Morten A. Strøksnes – Das Buch vom Meer

Das Buch von Morten A. Strøksnes trägt den vollständigen Titel „Das Buch vom Meer oder Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen“.  Damit wisst ihr so die Rahmenhandlung und eigentlich auch schon, wie dieses Buch ausgeht. Es dauert ein Jahr, bis die Freunde in mehreren Anläufen einen der sagenumwobenen Eishaie an den Spezialhaken ihrer Angeln bekommen.Doch es ist nicht so, dass es sich hierbei um einen gewaltigen Spoiler handelt und man sich dieses Buch nun sparen kann. Weit gefehlt. Es handelt sich um ein Sachbuch, das sich anhand dieser einjährigen Erfahrung quer durch die Historie bewegt und in anekdotenhaftem Stil die Verbindung von Mensch und Meer beleuchtet. Dabei wird auf vielfältigste Quellen zurückgegriffen. Von Homers Odyssee bis hin zu neuesten Klimaberichten verbindet Strøknes alles zu einem reichen und farbenfrohen Bild über eine wechselhafte Beziehung. Von der Notwendigkeit und Abhängigkeit des Menschen vom Fischfang wird berichtet. Die Sehnsucht und Abenteuerlust, die es schon in der frühesten Menschheitsgeschichte in Verbindung mit den Fluten gab. Götter, Sagengestalten und grausige Tiefseemonster werden beschrieben und haben hier ihren Platz.

Genauso wird über die Brutalität des Walfangs, die gnadenlose Jagd auf Eishaie und die systematische Überfischung der Meere berichtet ohne dabei anklagend zu werden. Gerade bei den düsteren Kapiteln des Hai- und Walfangs verdanke ich es dem eleganten und plauderhaften Tonfall des Autors, dass ich das Buch nicht einfach zugeklappt habe. Ja, diese Stellen gingen mir an die Nieren und ich muss gestehen, dass ich einiges von dem Gelesenen am liebsten nie über uns Menschen erfahren hätte. Wir sind eine furchtbare Spezies! Doch konnte ich den Autor und seinen Freund nicht allein auf dem Meer beim Fischfang zurücklassen. Sie waren mir inzwischen schon zu sehr ans Herz gewachsen. Und ich muss gestehen, dass ich noch mehr lernen wollte. Dieses Buch ist so reich und so vollgepackt mit Wissen, das sich einem wie nebenbei eröffnet, dass ich mich nur schwer von dem Buch lösen konnte.
Gerade natürlich die literarischen Anekdoten über all die Bücher, all die literarischen Figuren, die Ausdruck der menschlichen Faszination für das Meer sind, haben es mir angetan. Die Urgewalt Meer in Worten festzuhalten, die Gefühle, die es auslöst in eine Geschichte zu fassen, scheint eine endlose Quelle der Inspiration für Autoren quer durch alle Zeiten zu sein.

Fazit


Und so wäre es Morten A. Strøksnes sicherlich ein Leichtes gewesen, diesem Buch den doppelten Umfang zu geben. Dass er dies nicht tat, spricht für sein außergewöhnliches Gespür für Timings und Spannungsaufbau. Beides übrigens Merkmale, die ich sonst in Sachbüchern nicht unbedingt als Stärken hervorheben würde.
Ihr seht also: Dieses Buch ist anders. Es ist ein erzählendes Sachbuch. Manchmal nicht ganz einfach und sicherlich nichts für Menschen mit schwachen Nerven. Aber für jeden, der ein leichtes Ziehen in der Brust verspürt, wenn er an das Meer denkt, ein absolutes Muss.

Eure Mareike


Morten A. Strøksnes – Das Buch vom Meer oder Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen
Verlag: DVA
Gebunden, 368 Seiten, 19,99€

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2 Kommentare

  • Antworten Die Vorleser 12. Dezember 2016 um 18:42

    Liebe Mareike,
    das Meer liebe ich auch sehr und versuche jedes Jahr einmal hinzufahren. Und was die Menschen den Tieren antuen ist schon ziemlich schrecklich. Trotzdem hat mich deine Besprechung jetzt auf das Buch neugierig gemacht. Vielen Dank und liebe Grüße von Gisela von den Vorlesern

  • Antworten Lotta 8. Januar 2017 um 11:16

    Meine liebe Mareike,
    na wenn das mal keine Rezension ist, die einen mitreißt, dann weiß ich auch nicht. Ich habe dieses Buch an jemanden weitergegeben, der mir sehr am Herzen liegt und ich hoffe, dass ihm dieses Buch gefallen wird. Ich bin mir sogar fast sicher, dass es so ist, nachdem ich deine Rezension gelesen habe. :) Danke dafür. Das macht mich irgendwie ein Stückchen glücklicher.

    Liebst, Lotta

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