[Rezension] Arturo Peréz-Reverte: Dreimal im Leben

Inhalt: „Auf einem Ozeandampfer begegnen sie sich das erste Mal. Es ist das Jahr 1928, Max – jung und von wildem Charme – arbeitet als Eintänzer in der ersten Klasse. Mecha zieht ihn augenblicklich in den Bann, ihre aparte Schönheit, der weltberühmte Komponist an ihrer Seite, das funkelnde Collier um ihren schlanken Hals. Es folgt ein Tanz, ein nichtssagender Smalltalk, der verheißungsvoller nicht sein könnte. In Buenos Aires angekommen, führt Max das Paar durch die zwielichtigen Tangobars seiner Geburtsstadt. Doch in dieser Nacht geraten die Dinge außer Kontrolle, und für Max und Mecha beginnt das Abenteuer ihres Lebens: die große Liebe. Eine Liebe, die erst viele Jahre später auf der Promenade Nizzas zwischen entrücktem Glamour und den Wirren des Krieges eine zweite Chance erhält …“

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Das sage ich:

Die beiden Protagonisten sind ungewöhnlich wie unterschiedlich. Max ist ein alternder Ganove und Frauenheld. In seiner Jungend nutze er seinen Charme und sein gutes Aussehen, um sich durchs Leben zu mogeln. Nun ist er zur Ruhe gekommen und arbeitet als Chauffeur, bis ihm durch Zufall Mecha erneut begegnet. Für diese extravagante, sexuell sehr freizügige und doch auf sehr kalte weise leidenschaftliche Frau der Upperclass, die zunächst mit einem Komponisten und dann einem Diplomaten verheiratet ist gibt Max erneut den charmanten Mann von Welt – indem er die Kleidung seines Arbeitgebers stiehlt. Eine sehr explosive Mischung!

Der zentrale Handlungsstrang spielt in den angespannten Zeiten des kalten Krieges in den 60ern, also bei der dritten Begegnung von Max und Mecha. In einem Hotel findet ein bedeutendes Schachspiel statt und Mecha begleitet ihren Sohn, der als heißer Favorit für der anstehenden Meisterschaft gehandelt wird. Hier begegnet sie Max nach fast dreißig Jahren wieder. Beide über sechzig durchleben in Rückblenden ihre zwei vorausgehenden Begegnungen erneut.

Die erste, bei der Max als Eintänzer auf einem Überseedampfer auf Mecha und ihren Komponistengatten trifft und diese in die zwielichtigen Kneipen Argentiniens führt, um ihnen das unverfälschte Wesen des Tangos zu zeigen. Und dann einige Jahre später im zweiten Weltkrieg, als Max einen Job für italienische Spione in Nizza erledigen soll.

Wieder mal suggerierte der Klappentext eine völlig andere Gewichtung und Handlung. Ich erwartete irgendwie schon eine zärtliche Liebesgeschichte. Hier stehen aber eher Spionage, Diebstähle und das vortäuschen und überspielen von Gefühlen eine Rolle. Wer „Über den Dächern von Nizza“ liebt, wird auch dieses Buch mögen. Die beiden Hauptfiguren scheinen nie ganz ehrlich mit ihren Gefühlen zu sein, sondern eher damit zu pokern und sie für ihre eigenen Ziele zu benutzen. „Die große Liebe“, wie im Klappentext beschrieben, sieht irgendwie für mich anders aus. Das Schach- und Tangothema haben mich beide nicht wirklich interessiert, werden jedoch sehr ausführlich dargestellt, sodass ich manchmal gern über ganze Abschnitte gesprungen bin.

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Cover: Ich finde das hauptsächlich in Sepia gehaltene Coverbild wunderschön. Die Frau im roten Kleid auf einem Schiff, das elegant unscharf gehalten ist, ist wirklich sehr hübsch. Es passt zu dem, was als Klappentext als lebenslange Liebesgeschichte suggeriert wird. Romantisch, das rot des Kleides passt zur Leidenschaft und dem Tango. Doch irgendwie nicht zu dem, was dann tatsächlich als Haupthandlungsstrang im Fokus steht.

Fazit: Ein Buch über zwei sehr ungewöhnliche Menschen, die sich dreimal im Leben begegnen, über Tango, Schach und kleine Gaunereien alá „Ocean’s Eleven“ und „Über den Dächern von Nizza“. Leider ohne das notwendige Augenzwinkern und Timing. Und für mich auch die versprochenen großen Gefühle.

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Eure Mareike

Rezensionsexemplar – vielen Dank

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