Sarit Yishai-Levi – Die Schönheitskönigin von Jerusalem

In ihrem Debütroman „Die Schönheitskönigin von Jerusalem“ widmet sich Sarit Yishai-Levi der Frage, was eigentlich Liebe ist. In ihrer Heimat Israel landete sie mit dem Buch einen großen Erfolg. Ich habe mich da etwas schwerer getan.

Strahlend, lebenslustig und wunderschön ist Luna Ermoza mit den grünen Augen. Doch ihre Ehe ist ein Desaster hinter perfekter Fassade, und für ihre Tochter Gabriela kann sie keinerlei Zärtlichkeit empfinden – wie einst ihre Mutter Rosa für sie. Denn während das Delikatessengeschäft Rafael Ermoza & Söhne im Jerusalemer Machane-Jehuda-Markt floriert, scheint auf den Frauen der Familie ein Fluch zu lasten, der ihnen das Glück in der Liebe verwehrt und sie verbittern lässt. Meisterlich verwebt Sarit Yishai-Levi das Schicksal vierer Generationen der sephardischen Familie mit den bewegtesten Jahrzehnten israelischer Geschichte.

618 Seiten. Als ich das Buch aus der Post geholt habe, war mein erster Gedanke: Wann soll ich das denn schaffen?? Sicherheitshalber habe ich es erst mal zur Seite gelegt und mein damals aktuelles Buch beendet. Ich habe schon lange kein so dickes Buch mehr gelesen und hatte glatt vergessen, was über 600 Seiten so wiegen können. Aber es ist halt ein Familienepos, der über mehrere Generationen erzählt wird. So etwas kann durchaus mal etwas platzintensiver werden. Besonders, wenn man so viele Details einbaut wie die Autorin. Wahnsinnig detailliert beschreibt sie das Setting ihrer Handlung, so dass der Leser sich gut ausmalen kann, wo die kleinen und großen Dramen im Buch abspielen.
Denn tatsächlich werden wir überwiegend Zeugen von Dramen. Die Frauen der Familie Ermoza, ob nun mit diesem Namen geboren oder eingeheiratet, haben kein oder nur wenig Glück in der Liebe. Das Ganze nimmt Ausmaße an, dass sie von einem regelrechten Fluch sprechen. Alle sind verheiratet und haben Kinder, aber geliebt wird keine von ihnen.

Yishai-Levi_Schoenheits_U1.inddUnd so fragt sich Gabriela als Teenager in den 60er Jahren: wird der Fluch auch mich treffen? Damit wendet sie sich an ihre Tante Allegra, die ihr nach und nach die Geschichte ihrer Familie und ganz besonders der Frauen erzählt. Angefangen bei ihrer Urgroßmutter bis hin zu ihrer Mutter, der titelgebenden Schönheitskönigin von Jerusalem. Im Laufe der Geschichte entfaltet die Autorin eine Vielzahl an Problemen, die ihre Figuren belasten und mit denen sie nicht zurechtkommen. Viele schwere Mutter-Tochter-Beziehungen, unerfüllte Liebe, Selbstzweifel und so weiter, um hier nur einmal ein paar zu nennen. Die Frauen verzweifeln nach und nach daran und geben auf, für ihr eigenes Glück zu kämpfen. Sie fügen sich in die unglücklichen Ehen, gebären Kinder, pflegen das Bild der perfekten Hausfrau und drängen ihre Töchter und Schwiegertöchter in die gleiche Rolle. Und während die Geschichte der Familie erzählt wird, berichtet die Autorin auch vom Wandel Israels. Von der britischen Besatzung über die Gründung des Staates Israel und die Kriege der 50er Jahre, die Autorin flicht diesen Wandel gekonnt in die Handlung ein.

Viele der Dinge, von denen Yishai-Levi berichtet, waren für mich völlig neu. Trotzdem bin ich mit dem Buch nicht so recht warm geworden. Vom Gefühl her wurden die Seiten nicht weniger, ich kam beim Lesen nur schleppend voran. Die Figuren interessierten mich nicht, entwickelten sich viel zu langsam und wiederholten sich auch noch. Nicht nur, dass jede Generation gefühlt das gleiche durchlebt, sondern jede einzelne tritt ihr Leiden breit. Das ließ sie für meinen Geschmack zu eindimensional erscheinen. Da half es wenig, dass die politischen Entwicklungen des Landes wirklich spannend waren. Nach einigen Seiten fand ich es jedes Mal ermüdend und habe es aus der Hand gelegt. Ich habe dem Buch eine Menge Chancen gegeben, jetzt aber 100 Seiten vor dem Ende aufgegeben. Oder besser gesagt: Das Buch liegt immer noch hier und wartet darauf, dass ich es beende – aber es kam ein anderes Buch dazwischen.

Fazit


Sarit Yishai-Levi hat einen in Umfang und Genauigkeit beeindruckenden Roman vorgelegt. Detailliert beschreibt sie die Geschichte der Familie Ermoza und die Geschichte des Staates Israels. Leider nimmt die Geschichte keine Fahrt auf und die Figuren wirken etwas eindimensional.

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Eure Maike


Sarit Yishai-Levi – Die Schönheitskönigin von Jerusalem
Verlag: Aufbau
618 Seiten, Hardcover, 22,95 €

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2 Kommentare

  • Antworten Biggi 20. Juni 2016 um 19:31

    Ich dachte schon, es geht nur mir so. Ich finde die Idee spannend, bin aber einfach nicht warm geworden. Ich habe es auch nicht bis zum Ende geschafft.
    LG

  • Antworten Astrid 20. Juni 2016 um 20:00

    Wie schade!
    Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, ich bin richtig eingetaucht in die Geschichte und fand es absolut nicht langweilig.
    Mich wundert es, dass du für ein nicht beendetes Buch 3 Sterne vergibst.

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