Shaun Usher – Letters of Note

Ein Buch, das Beiträge von Zelda Fitzgerald, Galileo Galilei, Albert Einstein und Katherine Hepburn in sich vereint – das findet man nicht alle Tage. Schon allein deswegen ist „Letters of Note – Briefe, die die Welt bedeuten“ etwas ganz Besonderes.

[lightgrey_box]Von Virginia Woolfs herzzerreißendem Abschiedsbrief an ihren Mann bis zum höchsteigenen Eierkuchen-Rezept von Queen Elizabeth II. an US-Präsident Eisenhower, vom ersten aktenkundigen Gebrauch des Ausdrucks »OMG« in einem Brief an Winston Churchill bis zu Gandhis Friedensersuch an Adolf Hitler und von Iggy Pops wundervollem Brief an einen jungen weiblichen Fan in Not bis hin zum außergewöhnlichen Bewerbungsschreiben von Leonardo da Vinci zelebriert und dokumentiert Letters of Note die Faszination der geschriebenen Korrespondenz mit all dem Humor, der Ernsthaftigkeit, der Traurigkeit und Verrücktheit, die unser Leben ausmachen.[/lightgrey_box]

Auf das Buch aufmerksam geworden bin ich durch den ersten dort abgedruckten Brief. Queen Elizabeth II. schrieb ihn an den US-Präsidenten Eisenhower. Aber statt wichtiger politischer Geschehnisse geht es um etwas viel existenzielleres, nämlich um Essen. Ihre königliche Hoheit hat den Präsidenten nämlich ihr Eierkuchenrezept versprochen und sendet es ihm mit einer persönlichen Notiz zu. Ich finde es großartig, dass dieser Brief nebst Rezept erhalten blieb und habe das Rezept direkt ausprobiert. Allerdings mit einer kleinen Einschränkung – das Rezept ist für 16 Personen ausgelegt. Ich bin zwar eine durchaus ambitionierte Esserin, wenn es um Eierkuchen geht, aber bei diesen Massen wäre auch ich an meine Grenzen gestoßen :-)

Letters of NoteShaun Usher ist der Herausgeber des Buches und Betreiber eines Blogs, der den gleichen Titel hat, wie dieses Buch. Er hat die vorliegenden Briefe gesammelt und mit kleinen oder größeren Anmerkungen versehen. Wenn man die Auswahl der Briefe betrachtet, wird einem schnell klar, dass Usher das sehr gerne macht. Denn die Briefe sind scheinbar wahllos aneinander gefügt, egal ob Abschiedsbrief, Liebesbrief, Fanpost oder Gedankenaustausch. Sie sind nicht nach logischen Gesichtspunkten wie Daten oder Genre sortiert. Und gerade dadurch hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass jeder Brief für sich steht. Man muss sich jedes Mal neu auf den Inhalt einstellen, nie kann man genau sagen, was jetzt kommt. So folgt zum Beispiel auf den Abschiedsbrief von Virginia Woolf ein freundlicher Entschuldigungsbrief von Groucho Marx an seinen Freund Woody Allen. Absurd, aber gut und das Lesen bereitete mir keinerlei Probleme.

Briefe sind ein faszinierendes Medium. Sie vermitteln einen Eindruck in die Gedankenwelt ihres Verfassers, ohne diesen einen gewissen Punkt zu überschreiten. Denn beim Schreiben eines Briefes ist man sich immer darüber im Klaren, dass irgendjemand das Geschriebene lesen wird. Darin unterscheiden sich Briefe von Tagebüchern, der Dialog steht immer Vordergrund und es wird in der Regel nicht zu persönlich – jeder behält irgendetwas für sich. Und dennoch zeichnen die Briefe ein Bild ihrer Verfasser. Das gilt für die Briefe bekannter Persönlichkeiten genauso, wie für die Briefe unbekannter Menschen. Da gibt es zum Beispiel einen chinesischen Formbrief aus dem 9. Jahrhundert, mit dem man sich für sein Benehmen unter Alkoholeinfluss entschuldigen kann, ohne sich selbst etwas einfallen lassen zu müssen. Gut zu wissen, dass das für Menschen schon immer ein Problem war, oder? Aber es gibt auch andere Briefe, wie den eines japanischen Kamikaze-Piloten an seine Kinder. Ein sehr kurzer und unendlich trauriger Brief, nicht wegen seines Inhalts an sich, sondern wegen dem, was sich aus ihm schließen lässt.

Die Aufmachung des Buches finde ich ebenfalls sehr gelungen. Jeder Brief ist auch mit Bildern versehen, in der Regel ein Abdruck des Briefes, aber auch Fotos der Verfasser oder dazu passender Bilder. Einzig das Format des Buches gefällt mir hier nicht so gut. Das Buch hat Din A4 Format und ist über 400 Seiten stark. Nichts, was man eben mal schnell unterwegs lesen kann, selbst das Lesen abends im Bett gestaltet sich schwierig. Und auch der Untertitel „Briefe, die die Welt bedeuten“ ist mir zu übertrieben. Denn keiner der Briefe bedeutet in meinen Augen die Welt, sie sind dann doch eher trivial.

Fazit


125 Briefe von Menschen, die wohl unterschiedlicher nicht sein können. Mal sind sie lustig, mal tiefsinnig, mal traurig. Gerade dadurch lohnt sich die Lektüre, denn in jedem Brief lässt sich etwas Neues entdecken. Am Ende bleibt vor allen Dingen eins – das Bedürfnis, selbst mal wieder einen Brief zu schreiben!

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leer

Eure Maike


Shaun Usher – Letters of Note: Briefe, die die Welt bedeuten
Verlag: Heyne
408 Seiten, gebunden, 34,99 €

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