Sybil Volks – Wintergäste

Als ich vor einiger Zeit ein Bild dieses Buches auf Instagram postete, kommentierte jemand darunter, dass ich es schnell noch lesen soll, bevor es Frühling wird. Und das war ein wirklich guter Ratschlag: denn in Sybil Volks Roman „Wintergäste“ ist es kalt, es schneit und stürmt. Das graue Wetter in Kiel passte da sehr gut zu, auch wenn es „nur regnete“ und nicht mehr schneite.

Ein illustres Trüppchen hat sich da nach den Weihnachtstagen im Haus Tide auf einer Insel in der Nordsee versammelt. Aber so ist das nun mal wenn sich die Nachricht des Ablebens schneller verbreitet, als Gevatter Tod seine Arbeit tun kann. Denn Inge Boysen ist gar nicht tot, auch wenn ihre Schwiegertochter Kerrin Stein und Bein schwört, dass sie nicht mehr geatmet hat. Nun denn, was auch immer es war, jetzt finden sich jedenfalls Kinder und Wintergäste Sybil VolksEnkel auf der Insel ein und treffen gewissermaßen unvorbereitet aufeinander. Denn Familie Boysen ist keinesfalls eine einfache Familie, es hakt und kracht ganz schön im Beziehungsgetriebe. Zum Beispiel die Tochter Gesa, die mit ihren beiden Kindern, ihrem Noch-Ehemann und dem ungeborenen Kind ihres Geliebten eintrifft. Und auch in der Vorzeigebeziehung ihres ältesten Bruders Enno und dessen Frau Kerrin scheint irgendetwas nicht zu stimmen, das ist offensichtlich. So bringt jedes Familienmitglied sein eigenes emotionales Chaos in das eigentlich viel zu kleine Haus mit. Eigentlich wollen alle nur so schnell es geht wieder weg, aber das Wetter macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Es kommt ein Schneesturm, der es in sich hat und sie über Nacht einschneit. Die Familie ist gezwungen, noch etwas Zeit miteinander zu verbringen bzw. aufeinander zu hocken und sich auf die Nerven zu gehen. Ganz schön viel Trubel in dem kleinen Haus hinterm Deich.

„Wintergäste“ stand tatsächlich im letzten Sommer auf meiner Vorfreude-Liste. Als es dann erschien habe ich es einfach aus den Augen verloren bei all den Büchern. Doch neulich im Buchladen lachte es mich an – es stand passenderweise im Regal genau auf Augenhöhe – und da wanderte es einfach mit. Überrascht hat mich der Umfang des Buches, irgendwie hatte ich weniger Seiten erwartet. Was ich aber sehr mag ist dieses etwas größere und festere Format von Taschenbüchern (scheinbar Standard bei DTV premium), weil es viel besser beim Lesen in der Hand liegt.
Bevor man in das Buch einsteigt gibt es eine Auflistung der Mitspieler. Eine echte Service-Leistung für den Leser, denn so bekommt man schon vorab eine Idee des Beziehungsgeflechts. Die eigentliche Geschichte wird in Monologen, die die einzelnen Protagonisten mit sich selbst haben, erzählt. Dadurch ist es möglich, eine Situation aus verschiedenen Blickwinkeln darzustellen. Ein Kniff, den die Autorin wiederholt gekonnt einsetzt. Das wird übrigens nie langweilig, denn jeder bewertet die Situationen natürlich unterschiedlich. Was ich aber dabei als Nachteil empfand: Dadurch, dass jede Situation für jeden Protagonisten unterschiedliche Konsequenzen hat, muss man immer mehr aufpassen, um nicht den Überblick zu verlieren. Denn im Endeffekt ist jeder ein eigener Erzählstrang und die sind insgesamt ganz schön ineinander verknotet. Zusätzlich werden immer mehr Geheimnisse gelüftet und es kommt zu überraschenden Wendungen – am Ende fand ich das leider nur noch anstrengend. Denn insgesamt konnten mich diese Wendungen nicht überzeugen, es war einfach „too much“ und hinterließ bei mir einen faden Beigeschmack.  Mal sehen, ob ich die im Nachtrag angekündigte Fortsetzung der Geschichte trotzdem lesen werde.

Fazit


Ein echt nordischer Familienroman, mit viel Zank und Sturm direkt am Meer. Bei all der Unterhaltung zu Beginn, am Ende ließ meine Begeisterung merklich nach und das Buch konnte mich nicht so recht überzeugen.

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leerkleines Herz leer

Eure Maike


Sybil Volks – Wintergäste
Verlag: DTV premium
416 Seiten, Taschenbuch, 14,99 €

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1 Kommentar

  • Antworten mary 31. März 2016 um 20:26

    Hallo ,

    ich hatte das Buch im November gelesen, und an einer Lesrerunde bei lovelybooks teilgenommen. Ich fand die Idee ganz gut, die Umsetzung auch nicht schlecht, aber zum Ende hin wurde das ganze immer unglaubwürdiger für mich, was ich etwas schade fand. Ich meine mich zu erinnern, dass eine Fortsetzung geplant war, aber ganz sicher bin ich mir nicht mehr.

    Liebe Grüße
    Mary

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