[Rezension] Elizabeth Gaskell – Frauen und Töchter

[lightgrey_box]In England beliebt und kanonisiert, hierzulande noch ein Geheimtipp: die Autorin Elizabeth Gaskell.
Gesellschaftliche Erwartungen und Verpflichtungen, Klassenunterschiede und Standesdünkel: Elizabeth Gaskell beschreibt das englische Landleben mit einem ausgeprägten Sinn für die kleinen Dramen des Alltags. Das Lieben, Verloben und Heiraten im Bannkreis sozialer Normen nimmt sie mit feiner Ironie in den Blick und steht der großen Jane Austen dabei in nichts nach. So zeichnet sie mit ›Frauen und Töchter‹ ein lebendiges Sittenbild des 19. Jahrhunderts, das als ihr bestes Werk gilt.[/lightgrey_box]

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Vater und Tochter leben zusammen in einem kleinen, verschlafenen Dörfchen unter ziemlich vielen alten Jungfern und Witwen. Dieses Dorf ist wirklich eine Fundgrube an eigensinnigen Figuren und einer brodelnden Gerüchteküche! Mr. Gibson ist der Arzt der Gegend und zieht allein seine Tochter Mary groß. Eines Tages wird beschlossen, dass es doch sinnvoll wäre, wenn der Witwer sich eine Frau und somit ein weibliches Vorbild für seine inzwischen 16-jährige Tochter nimmt. Da ihm diese Idee gefällt, wird recht spontan Verlobung mit einer eleganten Gouvernante/ Direktorin einer kleinen Mädchenschule gefeiert. Diese hat ebenfalls eine Tochter im Alter von Mary und gilt als atemberaubende Schönheit. Die folgende Hochzeit und das Eintreffen der neuen Schwester für Mary sorgt für einige Gerüchte, Spekulationen, heimliche Verlobungen, Missverständnisse und Skandale. Was für ein Buch! 850 eng bedruckte Seiten in klassisch ausladendem viktorianischem Stil! Ich bin selbst überrascht, wie leicht und schnell ich dieses Buch gelesen habe. Leider ist die Autorin verstorben bevor sie das Werk beenden konnte und ich war – weil die Verfilmung enorm eng an die Vorlage hält – sehr enttäuscht, dass es keinen richtigen Schluss gab. Da bevorzuge ich in diesem Fall doch tatsächlich die Verfilmung, die die Handlung zu einem charmanten, ungewöhnlichen und einfach tollen Schluss bringt!
Fazit: Ein großartiges Meisterwerk, dass sich zu Recht im angelsächsischem Raum in die Riege der ganz Großen einreiht. Der ironische Ton erinnert an vielen Stellen an Jane Austen, jedoch gehen die sozialen Beobachtungen tiefer, der Ton ist zugleich rationaler und bissiger und die Figuren bisweilen vielschichtiger. Wer gern nach Stolz und Vorurteil den nächsten Schritt gehen will, sollte eindeutig zu Gaskell greifen.
kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefüllt

Elisabeth Gaskell – Frauen und Töchter
Verlag: Fischer Klassik Taschenbuch,
850 Seiten, 10,99€
Leseprobe

Ich finde es unglaublich schade, dass die Werke von Elisabeth Gaskell viel zu wenig Beachtung im deutschsprachigen Raum erhalten. Kann das mal bitte jemand ändern?!

Eure Mareike

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1 Kommentar

  • Antworten Johanna 16. August 2014 um 07:25

    Ich möchte das Buch auch noch unbedingt lesen. Ich finde auch, dass sie mehr Beachtung braucht im deutschsprachigem Raum!
    Liebe Grüße,
    Johanna

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