Was braucht man für ein richtig gutes Buch?

Ist es eigentlich möglich, mit einem einzigen Buch auf den Bestsellerlisten verschiedener Kategorien zu landen, quasi das Buch der Bücher zu schreiben? Dieser Frage geht „Das beste Buch der Welt“ nach.

Das beste Buch der Welt

Titus Jensen ist Schriftsteller und routinierter Trinker, der hier und da mit seinem Kumpel, dem Dichter Eddie X, bei Poetry Slams und Literaturveranstaltungen auftritt. Nach einer solchen hat Titus eine Idee, die er zusammen mit seinem Freund immer weiterspinnt: Er will ein Buch schreiben, dass die unterschiedlichsten Kategorien beinhaltet und somit in vielen Bestsellerlisten geführt wird. Und dazu noch (oder gerade deswegen) ein echter Megaseller wird. Als er seiner Lektorin Astra die Idee präsentiert, ist diese sofort Feuer und Flamme und setzt sich im Verlag für ihn und die Idee ein. Doch die Zustimmung des Verlags ist an Bedingungen geknüpft. Die härteste ist, dass er ab sofort dem Alkohol abschwören muss. Titus lässt sich darauf ein, so sehr will er dieses Buch schreiben. Doch auch Eddie X ist von der Idee begeistert und so beginnt zwischen den beiden ein Wettkampf um die Abgabe des Manuskriptes, die sich immer weiter hochschaukelt.

Neben dieser eigentlichen Handlung hat Stjernström auch noch Abschnitte des Buches eingeflochten, das Titus gerade schreibt. So vermittelt er dem Leser seine Version eines solchen Bestsellers. Für ihn ist das eine Mischung aus Krimi, Kochbuch, Lebensberater und zwischen den Zeilen bestimmt noch einiges mehr. All diese einzelnen Genres sind auf die ein oder andere Art und Weise miteinander verknüpft, nichts steht einfach so im leeren Raum. Besonders witzig fand ich die Idee, das Rezept für eine Pizza Quattro Stagioni einzufügen, das Leibgericht des Kommissars aus dem Krimi. Ich glaube, die werde ich demnächst mal nachkochen! Sehr cool fand ich auch das Kapitel, in dem er einfach die besten Seefahrtsmetaphern der Welt aufführt (diese werden vom Kommissar gerne bei Pressekonferenzen genutzt). Denn natürlich muss das beste Buch der Welt auch die besten Listen der Welt enthalten. Den Wechsel zwischen diesen einzelnen Erzählsträngen schafft der Autor mühelos, der Roman im Roman nimmt außerdem nie zu viel Platz im Buch ein.

Was mir nicht so gefallen hat, ist der Spannungsbogen des gesamten Buches. Nachdem ich den Einstieg in die Geschichte einfach nur großartig fand und stellenweise Tränen gelacht habe, baute das Buch im letzten Drittel ziemlich ab. Da habe ich mich dann leider eher gelangweilt und angefangen, immer schneller zu lesen. Zudem lenkte der Autor die Handlung in eine leicht abstruse Richtung, die irgendwie so gar nicht zum Rest passte. Und so hat mich das Ende doch eher verwirrt zurück gelassen. Vielleicht wollte der Autor hier einfach ein paar Ideen zu viel unterbringen.

Fazit: Ein witziges Buch, dass sich schnell lesen lässt. Gerade durch die Vielfältigkeit und Unvorhersehbarkeit in der ersten Hälfte macht das Lesen viel Spaß. Außerdem gefällt mir das Experimentelle, man merkt, dass dieses Buch eine Art Spielfeld ist, auf dem sich Stjernström einfach mal richtig austobt. Leider wirkt die Story dadurch sehr überladen, aber die Idee kann man bestimmt noch weiter ausbauen.

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Peter Stjernström – Das beste Buch der Welt
Verlag: Dumont
350 Seiten, Klappbroschur, 16,99 €

Eure Maike

Rezensionsexemplar, vielen Dank.
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2 Kommentare

  • Antworten Anna 25. November 2014 um 19:17

    Vielen Dank für die spannende Rezension, Maike! Es hat mir gut gefallen, wie sich beide Ideen von dem Autor in Deiner Rezension widerspiegeln: einerseits, Mischung aus Kochbuch, Lebensberater etc., was mir ein bisschen an Bucher von Milorad Pavich erinnert hat, an „Hyperlink-Bucher“, andererseits, Konkurrenz zwischen zwei Personen, Verzicht auf dem Alkohol – etwas aus dem „realen“ Leben, etwas, was uns zu nachdenken einlädt: wer sind die Autoren von die besten Büchern, was für ein Leben soll so ein Mensch haben, was ist das beste Buch und, vielleicht, auch das Leben (schreiben wir, vielleicht, jeden Tag etwas in unserem Lebensbuch)? Was bedeutet, eigentlich, „das beste“ überhaupt und insbesondere in Bezug auf den Inhalt dieses Buches? Braucht man zuerst viel „gutes“ machen, um danach „das beste“? …Beide Seiten stehen zu weit voneinander und, gleichzeitig, zu neben.

  • Antworten Neena Kay 25. November 2014 um 20:48

    Huhu! Hab dich vorhin bei Facebook gesehen und fand allein schon den Namen der Seite richtig toll! Ich lese dann mal hier mit ;) Grüße!

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