[Rezension] Emylia Hall – Mein Sommer am See

[lightgrey_box]Eines Tages bekommt Beth ein Paket. Darin ein Album mit Fotos, Notizen und anderen Erinnerungsstücken, die Beth noch nie zuvor gesehen hat. »Das Buch unserer Sommer«, in dem ihre Mutter Marika die Erinnerung an jene Sommerferien festgehalten hat, die Beth in ihrer Jugend bei ihr in Ungarn verbrachte. Eine Zeit, in der Beth hin und her gerissen war zwischen ihrem zurückhaltenden Vater, mit dem sie im englischen Devon lebte, und der temperamentvollen Mutter, die die Sehnsucht nach der Heimat von ihrer Familie fortgetrieben hatte. Eine Zeit, in der Beth sich nichts sehnlicher wünschte, als endlich ihren Platz im Leben zu finden. Eine Zeit, die mit einer schockierenden Enthüllung endete, als Beth gerade 16 war. Seit damals hat Beth jeden Gedanken an diese Zeit weit von sich geschoben. Doch das Album bringt all ihre Erinnerungen wieder zurück – an die erste Liebe, an flirrend heiße Sommertage und kühle Waldseen. Und an den Tag, an dem alles zerbrach …[/lightgrey_box]

2014-06-30 17.27.05
Eins Vorweg: Da ich in den letzten Monaten immer wieder massive Enttäuschungen durch die Klappentexte erlebt habe, habe ich ihn in diesem Fall nicht gelesen. Das war vielleicht ein Fehler, dann wäre mir schon 50 Seiten eher klar gewesen, dass Marika keine ungarische Jugendfreundin von Beth ist, sondern ihre Mutter ist, die die damals neunjährige Beth und ihren Vater in England verlassen hat.
Nach dieser Trennung verbringt sie jeweils 1-2 Wochen der Sommerferien in Ungarn bei ihrer Mutter und deren neuem Lebensgefährten. Genau 7 Sommer lang geht das gut – danach herrscht Funkstille bis zum Tod von Marika. Ihr Lebensgefährte schickt Beth daraufhin ein Fotoalbum, gefüllt mit Bildern aus diesen 7 Sommern und das löst bei Beth Erinnerungen und Gefühle aus, von denen sie selbst nichts mehr wusste. Die Geschichte bekommt man aus der Ich-Perspektive erzählt, ist deshalb stark an die Gedanken und Empfindungen der Protagonistin gebunden – was sich bei dem Handlungsaufbau natürlich anbietet, jedoch auch für Verwirrung sorgt.

Wie eingangs erwähnt, fiel mir der Einstieg schwer, weil ich verwirrt war über die Beziehung von Beth und Marika. Im Buch wird erst nach ca. 50 Seiten explizit erwähnt, dass Marika ihre Mutter ist – so distanziert beschreibt Beth sie zunächst. Auch sind die ersten 100 Seiten etwas langatmig und es dauert, bis man wirklich in die Vergangenheit und die schönen, aber auch bitteren Erinnerungen eintaucht. Der Aufbau ist danach sehr schön und spielerisch gestaltet, denn man blättert quasi mit Beth durch das Album, sie beschreibt einzelne Fotos und dann folgt nicht nur die Geschichte des Fotos, sondern auch die des jeweiligen Sommers. Dabei geht das Buch chronologisch vor und kann regelrecht dabei zuschauen, wie sich Beth von einem 10 jährigen Kind zu einem Teenager entwickelt.
Da ich nur etwas jünger als die Protagonistin bin, war es für mich besonders spannend Beth in die 90er Jahre zu folgen. Über Ungarn selbst erfährt man relativ wenig, denn Beth und ihre Mutter verlassen kaum die abgelegene Villa auf dem Land – sie bildet das Zentrum ihrer Sommerurlaube. Einblicke in die spannende Kultur und Lebensweise der Ungarn bekommt man nur über das beschriebene Essen – und die angehängten Rezepte (übrigens eine nette Idee – irgendwie Trend dieses Jahr, oder?) und einige ungarische Phrasen mit.
Die Erzählung ist atmosphärisch wirklich schön und der Sprachstil der Autorin gefällt mir richtig gut. Da es ihr Debüt ist, verzeihe ich ihr die noch etwas unausgereiften und m.M.n. nicht ganz logisch agierenden Figuren. Ich denke, bei den Charakteren gäbe es sicher noch etwas Verbesserungsbedarf, aber insgesamt ist es ein schönes Sommerbuch.

2014-06-30 17.27.48
Fazit: Wer eine nette, wenn auch bittersüße Sommergeschichte über eine zerbrechende Mutter-Tochter-Bindung lesen möchte, sollte hier unbedingt mal reinlesen. Nach einem etwas holprigen Start ist es ein stimmungsvolles und schönes Buch über das Erwachsen werden und die Sehnsucht nach Heimat und Familie. Bewegend und leicht zugleich.
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Eine weitere – wirklich schöne – Rezension findet ihr bei Zeilenblicke.

Eure Mareike

Emylia Hall – Mein Sommer am See
Verlag: btb
416 Seiten, Taschenbuch, 9,99€
Leseprobe

Rezensionsexemplar vom btb Verlag und Lovelybooks, vielen Dank!

 

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