[Rezension] Maria Ernestam – Die Liebesnachricht

„Drei Schwestern, eine schwedische Kleinstadt und ein geheimnisvoller Mann …

Mariana ist die älteste von drei Schwestern, die zusammen in einer schwedischen Kleinstadt leben. Der Vater, ein Schausteller, wurde vor Jahren tot auf seinem eigenen Karussell gefunden. Doch im Ort spricht niemand darüber. Bis der schöne und mysteriöse Amnon aus San Francisco auftaucht und plötzlich wieder Bewegung in die kleine Gemeinschaft kommt. Mariana wird zu Amnons Vertrauten, was einigen Leuten ganz und gar nicht zu gefallen scheint. Sie beginnt, das Geheimnis um ihre Familie aufzudecken, doch am Ende findet sie noch etwas viel Wichtigeres heraus: nämlich wie nah Liebe und Verzeihen beieinander liegen…“

2014-01-10 11.00.41Das sage ich: Mariana lebt mit ihren zwei Schwestern in einem wirklich kleinen Ort in Schweden. Alle drei sind kreative, selbstbewusste und etwas exzentrische Frauen, die Mitten im Leben stehen. Mariana steckt in einer schweren Ehekrise, ihr Mann ist mit der Teenager-Tochter vorübergehend in die USA gezogen, doch das Wort „Scheidung“ wagte noch keiner auszusprechen. Sie leitet den Spielzeug-/Marionetten-/Buchladen der Familie und bietet auch Lesungen und andere kulturelle Aktivitäten für Schulklassen an. Ihre mittlere Schwester ist Bäckerin und stellt sehr kunstvolle Scheidungstorten her, während die jüngste  als Malerin kunstvolle Särge herstellt. Als der jüdische Journalist Amnon auftaucht und Fragen über die Vergangenheit stellt, werden nicht nur bei den drei Frauen alte Wunden aufgerissen, es wird auch ein latenter Fremdenhass deutlich, der sich durch Generationen zieht. Spätestens als Mariana eine Tüte mit blutigen Augen erhält wird klar, dass auch der blutige Tod ihres Vaters und seine Zugehörigkeit zur fahrenden Schaustellerzunft etwas mit dem Auftauchen von Amnom zu tun hat. Das Buch lässt sich für mich nicht in gängige Genre einordnen. Es enthält durchaus Thriller- oder Krimielemente, die Rückblenden in die Zeit des zweiten Weltkriegs und die frauenromanhafte Selbstreflexion der Protagonistin über ihre Ehe und die Affäre mit einem deutschen Marionettenspieler. Für mich eine gelungene Mischung, die ich so nicht erwartet hätte. Cover: Eine mittelalte blonde Frau schaut etwas undefinierbar den Betrachter an, Wiesen und grün-gelber Hintergrund erzeugen eine helle, ländliche Atmosphäre. Das Cover knüpft in seiner Farbgestaltung an die anderen Bücher der Autorin an. Eine nette, wenn auch etwas verallgemeinernde Idee. Denn das Cover wird dadurch etwas nichtsagend, besonders in Kombination mit dem Titel.

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Titel: Ja, hier muss ich mal wieder über den deutschen Titel meckern. „Die Liebesnachricht“ ergibt für mich weder vor noch während geschweige denn nach der Lektüre einen Sinn. Der Titel ist weder treffend noch besonders reißerisch. Wird hier versucht das Buch in ein völlig falsches Genre zu pressen? Ich habe wirklich keine Idee, was sich der Übersetzer bei diesem Titel gedacht hat. Der Originaltitel lautet übrigens „Marionetten döttrar“ also „Die Marionettentöchter“ oder so. Da das Buch um die drei marionettenspielende Töchter eines ermordeten Marionettenspielers geht, doch irgendwie verdammt treffend oder? ALSO WARUM LIEBESNACHRICHT? Fazit: Die Geschichte über das Fremdsein, lebenslange Schuld und die Suche nach dem einem freien, selbstbestimmten Leben in einer kleinen Stadt in Schweden. Die teilweise sehr spannenden und dann wieder sehr ruhigen, kleinstädtischem Alltag entsprechendem Passagen machten für mich das Buch zu einer unerwarteten und realistischem Lektüre. Die Autorin beweist für mich ein wirklich sensibles Gespür für die menschliche Psyche. Auch wenn man sich manchmal etwas mehr Tempo wünscht, eine Leseempfehlung. kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leer Eure Mareike PR-Sample, vielen Dank

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3 Kommentare

  • Antworten Kristina 19. Januar 2014 um 14:28

    Hey, danke für Rezension. In das Buch werde ich auf jeden Fall mal reinlesen. Der Titel hätte mich nämlich abgeschreckt, wenn ich das Buch im Laden gesehen hätte. Der erinnert doch sehr an eine seichte romantische Komödie á la Sophie Kinsella und wie sie nicht alle heißen ;)

    • Antworten Mareike 19. Januar 2014 um 14:46

      Ja, der Titel… hm, wie gesagt, ein Reinfall. Bin froh, dass ich es gelesen habe. :)

  • Antworten Kristina 2. August 2014 um 22:59

    Du hast vollkommen Recht: Der Titel funktioniert überhaupt nicht und ich hätte das Buch im Laden vermutlich echt links liegen gelassen. Deine Rezension klang allerdings interessant und aufgrund des schönen Wetters, das zum draußen lesen anregt, brauchte ich 5 Tage für das Buch ;-) die Genre-Mischung hat mir übrigens auch sehr gut gefallen. Ich werde es auf jeden Fall weiterempfehlen. Danke noch mal für die Rezension :-)

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