Takashi Hiraide – Der Gast im Garten

Zugegeben, ich bin ein Katzen-Mensch. Dadurch hatte es das Buch schon auf Grund des Covers sehr leicht, mich sofort anzusprechen. Außerdem habe ich eine leise gehegte Vorliebe für japanische Autoren und freue mich immer über Neuentdeckungen. Dementsprechend sah man Takashi Hiraides „Der Gast im Garten“ im Dezember auch in unserer Vorfreude-Woche!
[lightgrey_box]Ein junges Paar, erschöpft vom Lärmen der Großstadt, bezieht ein Gartenhaus außerhalb Tokyos. Als eines Tages ein kleines Kätzchen auftaucht, unterbricht es die beschauliche Stille des weitläufigen Gartens. Es dauert nicht lange, bis sie es dabei beobachten, wie es sich inmitten der Blumenbeete im Schatten der Bäume räkelt, mit Schmetterlingen und Libellen herumtollt und durch das Unterholz streift. Mehr und mehr öffnen sich die beiden dem unverhofften Gast, und bemerken dabei kaum, was die Katze tatsächlich für ihr Leben bedeutet – bis sie eines Tages verschwindet.[/lightgrey_box]

Der Gast im GartenIm Mittelpunkt der Geschichte steht ein Paar, das in Tokio ein kleines Gartenhaus gemietet hat. Sie sind beide gefangen in ihren Gewohnheiten und leben mehr neben- als miteinander. Doch dann taucht eines Tages eine kleine Katze in ihrem Garten auf. Sie gehört den Nachbarn, hört auf den Namen „Chibi“ und macht ihrem Ruf als Freigängerin alle Ehre (Katzenbesitzer wissen was ich meine): Sie streunt überall herum, erkundet alles und bleibt dabei doch auf Abstand. Damit stellt sie das Leben des namenlosen Paares gehörig auf den Kopf. Beide brechen nach und nach aus ihren Routinen aus und öffnen sich, einerseits für ihren Partner, aber auch ganz im Allgemeinen. Die wahre Bedeutung der Katze für ihr Leben verstehen sie aber erst sehr spät, als Chibi von einem zum anderen Tag verschwindet.

Hiraides Buch könnte eine klassische Liebesgeschichte sein – Paar, dass sich nichts mehr zu sagen hat und nach einem unerwarteten Ereignis wieder zueinander findet – aber das ist es nicht. Damit hat mich das Buch positiv überrascht, denn nach dem Klappentext hatte ich so etwas erwartet. Die Geschichte ist aber viel universeller angelegt und die eigentliche Botschaft hinter den Zeilen zu finden. Das fängt schon beim Setting an: viel beschäftigte Menschen, tägliche Routinen, die klassischen Sorgen um die Zukunft und der dadurch bedingte schleichende Verlust von Nähe sind Themen, die uns irgendwo alle betreffen. Dabei spielt das Buch in den 1980er Jahren, doch an Aktualität hat die Thematik nichts eingebüßt.
Hiraides Protagonisten leben zwar gemeinsam in ihrem kleinen Gartenhaus, aber beim Lesen fühlt es sich nicht an, als wären sie dort auch Zuhause. Das ändert sich erst, als Chibi in das Leben der beiden tritt. In dem Moment in dem sie ständiger Gast im Garten und dann auch im Haus wird, werden die Routinen aufgebrochen. Sie erobert nach und nach immer mehr Raum, einerseits im Haus, aber auch im Leben des Paares. Sie freuen sich über die Besuche der Katze und beginnen, sie zu beobachten. Und sie richten ihr kleine Orte des Rückzugs im Haus ein. Dabei sind sie sich immer im Klaren darüber, dass es eigentlich nicht ihre Katze ist, dennoch merkt man hier, dass sich ihr Denken hier nach und nach wandelt.

Hiraide erzählt die Geschichte nicht linear. Es sind kleine Episoden, die einzelne Situationen im Leben des Paares schildern, erzählt aus der Sicht des Mannes. Durch dieses ausschnitthafte Erzählen wird die Veränderung im Leben des Paares besonders deutlich. Dabei liest es sich aber nicht abgehackt. Die Sprache des Autors ist leise, etwas melancholisch und sehr leicht, sie fließt geradezu. In meinem Empfinden ist das etwas „typisch Japanisches“, denn gerade bei Autoren aus Japan begegnet mir so etwas häufiger.
Außerdem ist das Buch von Quint Buchholz illustriert worden. Seine Bilder passen sich ganz hervorragend in die Geschichte ein. Doch leider finde ich, dass sie etwas lieblos in die einzelnen Kapitel integriert worden sind, das hätte man schöner machen können.

Fazit:


Ein kurzes Buch, das ein kurzweiliges Lesevergnügen verspricht, aber bei weitem keine leichte Lektüre ist. Die Thematik ist aktuell, was mich sehr begeistert hat. Hiraide eröffnet eine interessante Sichtweise auf das Leben des modernen Menschens und zeigt dabei auch, wie einfach es ist, sich auf Wesentliches zu besinnen.

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefüllt

Eure Maike


Takashi Hiraide – Der Gast im Garten
Verlag: Insel
133 Seiten, gebunden, 14 €

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2 Kommentare

  • Antworten kielfeder 12. April 2015 um 10:47

    Das Buch hat mich in einer Lieblingsbuchhandlung ständig angelacht.
    Ok, jetzt weiß ich auf jeden Fall, dass sich dahinter etwas Gutes verbirgt :)
    Danke, für deine schöne Rezension.

    Liebe Grüße,
    Ramona

  • Antworten [Blogparade] Wir geben unseren Blogs ein Gesicht – Herzpotenzial | primeballerina's books 26. April 2015 um 10:00

    […] Schwierige Frage. Ich war sehr beeindruckt von Takashi Hiraides “Der Gast im Garten”. Es geht um ein junges Paar aus Tokio, in dessen Garten eines Tages eine Katze auftaucht und […]

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