Sun-Mi Hwang – Der Hund, der zu träumen wagte

Als ich damals das kleine Büchlein über ein tapferes Huhn entdeckte, hätte ich nie gedacht, dass Fabeln so zart, so berührend sein können. Doch Sun-Mi Hwang erschafft kleine Kunstwerke, die auf den ersten Blick wie schlichte Kindergeschichten anmuten.

Die Geschichte vom Huhn, das vom Fliegen träumte hat mich damals bereits nach wenigen Seiten zu Tränen gerührt. Der Kampf einer Mutter um ihr Kind, der Hohn und Spott, dem sie tagtäglich auf ihrem Bauernhof ausgeliefert war, ließen mich an allzu menschliche Situationen denken. Eine intensive wie schlichte Fabel, die ich nach wie vor jedem ans Herz legen möchte.
Nun ist eine weitere Erzählung der Autorin und Literaturprofessorin Sun-Mi Hwang auf Deutsch erschienen. Begleitet von zarten und zurückhaltenden Bildern wird die Geschichte von Zotti, einem kleinen Mischlingshund erzählt. Gemeinsam mit seinen Geschwistern und seiner Mutter, einer Zuchthündin leben sie bei einem alten Trödler und seiner Frau unter recht ärmlichen Verhältnissen. Ein Geschwisterhund nach dem nächsten werden verlassen auf die ein oder andere Weise den Hof. Als schließlich ein hinterhältiger Dieb alle übrigen Hunde betäubt und stiehlt, bleibt nur Zotti zurück und kämpft von nun an mit dem Verlust ihrer Familie.
Ihr Herrchen lässt sie tagsüber ausgedehnt durch die Umgebung streunen, was Zotti auch intensiv nutzt, immer auf der Suche nach ihrer Familie. Dabei begegnet ihr eines Tages die Liebe und sie schöpft neue Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Neben Zotti Geschichte wird auch das Familienleben von ihrem Herrchen erzählt. Dieser wird von allen Hunden „Großvater“ genannt und kümmert sich mit Liebe und gleichzeitig Strenge um seine Zucht. Zu Zotti baut er über die Zeit eine besondere Beziehung auf, denn im Gegensatz zu seinen anderen Hunden gelingt es ihm bei ihr nicht, sie mit Strafen und Härte zu zähmen. Ihre Beziehung wächst über die Jahre zu einer tiefen Verbundenheit und einen gegenseitigen Respekt, frei von hündischer Unterwürfigkeit – einer nicht unbedingt typischen Mensch-Hund-Beziehung.

Foto 05.07.16, 16 39 37 (2)Während mir bei ihrem vorherigen Roman die gesellschaftskritische Komponente sehr klar war und besonders den Reiz ausgemacht hat, stand in diesem Roman die Entwicklung des kleinen Hundes weitaus stärker im Vordergrund. Auch hier geht es um Familie, Identität und Verbundenheit. Doch während sich das Huhn durch seine Liebe zu ihrem Kind über sich selbst hinausgewachsen ist, wird hier ein vermutlich typischer Lebenswandel einer Hündin beschrieben. Die tiefere Bedeutungsebene, die aus dieser Erzählung eine Fabel machte, fehlte. Vermutlich war das auch gar nicht intendiert und deshalb kann ich es auch nicht bemängeln. Doch eine Spur Enttäuschung bleibt.

Fazit


Der Hund,der zu träumen wagte ich eine unterhaltsame, ja beinahe kindgerechte Erzählung über eine mutige Hündin, die sich mehreren Schicksalsschlägen stellt.
Eine schöne, unterhaltsame und berührende Lektüre für Zwischendurch.

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Eure Mareike

Noch eine Spur euphorischer in ihrer Beurteilung war Karin von Little Words.


Sun-Mi Hwang – Der Hund, der zu träumen wagte
Aus dem Englischen von Simone Jakob
Verlag: Kein und Aber
Klappenbroschur, 176 Seiten, 16 Euro

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2 Kommentare

  • Antworten Karin 20. Juli 2016 um 21:13

    Ich freu mich, dass dir das Büchlein auch gut gefallen hat, auch wenn du davon wohl nicht so überzeugt bist, wie ich! : D Die tiefere Bedeutungsebene, die du ansprichst, war, wie ich finde, eigentlich schon recht präsent. Mir ist vor allem immer im Gedanken geblieben, wie stark die Art zu leben thematisiert wird. Ganz im Vordergrund aber eben auch der Egoismus der bei allen zu dominieren scheint, weil alle denken, sie müssten auf Kosten anderer ihren eigenen Standard anheben. Ganz geschickt wurde das, wie ich finde, mit den verschiedenen Blickwinkel dargestellt (Mensch – Tier). Ich habe den Vorgänger bisher leider noch nicht gelesen, aber manchmal ist man etwas enttäuscht, wenn der Vorgänger einem um einiges besser gefallen hat, daher denke, kann ich deine Kritik auch vollkommen verstehen. : )

    Liebe Grüße,
    Karin

  • Antworten Auf den Hund gekommen | brasch & buch 15. Dezember 2016 um 18:10

    […] aus der Bescheidenheit ihrer Intention schöpft. Das Buch gefällt nicht nur mir, sondern auch Herzpotenzial, Fraencis Daencis und […]

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