[Rezension] Rosemary McLoughlin – Die Frauen von Tyringham Park

„Ganz im Süden Irlands befindet sich das prächtige Anwesen von Lord und Lady Blackshaw. Tyringham Park ist ein Ort voller Prunk und Privilegien. Doch ein verhängnisvolles Ereignis im Jahr 1917 zerstört den Frieden des Hauses: Victoria, die jüngste Tochter der Familie, verschwindet spurlos. Wurde sie entführt? Oder gar ermordet? Nicht nur die Blackshaws sind tief getroffen, auch die Dienstboten trauern um das kleine Mädchen. Fortan liegt ein Schatten über Tyringham Park, der das Leben aller verändert, die Victoria gekannt haben. Nur mit der Wahrheit, die schließlich ans Licht kommt, hätte niemand gerechnet .“

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Das sage ich: Passend zum heutigen St. Patrick’s möchte ich euch heute ein Buch vorstellen, das zu großen Teilen in Irland spielt. Genauer gesagt in einem wunderschönen Herrenhaus in Südirland in der Zeit zwischen 1917 und 1943. Es geht um die Frauen einer englischen Adelsfamilie, die hier ihren Sommersitz hat. Interessanterweise spielen die Iren, der irische Bürgerkrieg (1919-1921) oder grundsätzlich die systematische Unterdrückung durch den englischen Adel keine Rolle in diesem Buch. Mehr als kurze Randbemerkungen über ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber der Dorfbewohner, finden sich kaum Hinweise auf die angespannte Lage, in der sich Tyringham Park in diesem Zeitraum politisch befunden haben mag. Insgesamt erscheint mir die historische Einbettung oberflächlich und eher ein fadenscheiniges Setting.

Aber beginnen wir doch lieber beim Inhalt: Im Zentrum der Geschichte stehen Charlotte, die älteste Tochter der Blackshaws, ihr brutales Kindermädchen Dixon und ihre gefühlskalte Mutter Edwina. Der Ausgangspunkt ist das rätselhafte Verschwinden von Charlottes jüngerer Schwester Victoria (2 Jahre, was mir als Mutter einer Zweijährigen das Herz zerrissen hat, achja…). Es wird vermutet, dass sie versehentlich in den Fluss auf dem Gelände von Tyringham Park gefallen sei, doch Mutter und Kindermädchen vermuten eine Entführung. In Rückblenden wird zunächst die Geschichte von Edwina und ihrer Gefühlskälte und Dixons harte Kindheit beschrieben. Diese ist in einem Waisenhaus aufgewachsen und wurde dort selbst misshandelt. Sie selbst hat in ihrer Zeit als Kindermädchen besonders Charlotte systematisch seelisch und körperlich gequält, was sich auch im späteren Handlungsverlauf in Charlottes Psyche immer wieder bemerkbar macht. Nach der Abreise von Dixon nach Australien, blüht das Mädchen zögerlich auf, doch es kommt wiederholt zu Rückschlägen, die immer wieder zu Zusammenbrüchen von der künstlerisch sehr talentierten jungen Frau führen.

Man folgt diesen drei Frauen durch die nächsten 25 Jahre, begleitet Charlotte auf dem schweren Weg zu einer normalen, selbstbewussten Frau und erfährt ganz langsam, was an dem verhängnisvollen Sommertag mit der kleinen Victoria wirklich passiert ist. Die Grundidee des rätselhaften Verschwindens fand ich durchgängig fesselnd. Mir war bis zum Schluss nicht klar, wohin die Kleine verschwunden war, ob sie noch lebte oder nicht. Doch leider fühlten sich die Figuren und Handlungsstränge drumherum irgendwie… künstlich und übertrieben an. Mehr als einmal hatte ich das Gefühl in einer übertriebenen Seifenoper zu stecken, die von eher eindimensionalen Charakteren mit Hang zur Überreaktion beherrscht wird. Eine Figur, die als „böse“ eingeführt wurde, blieb auch durchgängig „böse“, ohne dafür einen rationalen Grund zu haben – oder anders: Die eigene schlechte Kindheit ist in diesem Buch eine Universalmotivation.
Der Schluss war dann leider nur noch wirr und führte nicht alle Handlungsstränge zu Ende, ließ noch nebenbei einige Figuren sterben, weil das wohl die bequemere Lösung war und man schließlich zum Ende kommen wollte…. oder so ähnlich. Es fühlte sich zumindest nicht sauber an, wie da gearbeitet wurde. Die Autorin verliert sich zu häufig in Dramatik und Figurenklischès, die einem die spannende Haupthandlung etwas vermiest.

Fazit: Ein historischer Roman ohne wirkliche historische Einbindung mit viel Drama, einer düsteren Familientragödie und ein paar Frauen, die versuchen ihre Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Leider sind die Figuren zu eindimensional und hölzern, um wirklich fesseln zu können, obwohl die Handlung spannend ist und Überraschungen bereit hält.

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Eure Mareike

Rezensionsexemplar, vielen Dank!

Rosemary McLoughlin – Die Frauen von Tyringham Park 
Verlag: Bastei Lübbe
559 Seiten, Taschenbuch, 9,99€
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