[Rezension] Kirsten John – Der Duft der Seerosen

[lightgrey_box]„Endlich erscheint ein anderer Mann, der sie erneut nach dem Codewort fragt.Waterlily. Hanna wiederholt es auf Deutsch, mehr für sich: Seerose.“

Berlin in den 30er Jahren. Hanna wünscht sich nichts anderes, als ein normales Leben zu führen: mit den Freundinnen ins Café gehen, ihren Freund Moritz ins Museum begleiten, von einer glücklichen Zukunft träumen. Doch dann tauchen sie überall in den Schaufenstern auf – die Schilder, auf denen „Juden unerwünscht“ steht. Bald gibt es keine Freundinnen an Hannas Seite mehr, und ihre unschuldigen Gefühle für Moritz können ihn in große Gefahr bringen. Doch was kann man tun, wenn das Unfassbare Tag für Tag näher rückt? Hanna fasst einen mutigen Entschluss…[/lightgrey_box]

262392_0
Die Geschichte wird in zwei parallel laufenden Zeitebenen erzählt. Zum Einen lernt man Hanna in ihrer Heimat kennen. Man begleitet sie zur Schule, lernt ihre Großmutter kennen und man erfährt, wie Hanna und Moritz sich kennen lernen und annähern. Eine harmlose erste zarte Liebe entwickelt sich und man würde zu gern hoffen, dass sie glücklich ausgeht. Doch der zweite Handlungsstrang spielt einige Zeit in der Zukunft und Hanna begleitet dort einen anderen Mann auf ein Schiff. Sie wird eine „Seerose“, eine Begleitung für einen niederländischen Matrosen, in der Hoffnung, in Amerika irgendwie die Einreiseregularien umgehen zu können. Doch erst nach und nach wird Hanna klar, auf was sie sich eingelassen hat.
Ich war positiv überrascht von dieser Geschichte! Es ist keine typische Leidensgeschichte und noch weniger eine ausführliche Darstellung des Zweiten Weltkriegs. Die immer angespanntere Stimmung in Berlin und später in Amsterdam werden intensiv, aber ohne Pathos beschrieben. Dass es die „Seerosen“ vielleicht wirklich so gegeben hat, finde ich faszinierend und war wirklich völlig neu für mich.
Besonders schön fand ich jedoch die ständige Verknüpfung zur Malerei und Kunst. Hanna ist fasziniert von Bildern, die Furcht in ihr auslösen und zugleich bedeutet Kunst für sie die letzte Erinnerung an Moritz. Mit ihm ist sie fast täglich in Museen gegangen. Auch der Schreibstil ist unheimlich gut und hat mich echt gefesselt. Die Autorin sollte man im Blick behalten!

Fazit: Ein überraschend intensives Buch über eine junge Jüdin, die ihren eigenen Weg aus dem nationalsozialistischem Deutschland finden muss. Die Geschichten der Seerosen/Waterlilies beleuchtet einen spannenden Aspekt dieser Zeit, den ich noch nicht kannte und richtig faszinierend fand. Sehr lesenswert!
kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefüllt

John, Kirsten – Der Duft der Seerosen
Verlag: dotBooks
Seiten: ca. 257, Ebook ca. 5,99€
Leseprobe

Eure Mareike

Vorherige Beiträge Nächste Beiträge

Vielleicht gefällt dir auch

3 Kommentare

  • Antworten Kirsten John - Schwimmen lernen in Blau | Herzpotenzial 14. März 2015 um 14:35

    […] nächsten Gemäldegalerie verschwindet: Schaut euch auch unbedingt das andere Werk von Kirsten John “Der Duft der Seerosen” […]

  • Antworten Elisabeth Nikolitsch 8. Oktober 2015 um 11:40

    Ich habe nichts erwartet, als ich das Buch „Der Duft der Seerosen“ in einer „Grabbelkiste“ auswählte, nur das hübsche Cover nahm mich ein. Und dann dieser erschütternde Inhalt! So ist mir das bis zum heutigen Tag nicht klar gewesen. Welch eine Unbarmherzigkeit den ihrer „Rasse“ wegen Verfolgten gegenüber! Am schlimmsten ist für mich die Erkenntnis, daß das Klassische Einwanderungsland USA sich derartig UNMENSCHLICH gegenüber den Verfolgten zeigte. Man nahm nur diejenigen auf, durch die keine Belastungen zu erwarten waren, für die ein US-Bürger die (finanzielle) Verantwortung übernahm. Verfolgung, Diskriminierung, Beraubung in NS-Deutschland und den von Nazi-Truppen eroberten Gebieten – Na und ? Und soooo viel anders verhalten sich die meisten Staaten der „Westlichen Wertegemeinschaft“ angesichts der momentanen Flüchtlingskatastrophe auch nicht. Das zeigt sich schon in der Bezeichung „Flüchtlingskrise“, damit ist wohl eher eine Krise für die EU und USA gemeint, nicht die der Menschen, die um Leib und Leben fürchten und darum die Heimat mit unsicherem Ziel verließen. Und wenn jemand wirklich und wirkungsvoll helfen will, dann bekommt ihm das gar nicht gut. Bestes Beispiel hierfür ist Angela Merkel. Möge sie dem Druck standhalten!

    • Antworten Mareike 8. Oktober 2015 um 17:01

      Liebe Elisabeth,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Das stimmt: Das süßlich harmonische Cover mag nicht so recht zum Inhalt passen. Umso intensiver war das Leseerlebnis. Du hast vollkommen recht, dass dieses Thema aktueller denn je ist und ich hoffe inständig, dass unsere Gesellschaft besser damit umgehen kann, als es damals der Fall war.
      Liebe Grüße
      Mareike

    Kommentar verfassen

    %d Bloggern gefällt das: