Vanessa F. Fogel – Hertzmann’s Coffee

Ich bin mir ganz sicher, dass „Hertzmann’s Coffee“ hier auf dem Blog mal in irgendeiner Vorfreudeliste herum geisterte. Aber bisher hat keine von uns es gelesen, das traurige Schicksal vieler spannender Backlist-Bücher, die Neuerscheinungen weichen müssen. Vor einiger Zeit (evtl. einigen Monaten) fiel es mir dann aber als Taschenbuch in die Hände und wanderte einfach mit nach Hause.

Genau genommen ist es nicht nur eine Geschichte, die Vanessa F. Fogel erzählt, sondern es sind drei zusammengehörige Erzählstränge. Abwechselnd werden die drei parallel verlaufenden Handlungen erzählt. Zuerst ist da Yankele Hertzmann, der zusammen mit seiner Frau Dora ein erfolgreiches Kaffee-Imperium in New York aufgebaut hat. Doch nun wollen sich beide zur Ruhe setzen und die Geschäfte ihren vier Kindern überlassen. Jedoch haben sie nicht mit der Sturköpfigkeit und Streitlust ebenjener gerechnet – das ganze Unterfangen nimmt eine höchst unangenehme Wendung, keiner will mit dem anderen zusammen arbeiten und fühlt sich übergangen. Um seine Kinder doch noch umzustimmen, macht Yankele einen ungewöhnlichen Schritt und berichtet auf Youtube von seiner Vergangenheit.
Hertzmanns_CoffeeDer zweite Erzählstrang erzählt von José-Rafael in Venezuela. Das einzige ihm verbliebene Familienmitglied bzw. Verwandter überhaupt ist seine Mutter, die im Sterben liegt. Nach und nach erzählt er, wie es dazu kam, dass es nur sie zwei gibt und versucht sich damit abzufinden. Und dennoch scheint es, als wolle seine Mutter gar nicht sterben – als habe sie noch etwas zu erledigen.
Der dritte Erzähler ist Marc in Berlin. Seine Eltern haben die jährliche Reise nach New York abgesagt, womit er sich aber nicht abfinden will. Schließlich hat er sich heimlich für DEN Puzzle-Wettbewerb überhaupt angemeldet und jetzt muss er einfach teilnehmen. Und seine Großeltern möchte er auch besuchen. Doch da er noch minderjährig ist, erlauben ihm seine Eltern nur unter einer Bedingung die Reise: Er muss zusammen mit seinem älteren Bruder Robin reisen.

Diese drei so grundverschiedenen Geschichten und ihre Erzähler bringt die Autorin in ihrem Roman zusammen. Beim Lesen wird einem sehr schnell klar, wo genau die Verbindungspunkte liegen (was ich hier aber natürlich nicht verrate). Dadurch ist die Geschichte einerseits wenig überraschend, entwickelt sich aber sehr fließend. Nur ganz am Anfang hat mich der Wechsel von New York nach Venezuela aus dem Tritt gebracht – mir war nicht klar, von wem die Rede ist und in welcher Zeit ich mich befinde. Zum Glück hat sich das aber schnell gegeben.
Handwerklich ist das Buch ansonsten einwandfrei. Die Autorin findet diese ganz bestimmte Mischung aus Licht und Schatten, schönen und traurigen Momenten – genau wie bei einer guten Kaffee-Mischung. Und doch ist es dem Roman nicht so recht gelungen, mich zu packen und zu begeistern. Viele Dinge zogen sich hin oder Beschreibungen langweilten mich. Immer ein schlechtes Zeichen, wenn ich beim Lesen nach und nach schneller werde. Auch konnten mich ihre Figuren nicht gerade durch Authentizität überzeugen. Die Dialoge, die teilweise geführt wurden, wirkten immer wieder künstlich und waren  (besonders mit den „Regieanweisungen“ der Autorin) schwer in der Realität vorstellbar. Und so zieht Vanessa F. Fogels Familiengeschichte einfach so an mir vorbei. Eigentlich schade, aber vielleicht hatte ich einfach zu hohe Erwartungen an das Buch.

Fazit


Ein Roman, in dem es weniger um Kaffee, aber dafür um die Geschichte einer Familie geht. Dennoch plätscherte die Story eher an mir vorbei und konnte mich nicht begeistern.

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leerkleines Herz leer

Eure Maike


Vanessa F. Fogel – Hertzmann’s Coffee
Verlag: btb
320 Seiten, Taschenbuch, 10,99 €

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1 Kommentar

  • Antworten Marina 17. Juli 2016 um 20:40

    Hmm. Auf der einen Seite klingt das Buch echt interessant, auf der anderen Seite macht mich deine Einschätzung skeptisch. Ich setz das Buch mal auf meine Merkliste, vielleicht liegt es mal in einer Buchhandlung rum und ich kann reinlesen.

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