Ulrike Fischer – Der kleine Cowboy und der große Wurf

Vermutlich muss ich euch den Magellan Verlag nicht mehr vorstellen, denn im letzten Jahr hat der kleine Verlag mit dem knuffigen Wal für ordentlich Wirbel gesorgt.Tatsächlich besitze ich inzwischen selbst eine kleine wasserspritzende Variante des Wals. Meine Tochter mag den Wal so sehr, dass sie manchmal fragt, ob wir ein Buch vom Wal lesen wollen. ;)

fischer_cowboy_grosse_wurf_CoverMich persönlich spricht besonders an, dass Magellan großen Wert auf umweltbewusstes Handeln legt – bei Papier, Farben und Druck. Das ist ein absolut zeitgemäßes Verhalten und ich würde mir weitaus häufiger Bilderbücher wünschen, die nicht noch nach Tagen Farbdämpfe abgeben (das kommt häufiger vor als man meint).
[lightgrey_box]Ben träumt davon, eines Tages ein echter Cowboy zu sein. Doch dafür muss er die Sache mit dem Lassowerfen hinkriegen und das will einfach nicht klappen. Erst gestern hat er der Frau vom Sheriff den Blümchenhut vom Kopf gefegt und nun gab es auch noch ein Missgeschick mit Mamas frisch gewaschener Wäsche …
Bevor er seine Strafe antreten muss, schickt Tante Nelly ihn zum Glück erst mal los, um den Cowboys ihr Mittagsbrot zu bringen, und die zeigen ihm die Sache mit dem Lassowerfen noch mal. Gerade rechtzeitig, denn ehe er sich versieht hat Ben Gelegenheit, seine Lassokünste unter Beweis zu stellen – und zwar an dem gefürchteten Banditen Red John![/lightgrey_box]

fischer_cowboy_grosse_wurf_Bild2In diesem Buch geht es um einen kleinen Jungen, der sich nichts sehnlicher Wünscht, als eines Tages Cowboy zu werden. Leider kann er überhaupt nicht mit dem Lasso umgehen. Ihm gelingt es nicht, mit dem Seil Mamas Hahn zu fangen – dafür leider ihre Wäscheleine. Unglücklicherweise hing diese voll mit frisch gewaschener Wäsche. Zur Strafe soll Ben morgen die Wäsche noch einmal waschen. Doch dank einiger Cowboys, die ihm das Lassowerfen beibringen, wird er verschont bleiben, denn ihm gelingt tatsächlich der ganz große Wurf.

Auf den Bildern könnt ihr schon sehen, welche Farbe hier vorherrscht: Es ist ein Präriegelb, in der jede Seite eingefärbt ist und direkt Wüstenflair erzeugt. Schließlich spielt diese Geschichte tatsächlich im Wilden Westen und Cowboy ist tatsächlich ein gängiges Berufsbild. Trotzdem erinnert der kleine Ben an einen Jungen von heute, der sich selbst einen Cowboyhut aus Papier bastelt. Der Zeichenstil und die Farben sind insgesamt sehr liebevoll und verspielt. Vieles erinnert an die Art, wie Kinder es malen würden. Besonders die Tiere wirken mit ihren oft sehr großen Augen und stummeligen Beinen wie aus einer Kinderskizze entsprungen. 
Das gibt dem gesamten Buch einen sehr warmen und sympathischen Stil, der sehr gut zu dem etwas tollpatschigen kleinen Ben passt. 

Zur Handlung muss ich leider sagen, dass sie mein Goldkind nicht packen konnte. Die Texte pro Seite sind etwas länger als bei den meisten unserer Bilderbücher und die Sprache ist einfach ohne zu verniedlichen. Doch irgendwie wurde sie nicht warm mit Ben oder den anderen Figuren. Ich finde das sehr bedauerlich, weil mir die Geschichte, die an einem eher ungewöhnlichen Bilderbuch-Setting spielt, selbst recht gut gefällt. Besonders die Mutter, die in keinem hübschen Kleid daher kommt oder sonst einem Wild-West-Klischee entspricht, ohne viel Schnickschnack und uneitel, ist mir direkt ans Herz gewachsen. Außerdem gefällt mir, dass Ben nur urplötzlich die großen Heldentaten vollbringen kann und direkt mit dem Lasso trifft. Dass er am Ende Erfolg hat, ist ein riesiger Zufall. Schlussendlich muss er noch sehr viel üben – aber es hat sich gelohnt, dass er es versucht hat. Eine schöne Botschaft – wenn auch nicht ganz klar, weil der Schluss etwas bemüht lustig die Wäscheleine vom Anfang aufgreift. Warum ausgerechnet der Sheriff und nicht der gefangene Bösewicht die Wäschewasch-Strafe aufgebrummt bekommt, hat nicht nur meine Tochter verwirrt. 
Den fiesen Dieb am Ende am Waschbottich zu sehen, wäre sicherlich lustiger und ein für Kinder klarerer Abschluss gewesen. :)
Fazit


Ein liebevoll gestaltetes, wenn auch nicht ganz rundes Bilderbuch über einen kleinen Jungen, der sich sehnlichst wünscht Cowboy zu werden. Das Buch zeigt, dass man mit Übung und eine Menge Glück auch schon sehr jung ein großer Held sein kann. 

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Ulrike Fischer – Der kleine Cowboy und der große Wurf
Hardcover mit UV-Lack, ab 3 Jahren
32 Seiten

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