Selja Ahava – Dinge, die vom Himmel fallen

Der Zufall ist zugleich Freund und Feind in unserem Leben. Jeden Tag lauert er auf uns, versteckt sich in den Ecken und schlägt zu, wenn wir am wenigsten damit rechnen. Die Folgen dieser „Attacken“ sind dabei selten abzusehen, denn in der Regel werden unsere schönen und sorgsam ausgearbeiteten Pläne vom Leben gewaltig durcheinander gewirbelt und bringen alles um uns herum ins Wanken.

Saaras Mutter wird mitten im Sommer von einem Eisbrocken erschlagen. Er fiel einfach vom Himmel und ihr direkt auf den Kopf, als sie gerade auf der Terrasse stand. Und so ist Saara im Alter von acht Jahren Halbwaise und versucht, die Erinnerung an ihre Mutter zu bewahren. Sie versucht sich zu erinnern, wie sie Geschichten erzählte (sie erfand gerne etwas neues dazu, wenn sie ihr zu langweilig waren), wie es war, wenn ihre Mutter schimpfte und wie ihr Lachen klang. Und sie versucht zu verstehen, warum es ausgerechnet ihre Mutter getroffen hat. Nicht anders geht es ihrem Vater: Der Verlust seiner Frau stürzt ihn in eine tiefe Krise. Er weigert sich, das eigene Haus zu betreten und zieht daher mit Saara auf den Gutshof seiner Schwester. Diese hat vor einigen Jahren im Lotto den Hauptgewinn gezogen und das Haus gekauft und hergerichtet. Nun lebt sie dort mit einer Schafherde und arbeitet als Künstlerin. Doch als sie feststellt, dass sie ein weiteres Mal eine große Summe im Lotto gewonnen hat, wirft sie das vollkommen aus der Bahn und in einen tiefen Schlaf. Das eigentlich schöne Ereignis verstört sie zutiefst.

Dieser Roman gefällt mir persönlich wesentlich besser als der Vorgänger. In nahezu poetischer Art und Weise erzählt Selja Ahava eine Geschichte, die fast wie ein Märchen anmutet. Den Protagonisten widerfahren die unglaublichsten Dinge, das Schicksal hält viele Überraschungen für sie bereit. Doch immer wieder schaffen sie es, dem Ganzen auch etwas Gutes abzutrotzen. Und vor allen Dingen lassen sie sich nicht unterkriegen, sondern leben ihr Leben weiter. Dabei ist es kein leichtes Buch, das man einfach mal nebenbei liest. An vielen Stellen wirkt der Text verstörend, gerade auch durch das, was nicht oder nicht sofort beschrieben wird. Aber auch die vielen kleinen Geschichten über unglaubliche Zufälle und Zwischenfälle sind nicht gerade einfach wegzustecken. Ich musste so manches Mal schlucken. Doch irgendwie finde ich auch, dass genau das einer finnischen Autorin gerecht wird. Es fängt die Melancholie und die Düsternis, die ich immer mit ihrem Heimatland verbinde, gut ein.

Fazit

Selja Ahava zeigt, wie schnell der Zufall unser Leben in eine ungeahnte Richtung lenken kann. Wir können noch so sehr glauben, unser Leben im Griff zu haben und auf alles vorbereitet zu sein – im Falle eines (Zu-)Falles erwischt es uns doch eiskalt. Düster und schön – ein Buch, das einen auch über die letzte Seite hinaus begleitet.

Eure Maike


Selja Ahava – Dinge, die vom Himmel fallen
Verlag: Mare
208 Seiten, gebunden, 20 €

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2 Kommentare

  • Antworten Buchstabenträumerin 3. März 2017 um 21:04

    Liebe Maike,
    ich sollte ganz dringend mehr finnische Autoren lesen – mir scheint, sie haben ein Händchen für ungewöhnliche Themen und mitreißende, fordernde Geschichten. Auf dieses Buch hast du mich zumindest sehr neugierig gemacht :)
    Liebe Grüße,
    Anna

  • Antworten Hauke 4. März 2017 um 11:57

    Moin!
    Ein wunderbares Buch über die Dinge, die uns jederzeit zustoßen können… für mich auch ein Leseschatz ;-)

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