[Rezension] Jess Walter – Schöne Ruinen

Dieses Buch führt mir persönlich mal wieder vor Augen, dass man, wenn es um Buchempfehlungen geht, auch mal nach rechts und links schauen muss. Kein Buchblogger hat es mir empfohlen, es ist mir auch nicht in einer Buchhandlung aufgefallen oder über ein Verlagsprogramm. Ich habe es im Video einer Beauty-Bloggerin auf Youtube entdeckt…und mich hoffnungslos in das Cover verliebt! Ich weiß auch nicht, woran das liegt, aber ich verknüpfe schöne Cover immer mit schönem Inhalt (worauf der deutsche Buchmarkt leider noch viel zu wenig achtet). Und auch der Titel hat mich neugierig gemacht. Schöne Ruinen, das klang für mich verheißungsvoll, ohne dass ich mir besonders viel darunter vorstellen konnte.
Zum Glück hat die deutsche Ausgabe das Cover des Originals übernommen, dennoch habe ich mich für die englische EBook-Version entschieden, der Preis war einfach zu verlockend.

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Die Handlung beginnt 1962 mit der Ankunft von Dee Moray. Sie checkt in der winzigen Pension ein, die Pasquale von seinem Vater geerbt hat. Der ist nicht nur überglücklich über den ausländischen Gast, zudem schon Schauspielerin und im Cast von „Cleopatra“, sondern  verliebt sich auch Hals über Kopf in sie. Dabei ahnt er nicht einmal ansatzweise, in welche Verwicklungen ihn die Bekanntschaft mit der Amerikanerin ziehen wird. Selbst 50 Jahre später lassen ihn die Geschehnisse nicht los. Er macht sich auf den Weg nach Amerika, um Dee zu suchen und zu erfahren, was aus ihr geworden ist.

Schön, ich gebe zu, wenn man das so liest, klingt es sehr nach kitschiger Liebesgeschichte. Aber ich versichere euch, das ist es ganz und gar nicht! Ganz im Gegenteil, es ist eine wundervoll leichte und vor allen Dingen, wahnsinnig komische Geschichte. Denn neben den beiden Hauptfiguren Dee und Pasquale kommen auch viele Nebenfiguren vor, deren eigene Geschichte Walter geradezu nebenbei erzählt und wahnsinnig klug mit der Haupterzählung verknüpft. Da ist zum Beispiel der Filmproduzent Michael Deane, den Pasquale bereits 1962 kennen gelernt hat und der ihm nun helfen soll, Dee Moray wieder zu finden. Oder auch Alvis Bender, ein Schriftsteller mit Schreibblockade, der seit Jahren regelmäßiger Gast in Pasquales Pension ist. Gleich ist jedoch allen, dass sie mit Film, Theater, Musik oder Literatur zu tun haben. Der Autor zeichnet ganz nebenbei ein Bild der Medienlandschaft mit all ihren Höhen und Tiefen.
Bei all den kleinen Erzählungen bleibt der rote Faden immer erhalten, denn die enthüllen einfach nach und nach immer mehr Details des Geschehens vor 50 Jahren. Walter gelingt es dabei, nicht auf ein eindeutiges Ende hinzusteuern. Beim Lesen hatte ich nie das Gefühl, dass jetzt ein Happy End kommt. Auch dadurch wirkt das Buch nicht wie eine klassisch „vorhersehbare“ Liebesgeschichte. Und was mir außerdem positiv auffiel: Die Figuren lassen sich nicht von Anfang an als „gut“ oder „böse“ einordnen. Jeder ist von persönlichen Motiven und Gefühlen getrieben und jeder hat die Chance, sein Handeln zu erklären. Dadurch bleibt es dem Leser überlassen, seine Sympathien zu verteilen und gegebenenfalls auch mal umzuverteilen…das war bei mir bis zum Ende notwendig :-)

„Schöne Ruinen“ lege ich allen ans Herz, denen mal wieder der Sinn nach einer klugen und durchdachten Liebesgeschichte, abseits von Schmalz und Kitsch und Tränen steht. Denn es geht vielmehr auch um die Entscheidungen der einzelnen Akteure und deren Auswirkungen – nicht nur auf das eigene Leben, sondern auch auf das von Anderen. Walter regt mit seiner Erzählung zum Nachdenken an. Wenn am Ende die zu Beginn noch zusammenhangslos wirkenden einzelnen Erzählfäden zusammengeführt werden und man auf das große Ganze blicken kann, ergibt alles, was man davor gelesen hat, einen Sinn…und ja, am Ende versteht man auch die tiefere Bedeutung des Titels.
Ich vergebe voller Überzeugung fünf Herzen!!

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Eure Maike

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