Rufi Thorpe – Ein Sommer in Corona del Mar

Wie gut kann man einen Menschen eigentlich kennen? Und was passiert, wenn man feststellen muss, dass der eigentliche Mensch sich ganz anders entwickelt, als man es erwartet? Das sind die Fragen, die sich Mia in „Ein Sommer in Corona del Mar“ über ihre Freundin Lorrie Ann stellen muss.

Mia und Lorrie Ann leben im kalifornischen Corona del Mar und sind beste Freundinnen. Gemeinsam gehen sie durch dick und dünn und tun die Dinge, die Teenager eben so tun. Die beiden erleben harte Zeiten, denn ihr Leben ist stark durch die Arbeits- und Perspektivlosigkeit ihrer Eltern geprägt. Doch Mia bewundert ihre Freundin, in deren Leben alles ein wenig besser und perfekter läuft. Lorrie Ann ist für sie die Hübschere, sie ist schlau und beliebt, ihre Eltern sind nett, leben nicht in Scheidung und ihr älterer Bruder ist ein cooler Typ. Mia hingegen streitet ständig mit ihrem Vater, ihre Mutter trinkt und sie selbst ist schwanger von irgendeinem Typen und muss abtreiben.
Doch dann kommt Lorrie Anns Vater bei einem tragischen Unfall ums Leben. Ein Wendepunkt für beide Mädchen, denn von diesem Zeitpunkt bricht das perfekte Leben von Lorrie Ann vor Mias Augen zusammen. Immer mehr Unglücksfälle treffen sie. So wird sie schwanger und bringt einen behinderten Sohn zur Welt, ihr Mann stirbt bei einem Auslandseinsatz und so weiter. Mia versucht ihrer Freundin zu helfen, doch weiß nicht genau, was sie für sie tun kann. Indessen entwickelt sich ihr eigenes Leben in eine ganz andere Richtung. Sie absolviert ein erfolgreiches Studium in Yale, lernt ein paar Jahre später die Liebe ihres Lebens kennen und wird als Wissenschaftlerin erfolgreich. Immer wieder verliert sie den Kontakt zu ihrer Freundin, um dann beim nächsten Wiedersehen festzustellen, dass diese noch tiefer gefallen ist. Bei jedem dieser Treffen überlegt sie fieberhafter, wie sie ihrer Freundin eine Stütze sein kann und wie sich diese überhaupt in eine solche Situation hinein manövrieren konnte. Selten kann sie ihr einen Wunsch abschlagen, so auch, als Lorrie Ann eines Tages mit blutigen Füßen vor ihrer Tür steht.

Rufi Thorpe spielt mit dem Klischee des amerikanischen Traums, indem sie ein Gegenmodell aufbaut. Ihrer Figur Mia, die auch die Erzählerin ist, gelingt es, sich aus den ärmlichen Vorstadt-Verhältnissen ihrer Kindheit auszubrechen und sich gewissermaßen hochzuarbeiten. Lorrie Ann hingegen kann den Ansprüchen, die an sie gestellt werden, nicht gerecht werden. Das ist nicht mal direkt ihre Schuld, das Leben und der Zufall spielen einfach gegen sie. Der Autorin gelingt durch die Gegenüberstellung der beiden Leben zu zeigen, dass es kein Patentrezept für Erfolg oder Unfehlbarkeit gibt. Alle Menschen haben Schwächen, die irgendwann zum Vorschein kommen und alle müssen wir mit unseren schwachen Momenten zurechtkommen. Und so muss Mia mit der Zeit lernen, dass sie ihre Freundin nicht auf einen Thron heben oder in eine Rolle zwängen darf. Viel wichtiger ist es, sie als den Menschen anzuerkennen, der sie ist.

Fazit

Menschen haben Ecken und Kanten und auch wenn wir versuchen, diese zu ignorieren: Sie sind immer da. Doch nur wenn man diesen Umstand hinnimmt, kann man die wahre Person erkennen. Das gilt auch für Leser, die Figuren in einem Buch begleiten. Ein beeindruckender Entwicklungsroman mit beeindruckenden Figuren.

 

Eure Maike


Rufi Thorpe – Ein Sommer in Corona del Mar
Verlag: btb
352 Seiten, Taschenbuch, 9,99 €

Vorherige Beiträge Nächste Beiträge

Vielleicht gefällt dir auch

2 Kommentare

  • Antworten Buchstabenträumerin 13. April 2017 um 20:38

    Liebe Maike,
    eine spannende Betrachtung zweier verschiedener Lebenswege! Ein Konflikt zwischen Freundinnen, der mich sehr neugierig gemacht hat. Das Buch werde ich mir merken.
    Liebe Grüße,
    Anna

  • Antworten Die Vorleser 16. April 2017 um 15:10

    Liebe Marke,
    ein Buch mit starken Frauen, auch wenn sie sich gegenläufig entwickeln. Du hast mich ziemlich neugierig gemacht und ich werde es auf meine Wunschliste setzen.
    Liebe Grüße und schöne Ostertage wünschen die Vorleser

  • Kommentar verfassen

    %d Bloggern gefällt das: