[Rezension] Kirsten John – Schwimmen lernen in Blau

[lightgrey_box]Schon als Mädchen hat Katharina gelernt, dass Bilder Verstecke sind. Die Malerei wird zu ihrem Schutzschild gegen die Welt, der sie behütet, weil ihre Familie es nicht tut. Als sie während des Studiums den Künstler Henning Overland kennenlernt, ist dies der Beginn einer obsessiven Liebe. Schnell willigt sie ein, den wesentlich älteren Mann zu heiraten – doch Overland nimmt seiner Frau die Bilder, verkauft sie unter eigenem Namen, ergreift immer stärker Besitz von ihr. Nur eins kann Katharina befreien: die Macht der Farben.[/lightgrey_box]

KirstenJohnSchwimmenlerneninBlau

 

 

„Ertrinken kann man in Blau,
aber vergehen,
vergehen kann man nur in Weiß.“

 

Katharina ist eine junge, zerbrechlich wirkende Künstlerin, die ein Verhältnis mit ihrem Kunstmentor Henning beginnt. Sie zeigt außergewöhnliches Talent und ein besonderes Verständnis für Farben. In Rückblenden erzählt sie in der Ich-Perspektive aus ihrer schmerzhaften und einsamen Kindheit. Mit ihrer eigentümlichen und zugleich unheimlich authentischen Sprache zieht sie den Leser in ihre Welt und lässt ihn mit ihren Augen die traurigen Ereignisse ihres Lebens sehen. Durch die sehr intensive Sprache, voll von Bildern, Farben, eigenen Wortschöpfungen und einer teilweise verschroben wirkenden Grammatik wird sehr schnell klar, um was für ein besonderes junges Mädchen es sich bei ihr handelt. Der Weg in die Kunst scheint fast zwangsläufig, ihre Welt ein Meer aus Farben und jedes Bild eine kleine Flucht aus der Wirklichkeit, die immer weniger die ihre zu sein scheint.
Dieses kleine Büchlein – fast schon eine Novelle ist zugleich philosophisch und malerisch, traurig und schön. Man folgt der Ich-Erzählerin auf einer emotionalen Reise durch ihre Bilder und ihre Kindheit. Man sieht förmlich jeden Pinselstrich, spürt die Nuancen, als würde man sie selbst mischen und kann in den Buchstaben nach und nach die wunderschönen impressionistischen Bilder erkennen.

Fazit: Die Autorin scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, mit Worten zu malen und das hat sie tatsächlich geschafft. Die Bilder entstehen strahlend und lebendig vor dem inneren Auge und man spürt in jeder Zeile ihre Liebe für Kunst und Farben. Ein berührendes und außergewöhnliches Debüt, das einem mit der Faszination für Malerei ansteckt. Man möchte direkt selbst zum Pinsel greifen – oder in die nächste Galerie.

„Was ich malte, war aufgeschrieben für immer.“

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefüllt

Bevor ihr nun tatsächlich in der nächsten Gemäldegalerie verschwindet: Schaut euch auch unbedingt das andere Werk von Kirsten John „Der Duft der Seerosen“ an.

Kirsten John – Schwimmen lernen in Blau
Verlag: dotbooks
ebook, ca. 210 Seiten, 3,99€
Leseprobe

Eure Mareike

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1 Kommentar

  • Antworten Anna 30. Oktober 2014 um 15:48

    Vielen Dank für die tiefe Rezension, Mareike! Ich finde, dass es Dir sehr gut gelungen ist, den Sinn von Farben mit der Kunst von Schreiben zu verbinden. Man spürt nicht nur Malerei, Schreiben, aber auch was von Kino (Trilogie über Farben) in Deiner Rezension und kommen die Gedanken, welche Farbe mit welcher Tätighkeit im Leben verbinden ist (grün mit spazieren?). Ich möchte dieses Buch auf jeden Fall mal lesen

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