[Rezension] Ben Aaronovitch – Die Flüsse von London-Serie

Noch eine Premiere in dieser Woche, wir haben einen Gastbeitrag. Unsere Gastautorin Kristina stellt euch heute die „Die Flüsse von London“-Serie von Ben Aaronovitch vor, die auch uns beiden sehr gut gefällt (wer uns auf Instagram folgt hat vielleicht gesehen, dass Maike schon den neuen Band in die Finger gekriegt hat). Viel Spaß!

[lightgrey_box]Peter Grant ist frischgebackener Police Constable, als man ihm einen unerwarteten Karrierevorschlag macht: Er soll Zauberlehrling werden, der erste in England seit fünfzig Jahren. Jetzt muss er sich mit einem Nest von Vampiren in Purley herumschlagen, einen Waffenstillstand zwischen Themsegott und Themsegöttin aushandeln, Leichen in Covent Garden ausgraben… Alles ziemlich anstrengend. Und der Papierkram![/lightgrey_box]

 

An dieser Stelle möchte ich auf eine Inhaltsangabe verzichten, da ich euch nicht nur den ersten Band „Die Flüsse von London“, sondern ebenfalls die beiden folgenden Romane von Ben Aaronovitch empfehlen möchte. Nur so viel: Die bisherigen Romane sind untereinander sehr stimmig. Es gibt zahlreiche Verknüpfungen, Handlungsfäden werden weiter gesponnen und die Hintergründe der Hauptcharaktere eingehender behandelt. Wer allerdings anhand des Klappentextes zu wissen meint, Ben Aaronovitchs „Die Flüsse von London“ sei nur ein weiteres Buch in der Masse moderner Urban-Fantasy-Lektüre – leider finden sich auf dem Buchmarkt zahlreiche Romane über Zauberer, Vampire und Komplizen, deren Autoren es definitiv an cleveren Ideen, Kunstgriffen und Feinheiten fehlt – der wird beim Lesen eines besseren belehrt.

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LeseeindruckAaronovitch versteht es nicht nur spannende Krimi-Geschichten zu entwickeln und die interessanten sowie durchaus vielschichtigen Figuren zu beleuchten. Es ist der trockene Humor, der mir besonders gefällt und mich dazu bewegt hat, auch die anderen beiden (bisher auf Deutsch erschienenen) Bände „Schwarzer Mond über Soho“ und „Ein Wispern unter Baker Street“ zu kaufen. Vom Autor wohl dosiert macht er definitiv die Raffinesse und den Reiz dieser Roman-Reihe um Peter Grant, dessen kauzigem Zauberlehrer Nightingale sowie der Polizei-Kollegin (und gewissermaßen Peters ‚Love Interest’) Lesley aus.

Zum einen ist es die Kombination aus Krimi und Phantastik gepaart mit dem typisch britischen Humor, die meiner Ansicht nach Aaronovitchs Romane zu einem ‚generationenübergreifenden’ Lesevergnügen macht. Das mag zwar unspezifisch klingen, allerdings begründet sich vermutlich darin der große Erfolg der Bücher. Kinder und Jugendliche haben sicherlich ihren Spaß an den Ermittlungen des Constables und den magischen Figuren. Als Erwachsener sollte man schon ein gewisses Faible für fantastische Geschichten und Figuren haben, um neben den humorvollen, oftmals sarkastischen Anspielungen auch die Geschichte schätzen zu können. Ich selbst hingegen lese keine Phantastik – es ist keinesfalls so, als hätte ich es nicht mit Harry Potter, Twilight & Co. probiert – und fühlte mich dennoch bestens unterhalten. Zum anderen mag dies der Tatsache geschuldet sein, dass die Romane unerwartet den großen London-Fan in mir angesprochen haben. Ein wenig erinnern Aaronovitchs Romane an hiesige und andere europäische Regionalkrimis, mit denen ich mich in meiner Bachelorarbeit auseinandergesetzt habe. Daher darf dieser Aspekt keineswegs als Abwertung verstanden werden. Im Gegenteil: Wenn beschrieben wird, wie Constable Grant die Stadt an der Themse durchstreift, um an dieser und jener (mir bekannten) U-Bahn Station geheimnisvolle Dinge aufzuklären, haben mich die Romane umso mehr begeistert. Wer weiß, vielleicht kann man bald schon eine ‚Aaronovitch-Literature-Tour’ durch London buchen? ;)
Doch zurück zum Roman. Der Autor zeichnet seine Hauptfigur als liebenswürdigen jungen Mann, gewitzt und zugleich sympathisch naiv. Die Geschichte gewinnt eindeutig durch die Erzählweise, denn die Ich-Perspektive Peters – er hat immer einen schrägen Spruch parat – bietet einen hohen Unterhaltungswert. An einigen Stellen musste ich schon sehr schmunzeln, etwa wenn Peter krampfhaft versucht den Reizen einer Tochter der Themsegöttin zu widerstehen. Oder er zum zigsten Mal den zuständigen Beamten der Londoner Polizei erklären muss, dass es seine Magie ist, welche reihenweise seine Handys in die Luft jagt.

Als negativ möchte ich lediglich die Wiederholung einiger Aspekte in Band Zwei und Drei beurteilen – beispielsweise erklärt Peter immer wieder die Wirkung von Zaubersprüchen, die bereits im vorangegangen Roman ausführlich besprochen wurde. Das hat mich persönlich einige Male im Lesefluss gestört. Daher hoffe ich, dass der Autor im bald erscheinenden vierten Band auf solche Wiederholungen verzichtet. Vermutlich soll es jenen Lesern den Einstieg erleichtern, die den vorherigen Band nicht kennen. Da meiner Auffassung nach allerdings die chronologische Reihenfolge erkennbar ist, empfehle ich auf jeden Fall die Aufeinanderfolge  zu beachten; auch wenn die Romane in sich immer einen neuen Fall widmen.

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Fazit: Ich schätze den Unterhaltungswert der Romane sehr, daher ist dies definitiv eine Empfehlung für jene, denen der Autor bisher unbekannt war. Das war er mir im Übrigen auch bis mich Mareike auf „Die Flüsse von London“ aufmerksam gemacht hat – ich meine mich zu erinnern, dass es 2012 Teil ihres Adventskalenders gewesen ist?!

Natürlich empfehle ich auch jenen die Romane, die den Fortsetzungsbänden noch skeptisch gegenüberstehen. Man sollte ihnen eine Chance geben! Denn auch „Schwarzer Mond über Soho“ und „Ein Wispern unter Baker Street“ verlieren weder an spannenden Krimihandlungen noch an Humor. Selbstverständlich liefert der Autor hier kein literarisches Meisterstück ab. Dennoch erfüllen die Bücher meine Erwartungen, die ich an diese Gattung stelle: Sie sind zwar kurzweilig, verstehen jedoch die Neugier des Lesers durch Witz und unerwartete Wendungen aufrecht zu erhalten. Zudem kommt es mir bisher sehr entgegen, dass das Element der Magie zwar präsent, jedoch vollkommen natürlich in die Geschichten integriert ist. Man möchte fast meinen, es sei das ‚Logischste’ auf der Welt, dass innerhalb der Londoner Polizei (natürlich diskret) eine eigene Einheit für unerklärliche Straftaten existiert.
Als begeisterte Leserin kann ich mir nur wünschen – ich hoffe, Mareike und Maike stimmen mir da zu –, dass in Aaronovitchs kommendem Roman „Der böse Ort“, die Umsetzung der Grundidee erneut gelingt.

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Eure Kristina

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2 Kommentare

  • Antworten Ben Aaronovitch - Fingerhut-Sommer - Herzpotenzial 28. September 2015 um 17:53

    […] August erschien endlich der fünfte Band der „Die Flüsse von London„-Reihe. Nach der jährlichen Regelmäßigkeit der ersten Bände erschien dieser mit etwas […]

  • Antworten Gastrezension: Die Flüsse von London | Ben Aaronovitch - Bücherquatsch 28. September 2016 um 09:05

    […] Ähnliche Bücher: Bartimäus-Reihe, Lockwood-Reihe Quatschtastische Rezension: Herzpotenzial […]

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