[Rezension] Ben Aaronovitch – Der böse Ort

Seit mir vor vier Jahren der erste Band der „Flüsse von London“-Reihe in die Hände gefallen ist, stehe ich jedes Jahr Ende April im Buchladen und hoffe, dass der neueste Band schon ausgeliefert wurde. Ich glaube, dass macht ziemlich deutlich, wie sehr ich diese Bücher liebe. Mit „Der böse Ort“ ist bereits der vierte Band erschienen.

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[lightgrey_box]Seltsame Dinge geschehen im Skygarden Tower, einem berüchtigten Sozialwohnblock in Südlondon. Dinge, die eine magische Anziehungskraft auf Police Constable und Zauberlehrling Peter Grant ausüben. Zunächst geht es nur um ein gestohlenes altes Buch über Magie, das aus der Weißen Bibliothek zu Weimar stammt. Doch dann weitet sich der Fall rasant aus. Denn der Erbauer des Tower, Erik Stromberg, ein brillanter, wenngleich leicht gestörter Architekt, hatte sich einst in seiner Zeit am Bauhaus offenbar nicht nur mit modernem Design, sondern auch mit Magie befasst. Was erklären könnte, warum der Skygarden Tower einen unablässigen Strom von begabten Künstlern, Politikern, Drogendealern, Serienmördern und Irren hervorgebracht hat. Und warum der unheimliche gesichtslose Magier, den Peter noch in schlechtester Erinnerung hat, ein so eingehendes Interesse daran an den Tag legt …[/lightgrey_box]

Polizist und Zauberlehrling Peter muss sich auch in diesem Band wieder mit einem Fall herumärgern, der einiges an Merkwürdigkeiten aufweist. So merkwürdig, dass selbst sein Vorgesetzter und Meister Nightingale nicht wirklich eine Erklärung für die seltsamen Geschehnisse hat. Der eigentliche Fall entwickelt sich erst nach und nach; Peter, Lesley und Nightingale werden mehr oder weniger zufällig auf die einzelnen (und irgendwie zusammenhängenden) Teile aufmerksam. Er erweist sich als derartig komplex und verworren, dass sie einiges an Detektivarbeit leisten müssen, um einer Lösung näher zu kommen. Als Leser muss man ganz schön aufmerksam sein, nichts zu verpassen oder zu vergessen, sonst verliert man leider sehr schnell den roten Faden.
Peter trifft auch in diesem Band wieder auf altbekannte Gestalten. Nicht nur Personifikationen diverser Themse-Zuflüsse, sondern auch einige zauberhafte Gestalten und Menschen, die man schon aus anderen Büchern kennt. Dabei ist mir erst mal aufgefallen, wie viele Figuren sich in den letzten drei Bänden angesammelt haben. Ich musste bei einigen schon etwas länger überlegen, woher Peter diese Figur jetzt kannte…
Die Sprache der Geschichte ist geprägt von Aaronovitchs Humor und seinem „Sarkasmus“. So bekommt auch in diesem Band die Bürokratie – scheinbar das Lieblingsthema des Autors – wieder gehörig ihr Fett weg. Alles ist sehr leicht und flüssig zu lesen. Der einmal angeschlagene Grundton zieht sich nicht nur durch „Der böse Ort“, sondern ist auch aus den anderen drei Büchern bekannt. Das finde ich sehr angenehm und wird von mir auch als Zeichen einer sehr guten Übersetzerin gedeutet.
Wie immer bin ich restlos begeistert von der Geschichte, wenn er meiner Meinung nach auch nicht ganz an die vorherigen Bände heranreicht. Auch hier gilt: Lasst euch nicht zu sehr vom Klappentext beeindrucken, das Buch hat viel mehr zu bieten. Was mich am meisten an Aaronovitchs Art, Geschichten zu erzählen, begeistert, ist die Tatsache, dass man zu keinem Zeitpunkt ganz sicher erahnen kann, worauf das Ganze am Ende hinausläuft. Die ganze Handlung ist derartig komplex aufgebaut, dass ich mich beim Lesen immer höllisch konzentrieren muss… Ich überspringe nämlich gerne mal ein paar Zeilen und das geht hier gar nicht! Für diesen Band habe ich sogar noch mal kurz die alten Bände durchgeblättert, um nicht durcheinander zu kommen. Aber hey, Aaronovitch schreibt auch für Doctor Who, ich wusste also, worauf ich mich einlasse. Und auch allen Anderen lege ich die Bücher sehr ans Herz. Fantasy, Detektivarbeit und London: Glaubt mir, es ist einfach klasse!

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Ben Aanonovitch – Der böse Ort
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
400 Seiten, Taschenbuch, 9,99€

Aber fangt mit dem ersten Band an :-)

Eure Maike

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2 Kommentare

  • Antworten Ulrike Sokul 27. Mai 2015 um 22:41

    Liebe Maike,
    der fünfte Band (FINGERHUT-SOMMER) erscheint im September 2015, und auch ich erwarte ihn mit Spannung und Lesevorfreude.

    Die Ergänzung der alltäglichen Wirklichkeit durch eine magische Wirklichkeit macht den faszinierenden Reiz dieser Krimi-Serie aus. So wie die menschlichen Ermittler magische Züge tragen, so tragen die unterschiedlichen magischen Charaktere menschliche Züge, und das läßt die übernatürlichen Wesen irgendwie fast normal erscheinen. Doch auch wenn Oberon hier Calvin-Klein-Boxershorts trägt, sollte man ihn keinesfalls unterschätzen.

    Falls Du magst, kannst Du meinen bisherigen vier PETER-GRANT-Besprechungen einen Lesebesuch abstatten.

    Magische Grüße
    Ulrike von Leselebenszeichen

    • Antworten Maike 7. Juni 2015 um 16:44

      Hey, mittlerweile gibt es sogar schon einen vorgezogenen Erscheinungstermin im August!! Ich kann es kaum erwarten und freue mich schon wahnsinnig. Schön, dass du auch so begeistert von den Büchern bist. Liebe Grüße, Maike

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