Romain Puértolas: Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem IKEA Schrank feststeckte

[lightgrey_box]Ayarajmushee Dikku Pradash, charmanter Hochstapler in Turban und Seide sowie Träger eines Schnurrbarts beträchtlicher Größe, fliegt eines Tages aus Indien nach Paris. Er ist von Beruf Fakir und möchte sich bei Ikea ein brandneues Nagelbett zulegen: Modell „Likstupikstå“, schwedische Kiefer, 15 000 Nägel (rostfrei), Farbe: Puma-rot. Kaum am Flughafen Charles de Gaulle angekommen, handelt sich Ayarajmushee Ärger mit einem Taxifahrer ein, verliebt sich im Ikea-Bistro in die schöne Französin Marie, nistet sich über Nacht im Möbellager ein und versteckt sich in einem Ikea-Schrank. Prompt gerät er in diesem Schrank auf eine irrwitzige Reise, die ihn über England, Barcelona, Rom und Tripolis zurück nach Paris führt…[/lightgrey_box]

2014-05-29 13.56.12

Die Geschichte beginnt bereits skurril. Der Inder Ayarajmushee Dikku Pradash verlässt zum ersten Mal in seinem Leben sein Dorf, um bei IKEA in Paris ein Nagelbett zu kaufen, das gerade im Angebot ist. Er gibt sich als erfolgreicher Geschäftsmann aus und schafft es mit Taschenspielertricks und Falschgeld in den gewünschten IKEA. Um eine teure Nacht im Hotel zu sparen, beschließt er in einem der Schränke des schwedischen Kaufhauses zu nächtigen. Was danach passiert ist wohl eine der abgedrehtesten Road-Stories, die ich bisher gelesen habe.

Der Stil ist lustig und sehr locker erzählt. Man kann sich recht schnell in die Geschichte einhören und man bleibt durch die lockere und charmante Art von Ayarajmushee Dikku Pradash ganz gespannt, was mit ihm geschieht. Auf seiner Reise durch verschiedenste Länder trifft er auf noch unterschiedlichere Leute, er verändert deren Leben, aber vor allem beginnt er über sein eigenes nachzudenken. Er reift an den Begegnungen, findet für sich neue Werte und Ziele und ist nicht mehr der Selbe, als er schließlich den Schrank endgültig verlässt. Interessant und überraschend fand ich, dass das Thema Einwanderung und Flucht eine zentrale Rolle in den Gesprächen und Begegnungen spielte, das Buch also durchaus eine Substanz hat, die ich so nicht erwartet habe.

Matthias Koeberlin liest wirklich humorvoll und ausdrucksstark. Ich hätte ihm noch weiter zuhören können. Eine schöne Sprecherstimme, die für mich eindeutig eine Entdeckung ist! Er wertet für mich die manchmal etwas sehr unglaubwürdige und an manchen Stellen ins Alberne abdriftende Geschichte erheblich auf. Ich weiß nicht, ob ich das Buch tatsächlich komplett gelesen hätte, denn ich dachte mir mehr als einmal: „Ach komm! Das ist jetzt wirklich eine Spur zu viel!“, doch mit seiner geerdeten, leicht ironischen Stimme gelang es dem Sprecher wirklich das Buch wieder in die richtigen Bahnen zurückzuholen.

Fazit: Eine humorvolle Reise quer durch die Welt und in die Seele eines kleinen betrügerischen Fakirs. Wer sich gern auf absurde Abenteuer und temporeiche Verfolgungen einlässt, dem sei dieses Buch und besonders die Hörbuchfassung sehr ans Herz gelegt. Dank der ausgezeichneten Sprecherleistung gibt es ein Herz mehr als ich inhaltlich vergeben hätte:
kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leer

Romain Puértolas: Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem IKEA Schrank feststeckte
Verlag: Argon
5 Stunden, 33 Minuten (ungekürzt), 19,95€
Hörprobe

Eure Mareike
Rezensionsexemplar, vielen Dank!

Vorherige Beiträge Nächste Beiträge

Vielleicht gefällt dir auch

Keine Kommentare

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: