Stefanie Kremser – Der Tag, an dem ich fliegen lernte

Ein Buch, das mit einem Knall beginnt: Denn man erfährt von einer frischgebackenen Mutter, die ihr Kind aus dem fünften Stock eines Krankenhauses wirft und dann verschwindet. Bumm!!

[lightgrey_box]Als Luisas Mutter Aza gleich nach der Geburt das Weite sucht und zurück in ihr Heimatland Brasilien flüchtet, nimmt Luisas Vater Paul das Kind zu sich in die Münchener Studenten-WG. Erst viele Jahre später machen sich die beiden auf, um Azas Beweggründen auf die Spur zu kommen.[/lightgrey_box]

Stefanie_Kremser_Tag_fliegen_lernte_Cover_KiwiEine Mutter, die ihr Kind einfach so versucht zu töten (oder nicht vorsichtig genug damit ist?) und dann für immer verschwindet, ist wirklich ein sehr ungewöhnlicher Anfang für ein Buch. Besonders, weil diese Geschichte von dem Kind selbst erzählt wird. Luisa überlebt nämlich ihren Flug aus dem Krankenhausfenster wie durch ein Wunder. Inzwischen Erwachsen erzählt sie ihre Geschichte, die von ihrem Vater und die der Vorfahren ihrer Mutter. Wurde sie wirklich geworfen, ist sie gefallen oder was ist genau in diesem Moment passiert? Diese Frage zieht sich durch das ganze Buch und doch geht es um so viel mehr.
Luisa wächst in der eher unkonventionellen Studenten-WG ihres Vaters Paul in München auf. Gemeinsam mit seinen Mitbewohnern, allen voran dem gutmütigen und hemmungslos romantischen Schreiner Fergus, kümmert sich Paul aufopfernd um seine geliebte kleine Lulu. Doch ansonsten ist sein Herz leer. Die Flucht von Aza, Luisas Mutter und seine große Liebe, löst in ihrem Vater eine Art Starre aus. Er ist nicht bereit, aus der WG zu ziehen oder irgendwas groß zu verändern, weil er über Jahre hofft, dass Aza doch irgendwann zurückkehrt, sich alles als ein großer Irrtum herausstellt und sie glücklich werden.
Doch um ihren Weggang und ihr Wesen zu begreifen, müssen Paul und Luisa in der Vergangenheit Azas nach Antworten suchen. Denn die Brasilianerin hat deutsche Wurzeln, die bis in das Jahr 1890 im oberbayrischen Hinterdingen hineinreichen. Ein unheimlich spannender und sprachlich anmutiger Clou, in dem diese Geschichte in der Mitte des Buches plötzlich zum kleinen Historienroman wird und so langsam den Ursprung der Tragödie in der Gegenwart auflöst. In dieser überraschenden, frischen und zugleich unheimlich zarten Geschichte steckt viel Erzählgeschick, das nicht nur perfekt durchdacht ist, sondern auch viel lyrische Elemente enthält. 

Fazit


Die Autorin führt einen in die fast magisch anmutende Geschichte einer Leerstelle im Leben eines kleinen Mädchens – fernab von Hass oder Groll. Ein Mädchen, dass voll Staunen und Sehnsucht auf die eigene Geschichte schaut und den Leser einfach mitreißt. Ein umwerfendes Buch!

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefüllt

Eure Mareike


Stefanie Kremser – Der Tag, an dem ich fliegen lernte
Verlag: Kiepenheuer und Witsch
Gebunden, 304 Seiten, 19,99€

Vorherige Beiträge Nächste Beiträge

Vielleicht gefällt dir auch

4 Kommentare

  • Antworten Evi 11. Juni 2015 um 14:36

    Liebe Mareike,
    danke für diese wunderbare Rezension, die wirklich Lust auf das Buch macht. Es ist mir in den letzten Wochen immer mal wieder begegnet und ich habe noch gezweifelt, ob es wirklich etwas für mich ist, weil mir das Cover so gar nicht gefällt. Den Titel finde ich hingegen total spannend.
    Nun wandert es Dank deiner überzeugenden Rezi auf die Wunschliste.

    Liebe Grüße
    Evi

    • Antworten Mareike 11. Juni 2015 um 14:39

      Liebe Evi, das freut mich sehr! Ja, das Cover ist wirklich ein wenig gewöhnungsbedürftig. Dadurch ist es mir letztes Jahr aufgefallen und doch hat mich die Geschichte dann sehr überrascht, weil es in eine völlig unerwartete Richtung ging. Ich bin gespannt, wie du es findest.:)
      Liebe Grüße
      Mareike

  • Antworten Nanni 11. Juni 2015 um 18:58

    Liebe Mareike,

    eine sehr schöne Rezi, die den Geist des Buches wirklich auf den Punkt bringt.
    Ich war auch so begeistert vom Roman, der mich sowohl inhaltlich, als auch mit seinen tollen Figuren positiv überrascht hat.

    Liebe Grüße
    Nanni

  • Kommentar verfassen

    %d Bloggern gefällt das: