[Rezension] Dagmara Dominczyk – Wir träumten jeden Sommer

Roggenbrot, brennendes Heu, frische Wäsche und Würstchen – so riecht Heimat für die New Yorkerin Anna Baran. Polen, das Land ihrer Kindheit. Damals hat sie mit der frühreifen, forschen Justyna und der nachdenklichen, sanften Kamila herrliche Nachmittage am See verbracht, Klamotten und Jungsgeschichten, Träume und Sehnsüchte bei einer Tüte Pommes geteilt, während aus dem Kassettenspieler »Forever Young« dröhnte. Die Welt war eine einzige große Verheißung. Doch jetzt, mit Anfang dreißig, sind ihre Träume geplatzt, Annas Leben und Liebe aus dem Ruder gelaufen, Kamilas Ehe mit ihrem Seelenfreund zerbrochen – und als dann Justynas Mann ermordet wird, ist den Freundinnen klar: Wir kommen da durch, durchs Leben – aber nur, wenn wir zusammenhalten. Dagmara Dominczyks Debüt ist ein lebenspraller Sommertag, durchzogen vom Duft nach frischem Gras, ein großes Leuchten auf einem kühlen See. Sie erzählt berührend von drei starken Frauen, die gemeinsam der Unbill des Lebens trotzen und die auch kein Ozean auseinanderzubringen vermag.

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Das sage ich:

Anna Baran ist eine junge Schauspielerin, die gerade ihre Beziehung zerbrechen sieht, sich immer mehr einigelt und sich dem eigenen Schmerz hingibt, als sie die Nachricht erreicht, dass der Mann ihrer Jugendfreundin Justyna brutal ermordet wurde. In Rückblenden erfährt der Leser nun von den wiederholten Sommeraufenthalten von Anna in Polen und ihren ungleichen Freundinnen Justyna und Kamilla. Sobald Anna in Polen ankommt, verändert sich die Erzählsprache, besonders in den Dialogen werden verstärkt polnische Worte und Kosenamen eingebaut. An sich verdichtet es die Stimmung, doch ich als Leserin, die kein Wort polnisch versteht und mir die Worte auch nicht von anderen Sprachen ableiten kann, fühle mich dadurch irgendwie außen vor. Ein seltsames Phänomen, weil mich die Handlung gleichzeitig förmlich hineinsaugte.
Tatsächlich schafft die Autorin, mit ihrer einfachen und doch intensiven Sprache, einem das Gefühl von Sommer und Jugend zu vermitteln. Man erinnert sich wieder an Sommer in Schwimmbädern, kleine Gefühlsdramen und 5-Minuten-Beziehungen. Doch am stärksten trifft einen das Gefühl der unendlichen Möglichkeiten. Man fühlt wieder die Tatkraft und das Selbstvertrauen in die eigene Zukunft. Umso härter treffen einen jedes Mal die Wechsel in die 2000er, wenn man sieht, dass diese Träume naiv und nicht zu Ende gedacht waren. Oder noch schlimmer: Mit einem Messer blutig zerstört wurden. Der ständige Kontrast von hoffnungsvoller Aufbruchsstimmung und den Trümmern dreier Leben ist hart. Doch umso stärker wird das Band der Freundschaft dieser drei sehr unterschiedlichen Frauen deutlich. Schlussendlich sind es nicht die Träume, die das zentrale Thema, sondern die Kraft aus gegenseitigem Verständnis und Zusammenhalt. Eine ungewöhnliche und manchmal nicht ganz einfache Freundschaft, die über Zeit und die Distanz von Kontinenten überdauert.

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Das Cover: Die Farben und der Filter sind hübsch und unterstreichen die sommerliche Stimmung des Buchs. Es befinden sich drei junge Mädchen auf dem Bild, was sich mit den drei Protagonistinnen deckt. Mir gefällt das Cover sehr gut. Es ist harmonisch und ästhetisch ohne zu aufdringlich zu sein.

Fazit: Ein wunderbares Buch über die Tücken des Erwachsenwerdens und Freundschaften, die über Kontinente und Jahrzehnte bestand haben. Der übermäßige Einsatz von polnischen Worten, Phrasen und Eigennamen lässt den Lesefluss etwas zäh werden. Deshalb gibt es etwas Abzug bei diesem sonst sehr schönen Buch.

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leer

Eure Mareike

Dagmara Dominczyk – Wir träumten jeden Sommer
Verlag: Insel
285 Seiten, gebunden, 19,95€
Zur Leseprobe geht es hier lang.

Rezensionsexemplar, vielen Dank!

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