[Rezension] Christoph Marzi – Die wundersame Geschichte der Faye Archer

„»Geschichten sind wie Melodien!« Mit diesen Worten verzaubert Alex Hobdon die junge Buchhändlerin Faye Archer vom ersten Augenblick an. Als er sein Skizzenbuch in ihrem Laden vergisst, tut Faye etwas völlig Untypisches: Sie schreibt Alex über Facebook an, und aus ein paar kurzen Chats entwickelt sich eine berührende Liebesgeschichte. Doch dann erfährt Faye, dass Alex ein Geheimnis verbirgt, das so unglaublich klingt, dass es eigentlich nur wahr sein kann, und Faye muss sich entscheiden, ob ihre Liebe zu Alex stark genug ist, dieses Geheimnis zu teilen …“

2013-10-03 13.04.00

Faye ist ein wirklich außergewöhnliches Mädchen, ihr Telefon steht in einem Koffer, natürlich ein altes Drehscheibentelefon. Sie liebt Punkt und beschreibt auch sich selbst als eine gepunktete Persönlichkeit. Tagsüber arbeitet sie in einem kleinen Buchladen, der eine sehr liebevolle Comicabteilung und einen skurrilen Eigentümer sein vorweisen kann. Ab und an tritt sie aber als Sängerin am Klavier auf, als Holly Go, in Musik und Auftreten eine Hommage an den Klassiker „Frühstück bei Tiffany“. Eines Tages betritt ein junger Mann die Buchhandlung und kauft ein Buch (möchtet ihr mal raten, welches? :D), lässt im Gespräch den Satz „Geschichten sind wie Melodien“ fallen und vergisst dabei sein Skizzenbuch. Faye ist neugierig auf diesen Mann, der so schöne Dinge sagt, die irgendeine Empfindung oder Erinnerung in ihr auslösen. Sie blättert das Notizbuch durch und entdeckt Skizzen, die direkt aus „Frühstück bei Tiffany“ zu stammen scheinen. Über Facebook nimmt sie Kontakt zu ihm auf und eine Art Briefwechsel entsteht, in dem sie nicht nur erfährt, dass er an einer Graphic Novel über das wunderschöne Buch von Truman Capote arbeitet (Übrigens unbedingt zu empfehlen!! Aber da ich es als eines meiner Lieblingsbücher demnächst vorstellen werden, sage ich jetzt nicht mehr dazu). Nein, sie fängt an ihr Herz an diesen Fremden, den sie nur über nächtliche Nachrichten kennt, zu verlieren.

Sehr viel mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, denn ab da wird es spannend und gar nicht so RomCom-mäßig, wie es zunächst den Anschein hat. Ich würde gerade zuuu gern spoilern und euch wenigstens verraten, inwiefern hier fantastische Elemente eine Rolle spielen, denn ich denke, dass Fantasy wirklich Geschmacksache ist. Das Buch bewegt sich aber so haarscharf an der Grenze  des Genres vorbei, dass ich lieber nichts Genaueres sage. Das nimmt sonst die Überraschung.
Also nur: Ja, Christoph Marzi ist ein bekannter deutscher Fantasyautor, der wirklich unglaublich gute Reihen und Bücher geschrieben hat, die nur so vor Vampiren, Werwölfen, Zauberern, Engeln und Göttern wimmeln. Wer so etwas hier erwartet, dürfte enttäuscht werden. Genauso aber derjenige, der eine gewöhnliche Liebesgeschichte erwartet. Dieses Buch ist anders, nämlich eine wundersame Geschichte, eine leichte und etwas mystische Melodie.

2013-10-03 13.02.06

 Cover: Ein wirklich zuckersüßes Cover. Der skizzenhafte Zeichenstil und die Papieroptik des Hintergrundes erinnern mich ja stark an „Juno“ und gefällt mir sehr gut. Es ist überraschend „mädchenhaft“ und hat gar keine Ähnlichkeit zu den sonst eher düsteren Fantasy-Covern von Christoph Marzi. Da aber auch inhaltlich nur wenig an die düsteren Werke erinnern, finde ich das eine richtige Überlegung hier nicht an Bekanntes von ihm anzuknüpfen.

Stil: Wer seinen Schreibstil kennt, weiß was ich meine: Es ist ein richtig typischer Marzi. Sehr auf Atmosphäre und erzählerische Dichte bedacht, gekonnt gesetzte Wiederholungen von leitmotivischen Sätzen und voll von Anspielungen auf (Pop- ) Kulturgrößen. Hier ist besonders auffällig, dass nahezu ein Soundtrack zum Buch mitgeliefert wird. Die Lieder, die erwähnt werden sind liebevoll ausgewählt und unterstreichen die Stimmung des Buches ausgezeichnet. Auf der letzten Seite stehen sie nochmal zusammengefasst. „Denn manche Geschichten sind wie Melodien.“

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Fazit: Herbstlicher geht es wohl kaum. Jede Zeile atmet die wundervolle Septemberstimmung, man sieht den bunten Blätterregen, spürt das mild-goldene Sonnenlicht auf den noch leicht gebräunten Wangen und schnuppert den erdigen Duft dieser Jahreszeit ein. Ja, dieses Buch IST eine Melodie, eine leise, magische und wundervolle. Aber für mich ist es nicht irgendeine zufällige, sondern die Melodie des Herbstes -des gutgelaunten, sonnigen, verzauberten Herbstnachmittags. Dieses Buch ist für jeden, der die Blätter fallen sieht und darin einen Tanz sieht, der das leicht fantastische mag und die Magie des Alltags schätzt. – Und natürlich für alle Fans von „Frühstück bei Tiffany“ ;)

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Rezensionsexemplar

Eure Mareike

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