auch veröffentlicht worden. Doch stand selten ihr Name darüber. Mit dem Namen F. Scott Fitzgerald konnten weitaus höhere Preise pro Erzählung erzielt werden – was bei dem extravaganten Lebensstil mit Partys und ausgedehnten Reisen auch dringend notwendig war. Doch nagte es natürlich an Zelda, dass ihre Bedeutung als Autorin nicht erkannt wurde. Ein ständiges Streitthema zwischen den Fitzgeralds, wie dieses beeindruckende Zeitdokument zeigt.

Erst rund 80 Jahre später erscheinen die Erzählungen unter ihrem Namen. Sicherlich keine leichte Aufgabe, genau erkennen zu können, in welchem Fall wirklich eine ausschließliche Urheberschaft von Zelda vorlag – besonders mit dem zeitlichen Abstand von fast zwei Generationen. Schließlich war die Zusammenarbeit des Ehepaares (besonders in den frühen Jahren ihrer Ehe) eng und F. Scott hat stets mit spitzer Feder redigiert, bevor er seinen Namen über eine ihrer Geschichten setzte. Auch er hatte einen künstlerischen Ruf zu verlieren.

In der gerade im Manesse Verlag erschienenen Sammlung von Erzählungen wird deutlich, dass eine finale Antwort, von wem nun die Erzählungen stammen, nicht immer zu finden sein wird. Und doch ist es ein gewisser Ton, eine starke Fixierung auf einen bestimmten Typ von ausgeprägt weiblicher Protagonistin, der unleugbar zu Zeldas Stil gehört.
Die hier versammelten Geschichten scheinen fast ineinander zu verschwimmen, so nah sind sich die verschiedenen weiblichen Figuren. Allesamt zugleich keck, etwas mädchenhaft und doch stets von einem gewissen Etwas umgeben. Vor dem inneren Auge sieht man stets die zarte Zelda mit frechem Bob und hohen Augenbrauen und stets einem Highball-Drink in der Hand durch Hollywood, New York oder einem kleinen Provinzstädtchen stöckeln. Sie verdreht etwas dümmlichen Herren den Kopf und träumt vom großen Durchbruch. Man fühlt sich an die formvollendete Colette und ihre tragischen Figuren erinnert, an die koketten und lebenshungrigen New Yorkerinnen von Dorothy Parker und natürlich auch an Daisy aus „Der große Gatsby“. Und doch bleiben die Geschichten in sich unausgegoren, verschwimmen zu einem einheitlichen Brei. Den Geschichten fehlt der letzte Funke, die tiefere Aussage, damit sie hängenbleiben.
Jede einzelne hat mich unterhalten, ich fühlte mich in dem reduzierten und doch bildhaften Stil sehr wohl. Doch muss man sich eingestehen, dass es durchaus einen Grund hat, warum ihr der große Durchbruch und auch der große Roman, von dem sie stets träumte, nie gelungen ist: Ihr fehlte die Geschichte mit Substanz, die es sich zu erzählen lohnte.

Fazit


Zu gern hätte ich gesagt, dass Zelda eines dieser verkannten Genies ist, das an den Umständen – und den patriarchalen Strukturen – ihrer Zeit gescheitert ist. Dass sie eindeutig genauso talentiert war wie ihr Mann. Doch ist dem nicht so. Sie war eine kluge Beobachterin, die einen humorvollen und zynischen Stil hatte. Doch für den großen Durchbruch hat es leider nicht gereicht.
Unterhaltsam sind die Erzählungen trotzdem – sofern man keine überzogenen Erwartungen hat.

Eure Mareike


Zelda Fitzgerald – Himbeeren mit Sahne im Ritz
Aus dem amerikanischen Englisch von Eva Bonné
Verlag: Manesse
Gebunden, 215 Seiten,

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3 Kommentare

  • Antworten Marina 29. Januar 2017 um 12:17

    Dem kann ich nur zustimmen! Unterhaltsam und nett, aber man darf nicht zu viel von Zeldas Geschichten erwarten.

  • Antworten Lesetipp des Monats: Himbeeren mit Sahne im Ritz - 2. April 2017 um 14:40

    […] „Himbeeren mit Sahne im Ritz“ interessieren, dann schaut doch mal bei Who is Kafka oder Herzpotenzial […]

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