Weihnachtszeit mit Loriot

Passend zum Nikolaustag wird der heutige Beitrag mit Loriots Gedicht „Advent“ eingeleitet, das man wohl als einen echten Klassiker bezeichnen kann.

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken,
Schneeflöcklein leis herniedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
häuft sich ein kleiner weißer Zipfel.
Und dort vom Fenster her durchbricht
den dunklen Tann ein warmes Licht.

Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
die Försterin im Herrenzimmer.
In dieser wunderschönen Nacht
hat sie den Förster umgebracht.
Er war ihr bei des Heimes Pflege
seit langer Zeit schon sehr im Wege.
So kam sie mit sich überein:
am Niklasabend muß es sein.

Und als das Rehlein ging zur Ruh‘,
das Häslein tat die Augen zu,
erlegte sie direkt von vorn
den Gatten über Kimm und Korn.
Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase
zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase
und ruhet weiter süß im Dunkeln,
derweil die Sternlein traulich funkeln.

Und in der guten Stube drinnen
da läuft des Försters Blut von hinnen.
Nun muß die Försterin sich eilen,
den Gatten sauber zu zerteilen.
Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen
nach Waidmanns Sitte aufgebrochen.
Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied
(was der Gemahl bisher vermied) -,
behält ein Teil Filet zurück
als festtägliches Bratenstück
und packt zum Schluß, es geht auf vier,
die Reste in Geschenkpapier.

Da tönt’s von fern wie Silberschellen,
im Dorfe hört man Hunde bellen.
Wer ist’s, der in so tiefer Nacht
im Schnee noch seine Runde macht?
Knecht Ruprecht kommt mit goldnem Schlitten
auf einem Hirsch herangeritten!
He, gute Frau, habt ihr noch Sachen,
die armen Menschen Freude machen?

Des Försters Haus ist tiefverschneit,
doch seine Frau steht schon bereit:
Die sechs Pakete, heil’ger Mann,
’s ist alles, was ich geben kann.
Die Silberschellen klingen leise,
Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.
Im Försterhaus die Kerze brennt,
ein Sternlein blinkt – es ist Advent.

Loriot ist auch über seinen Tod 2011 einer von Deutschlands bekanntesten Humoristen. Jeder hat wohl schon einmal einen der wundervollen Cartoons oder Sketche gesehen gesehen und einen Favoriten. Bei mir ist es ganz eindeutig „Weihnachten bei Hoppenstedts“: angefangen bei Opa Hoppenstedt im Spielzeugladen über den Vertreterbesuch bis hin zur Bescherung. Dort ist mir auch zum ersten Mal das Gedicht begegnet.

Die Erstausstrahlung  des Cartoons erfolgte 1969, 1978 wurde dieser dann in den Sketch „Vertreterbesuch “ eingebaut. Bei der Erstausstrahlung löste der kannibalistische Aspekt des Textes übrigens noch großes Entsetzen aus. 1978 regten sich die Leute nicht einmal mehr auf, dass ein Kind ihn hörte (Dickie Hoppenstedt schaut sich den Cartoon im Fernsehen an). Der Name „Loriot“ stand für gute und saubere Familienunterhaltung, da gehörte eine makabre Seite wohl dazu…

2013-10-28 11.28.52 Kopie (2)

Vor einigen Wochen erschien „Der Glückliche schlägt keine Hunde. Ein Loriot-Porträt“ von Stefan Lukschy im Aufbau-Verlag. Der Autor hat viele Jahre mit Loriot zusammengearbeitet und wurde ein guter Freund der Bülows. Wer wäre da passender, um ein solches Buch zu schreiben? Ich habe mir die Hörbuch-Version (gelesen von Axel Hacke) angehört. Neben vielen kleinen lustigen Geschichten aus Loriots Leben und seiner Arbeit, lernt man auch noch ganz neue Aspekte seiner Person kennen. Wusstet ihr zum Beispiel, dass er Zeit seines Lebens ein großer Wagner-Fan war? Und das er selbst Texte für Opern bearbeitet hat?

Ich kann euch das Buch bzw. das Hörbuch wirklich ans Herz legen. Nicht nur für euch selbst, sondern auch als Geschenk-Tipp. Wer als noch ein Geschenk für Eltern oder Verwandte sucht, sollte es sich auf jeden Fall ansehen.

Eure Maike

PR-Sample

Vorherige Beiträge Nächste Beiträge

Vielleicht gefällt dir auch

1 Kommentar

  • Antworten Früher war mehr Lametta – Unsere Weihnachtsrituale | Herzpotenzial 22. Dezember 2013 um 23:02

    […] aus und fordert stattdessen Raclette. Und natürlich muss ich an Heiligabend auch immer “Weihnachten bei Hoppenstedts” im Fernsehen gucken und nötige den Rest der Familie ebenfalls dazu. Für mich gehört es […]

  • Kommentar verfassen

    %d Bloggern gefällt das: