Spenden von digitalen Geräten – Leseförderung 2.0?

Letzte Woche hatte ich hatte ich die Gelegenheit, bei einer besonderen Art der Veranstaltung anwesend sein zu dürfen: Ebook.de hatte mich letzten Dienstag eingeladen, bei der Übergabe von gebrauchten eReadern an Hamburger Leseprojekte dabei zu sein.
Der Online-Buchhändler hat sich dafür entschieden, ältere Vorführgeräte nicht einfach in den Müll zu schmeißen oder irgendwo im Lager verstauben zu lassen, sondern die Geräten einem neuen Zweck zuzuführen. Sie wurden an das Lesenetz Hamburg, ein Zusammenschluss von rund dreißig(!) außerschulischen Leseförderungsprojekten, gespendet.

eReader-Spendenaktion_GruppeIn Zukunft sollen die fast 100 Geräte in verschiedenen Projekten zur Leseförderung abseits der Schule eingesetzt werden. In der etwa einstündigen Veranstaltungen lernte ich Vertreter von unterschiedlichen Leseförderungsprojekten kennen. Die Zielgruppen unterscheiden sich zwar (Mehrsprachigkeitsförderung, Schreibwerkstätte, Leseanfänger und Sprachanfänger), doch steht bei allen Projekten der Wunsch im Fokus, die Leselust und – Leidenschaft zu fördern.

Die Idee ist, dass den Kindern und Jugendlichen mit den digitalen Geräten die Hemmschwelle zum Buchkontakt genommen werden soll. Es ist vermutlich für uns als Buchjunkies manchmal schwierig nachzuvollziehen: Doch Kindern, die nicht mit Büchern groß werden, das Lesen vielleicht eh als eine enorme Anstrengung sehen, nehmen ein Buch mit vielen Seiten teilweise als einschüchternd wahr.  Die Idee, über ein technisches Gerät sich dem Medium Buch zu nähern, ist ein interessanter Ansatz.
Ganz abseits der Debatte, ob eBooks nun die Zukunft sind, nur das gedruckte Buch das einzig wahre ist und ob digitale Inhalte den Untergang des Abendlandes quasi schon eingeläutet haben, sollte man die Idee als einen möglichen Versuch würdigen. Ein neuer Ansatz  für all diejenigen, die es nicht so leicht mit der deutschen Sprache, dem flüssigen Lesen oder der Rechtschreibung haben. Ein eReader hat die Möglichkeit, Wörterbücher in unterschiedlichen Sprachen zu speichern. Schnell und unkompliziert können unbekannte Wörter nachgeschlagen werden. Ich habe von vielen Freunden gehört, die sich erst durch einen eReader an fremdsprachige Lektüre und an altertümliche Texte heranwagen. Warum sich diesen Effekt nicht für die Lese- und Sprachförderung zu Nutze machen?

Mein persönliches Highlight an diesem Tag war jedoch ein Projekt der Bücherhallen (das Hamburger Dependant zur Bücherei), das mit dem Projekt „Mit offenen Armen“ Flüchtlingen kostenlos Bibliotheksausweise zur Verfügung stellt. Mit dem überraschenden Geschenk der eReader kann den Flüchtlingen nun ermöglicht werden, dass sie auf das Online-Angebot der Bücherhallen zugreifen können. Das bedeutet, dass sie nun Zugang zu einer breiteren Auswahl von Büchern in ihrer Muttersprache haben. Ich finde den Gedanken schön, dass man in der Fremde, nach all dem, was diese Menschen durchleben mussten, wenigstens vertraute Geschichten lesen kann. Ein Buch kann Zuflucht in eine fremde Welt sein, doch in diesem Fall kann es auch ein Stück Heimat sein, ein Rettungsanker.
Insgesamt finde ich Bücher und Geschichten eine besonders schöne Möglichkeit, Flüchtlinge in unserem Land willkommen zu heißen – oder ihnen zumindest die Zeit des Abwartens zu vereinfachen. Deshalb haben wir auch kürzlich die Bücherkiste von der Buchhandlung Niendorfer Büchereck unterstützt. Dort steht eine Kiste mit einfachen und kurzen Bilderbüchern für Flüchtlingskinder und jeder kann dort ein Buch für diese Kiste kaufen. Das Büchereck bringt die Bücher dann zum Flüchtlingsheim und übergibt den Kindern dort die Bilderbücher. Eine simple und doch unheimlich wirkungsvolle Idee, um Anteilnahme zu zeigen – auch wenn die Pegida-Debatten langsam verklingen, sollten wir überlegen, wie wir weiterhin Zeichen setzen. Das haben für mich nun beide Projekte geschafft.
Die Idee von eBook.de ist bisher einzigartig, doch hoffe ich, dass es kein Einzelfall bleiben wird. Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt nicht darüber nachgedacht, was ich mal eines Tages mache, wenn ich mir einen neuen eReader kaufen werde.

Wird der alte Reader dann in meiner Schublade vergammeln? Was macht ihr damit? 
Was machen andere Anbieter von eReadern mit ihren Ausstellungs- und Vorführungsmodellen?

Ich würde mir wünschen, dass diese Idee Schule macht und mehr Leser, Blogger, Verlage, Buchhandlungen usw. für einen nachhaltigen Umgang mit eReadern einsetzen würden. Besonders die Unterstützung von Flüchtlingsheimen erscheint mir dabei eine gute Möglichkeit.

Nun seid ihr dran: Wie findet ihr die Idee?
Kritik, Anregungen und Diskussionen erwarte ich freudig.

Eure Mareike

P.S.: Hier könnt ihr noch mehr über die Veranstaltung von ebook.de nachlesen.

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4 Kommentare

  • Antworten buecherheldin 24. März 2015 um 14:10

    Es gibt so viele tolle Ideen, Menschen durch Bücher (und Ebooks) zu unterstützen! Wir vergessen zu oft, dass der Kauf von Büchern ein teurer Spaß ist und nicht jeder Zugang zu ihnen hat. Ich finde es sehr schade, das Bibliotheken in Deutschland oft Mitgliedsbeiträge fordern und freue mich über sollche gemeinnützige Aktionen! Ein Buch kann Heimat und Zuflucht bedeuten. Viele Grüße, Nina

  • Antworten Suey 24. März 2015 um 14:55

    Ich wollte meinen alten Kindle der Mutter meines Freundes geben, weil sie Bücher liebt, aber gerade überlege ich, ob der E-Reader sich für diesen Zweck nicht besser eignen würde. Ich mag die Idee. Gerade Technik ist manchen Menschen näher, als ein verstaubtes Buch. Ich mag die Idee wirklich und finde all deine Pros stimmen! Die Geräte müssen nicht verstauben oder in irgendeinem Lager verkommen und gerade durch die Wörterbuch Funktion eröffnen sich so viele Möglichkeiten!
    Danke dass du diese tolle Aktion vorgestellt hast, sonst hätte ich glaube nie davon gehört!
    Liebe Grüße,
    Susanne

  • Antworten Lotta 24. März 2015 um 17:41

    Hallöchen Mareike,
    was für eine wundervolle Idee. Ich finde das wirklich toll, weil ich tatsächlich denke, dass heutzutage Kinder und Jugendliche (leider) eher einen Zugang zur Literatur finde, wenn sie über einen Ereader lesen können. Sicherlich nicht alle, aber bestimmt einige. Auch das Projekt mit der Ereader für Flüchtlinge und Kinderbücher für Flüchtlingsheime finde ich grandios. Ich meine besser kann man seine Zusammengehörigkeit und sein Verständnis kaum ausdrücken. Wirklich wunderbare Aktionen und ich hoffe, dass ich irgendwann eventuell auch mal bei solchen Projekten mitwirken kann.
    Ich habe meinen ersten Reader meiner Oma vermacht und die liebt ihn auch wirklich sehr. Meinen zweiten Reader habe ich an eine befreundete Bloggerin weitergegeben. Was ich mache, wenn wieder ein neuer Tolino auf den Markt kommt, weiß ich noch nicht so genau, aber vielleicht werde ich ihn dann auch einem guten Projekt spenden. :) Meinem Altenheim in dem ich arbeite zum Beispiel. :D

    Liebst, Lotta

  • Antworten Buchiger Monatsrückblick für März - Herzpotenzial 29. Januar 2016 um 09:37

    […] wiedergetroffen und neue kennen gelernt. Ein toller Abend. Dann wurde Mareike eingeladen, bei ebook.de vorbeizuschauen und schließlich waren wir gemeinsam beim Bookup der Hamburger Bücherhallen – gemeinsam mit […]

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