Margriet De Moor – Schlaflose Nächte

Wenn ich an die vergangenen Wochen denke, dann denke ich an schlaflose Nächte. Seit kurzem im doppelten Sinn. Zum einen habe ich selten so schlecht geschlafen und so viele Nächte auf der Suche nach Schlaf und Ruhe verbracht. Zum anderen habe ich in der Protagonistin von Margriet De Moors neustem Roman eine Leidensgenossin gefunden, die mich sehr faszinierte.
Die niederländische Autorin schreibt bereits seit den neunziger Jahren recht erfolgreiche Romane. Bisher ist sie mir aber noch nicht bewusst begegnet. Der Klappentext wirbt mit De Moors „unverkennbaren Ton“, den ich mangels Erfahrung mit dieser Autorin entsprechend nicht bestätigen kann. Doch ich ahne, was damit gemeint ist. Denn selten war mir die Sprache und der ganz bestimmte Sound einer Geschichte nach wenigen Sätzen so klar und vertraut, wie bei diesem knapp 120-seitigen Buch.

Margriet De Moor gelingt es mit wenigen Sätzen solch eine Intensität und Spannung aufzubauen, dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag.

Eine namenlose Frau erzählt von ihren nächtlichen Streifzügen durch ihr Haus. Sie plagt die Schlaflosigkeit seit vielen Jahren, sodass sie mit Routine und Gelassenheit durch die Zimmer läuft. Ihr Ziel ist recht schnell klar: die Küche. Hier wird sie in den folgenden Stunden einige Kuchen backen, ebenfalls routiniert und mit dem Geschick vieler Jahre. Oben – so erfahren wir, liegt ein Mann, den sie am heutigen Tag kennengelernt hat. Wir erfahren auch, dass sie die Schlaflosigkeit normalerweise mit dem Besuch von Männern und den damit verbundenen nächtlichen Aktivitäten erfolgreich bekämpfen kann. In dieser Nacht ist das anders. Und so schweifen ihre Gedanken zu den Ursprüngen ihrer endlosen wachen Nächte: ihre kurze Ehe, die ein abruptes Ende durch den Selbstmord ihres Mannes fand. Die Gedanken kreisen um die erste Zeit danach, als sie nicht wie erwartet das kleine Dorf ihres Mannes wieder verließ. Die unbeantworteten Fragen des Selbstmordes, der Bedeutung und dem Glück ihrer Ehe stellt sie sich ebenfalls, während sie einen Teig nach dem nächsten knetet und hofft, den schlafenden Beinahe-Fremden nicht zu wecken.
Unmittelbar und intensiv erlebt man diese Nacht mit der Frau, erfährt ihre Geschichte, ihre Wünsche und Ängste. So unmittelbar ist die kleine Novelle, dass man sie am Ende beseelt und ergriffen zuklappt und fast ein wenig enttäuscht ist. Enttäuscht, dass man nicht einmal den Namen der Frau erfährt, die einem für einige Stunden so nah war.

Fazit


Schlaflose Nächte ist eine exzellente Novelle über die Ehe, die Einsamkeit und die Suche nach dem, was einem antreibt. Frei von Kitsch und Tränen zeigt Margriet De Moor, dass man in einer schlaflosen Nacht ein ganzes Leben abbilden kann.

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefüllt

Eure Mareike

Übrigens findet ihr eine weitere Meinung zu dem Buch bei der bezaubernden Cora von Oh, Fitzgerald (Allein wegen des Blognamens bin ich ein wenig verliebt).


Margriet De Moor – Schlaflose Nächte
Verlag: Hanser
Gebunden, 124 Seiten, 16,00€

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2 Kommentare

  • Antworten Silvia 1. Dezember 2016 um 06:15

    Hallo Mareike,
    Diese Novelle fand ich auch sehr schön. Ein wenig könnte ich mich auch wiederfinden, schlafe ich doch auch oft schlecht. Dieses Buch eignet sich hervorragend für eine Nacht, in der man um 2 Uhr aufwacht und nicht mehr einschlafen kann.
    Grüße
    Silvia

    • Antworten Mareike 4. Dezember 2016 um 21:20

      Liebe Silvia,

      da stimme ich dir vollkommen zu: Für genau solche Nächte ist dieses Buch gemacht.

      Liebe Grüße
      Mareike

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