[Rezension]: J.Courtney Sullivan – Die Verlobungen

„Wieso verlässt Teddy seine Frau und die beiden gemeinsamen Töchter – wegen einer Frau, die er an einer Hotelbar kennenlernt? James fragt sich, wieso Sheila ausgerechnet ihn, der doch nur ein Versager ist, geheiratet hat. Delphine verlässt ihren Mann und ihr Leben in Paris, um ihrem Geliebten nach New York zu folgen, und wird es bitterlich bereuen. Kate lehnt die Ehe ab, doch nun wollen ihre besten Freunde heiraten, und zwar so richtig prunkvoll: Jeff und Toby.“

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Das sage ich:

Das Buch beginnt mit einer Geburt. Nämlich der Geburt einer Idee und eines Slogans, der die Wahrnehmung von Generationen von Amerikanern prägen sollte: Diamonds are forever! Frances ist 1947 eine der ersten Frauen, die in einer Werbeagentur arbeitet – unverheiratet und unabhängig. Und ausgerechnet sie bestimmt maßgeblich das Bild des Verlobungsrings mit. Ihr Kunde ist der Diamantenhändler DeBeers, für den sie an Kampagnen arbeitet, die das Bedürfnis nach großen Diamantringen zur Verlobung generieren soll. Sie ebnet den Weg für Diamanten als Symbol für Liebe, Ehe und gesellschaftlichen Status wie wir es heute kennen.
Diese Entwicklung einer jahrzehntelangen Werbestrategie zieht sich als roter Faden durch das Buch. Dazwischen werden Lebens- und Ehegeschichten eingeflochten, die die steigende (emotional aufgeladene) Bedeutung des Verlobungs- oder Eherings unterstreichen. Insgesamt wechselt die Handlung zwischen fünf Protagonisten, die auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben. Sie haben extrem unterschiedliche Lebenssituationen und finanzielle Möglichkeiten. Der Leser begleitet sie über sehr verschiedene Zeiträume: Von einem Tag (die Hochzeitsvorbereitungen für das homosexuelle Paar) bis zu einem ganzen Leben (Frances Werdegang bei der Werbeagentur). Von der politisch engagierten Ehe- und Diamantenhasserin über die Ehebrecherin bis zur vehementen Verteidigerin der Ehe als höchste Instanz wird das gesamte Spektrum der Instanz Ehe beleuchtet.

Zudem wird nicht nur zwischen den Figuren, sondern auch in deren Beziehungsgeschichten sehr intensiv gesprungen. So erfährt man zunächst wie die betrogene Delphine die Wohnung ihres Verlobten zerstört und erst 300 Seiten später wie sie ihn kennen lernt und ihren Ehemann für ihn verlässt. Am Ende gibt es zwar eine grobe Verbindung zwischen den Figuren und dessen Symbolgehalt ist nicht zu verachten, doch irgendwas fehlt mir. Irgendwas Pfiffiges, ein kleiner Wow-Effekt gegen Ende. Der Roman plätschert etwas dahin trotz all der Tragik und all der Gefühle.

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FazitDie Handlung besteht aus den verschiedenen Facetten eines großen Diamanten, jede leuchtet unterschiedlich, jede beleuchtet einen anderen Aspekt, doch alles sind sie Teil des Ganzen. Sie alle erzählen von der menschlichen Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung, von Einsamkeit und Grenzen, von jungen Hoffnungen und Altersweitsicht.Ein Roman, der fast 80 Jahre Liebe und Ehe in interessanten Geschichten ineinander verwebt. Vielleicht etwas umspektakulär, doch sehr menschlich, sodass die Figuren viel Identifikationspotenzial haben. Da ich einige Passagen dank der unsystematischen Zeitsprünge etwas mühsam fand, gibt es jedoch Abzug.

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Eure Mareike

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